fundstücke in fernwest
Fundstück – Frischer Hund
Fundstücke in Fernwest – Frischer Hund
Ein kleiner abendlicher Spaziergang durch Carmelo bringt mich zu meinem nächsten Fundstück. Carmelo liegt am schmalen, vielleicht 2 km breiten Beginn des Rio de la Plata, der sich im weiteren Verlauf auf eine Breite von über 100 Kilometer auswächst, während sich immer mehr Atlantikwasser einmischt, was aber mit der Geschichte nur unwesentlich zu tun hat. Wer sich denkt, kann der Hund nicht mal aufhören, immer so belehrend zu sein, bringt die Geschichte allerdings wieder in die Spur.
Denn das, was ich heute entdeckt habe, hat tatsächlich etwas mit Hunden zu tun! Ich komme auf meinem Weg durch Carmelo an einer Carniceria/ Metzgerei vorbei, an der folgendes Schild befestigt ist: „Vendo perros cimarrones!“ Während die ersten beiden Worte sich für mich noch recht leicht übersetzen lassen „Verkaufe Hunde!“, habe ich keine Idee, was das dritte heißen soll. Aber: Führen solche Schilder an einer Metzgerei nicht zwangsläufig zu Missverständnissen? Oder geht nur mir das so?
Ich googletranslate zu Hause den Ausdruck „perros cimarrones“ und je nach dem, ob in Ein- oder Mehrzahl kommen ganz unterschiedliche Resultate heraus. Google-Translator ist aber wirklich zu lustig! Das muss man denen schon lassen:
perro cimarrón = Dickhorn Hund
perro cimarrones = entlaufender Hund
perros cimarrónes = Wildhunde
Ich frage die hübsche Frau von der Rezeption, ob die „perros cimarrones“ beim Schlachter nun so etwas wie „perro caliente“ (Hotdog) seien. Nein, das sei eine Hunderasse und wahrscheinlich sei damit nicht das Fleisch gemeint sondern lebend am Stück. Muss man dann wohl zu Hause selber die Sauerei machen.
Wenn man „perro cimarrón“ bei der Bildersuche eingibt, sieht man Bilder von hässlichen Boxern, den Hunden wohlgemerkt. So viel noch als Aufklärung. Über Zubereitungsarten „a la uruguaya“ finde ich allerdings nichts mehr. Überlassen wir das den Christen auf Flores/ Indonesien, die übrigens einen ganz hervorragenden Straßenköter zubereiten.


Fundstück – 36 Grad
Fundstücke in Fernwest – 36 Grad
„36 Grad und es wird noch heißer! Mach den Beat nie wieder leiser! 36 Grad, kein Ventilator! Das Leben kommt mir gar nicht hart vor!“
Meint Inga Humpe!
„36 Grad und es wird noch heißer! Mach den Beat nie wieder leiser! 36 Grad, Klimaanlage! Rausgehen kommt nicht in Frage!“
Meint Tommi Boe!
Es ist natürlich nicht ganz unproblematisch, eine Geschichte über eine Hitzewelle im mitteleuropäischen Januar zu platzieren. Von Beileidsbekundigungen ist daher abzusehen. In der Zeitung habe ich gelesen, dass es selbst in Patagonien deutlich über 30° hat, für Neuquén, das „Tor nach Patagonien“, wurden im Internet sogar 40° angesagt (ja, auch in Argentinien meinen die damit „im Schatten!“).
Aber es ist nicht so, als würde das nicht normal sein. Die Zeitung in Posadas meinte, dass würde sich für die Jahreszeit in den „normalen Parametern“ bewegen. Und die meinen damit 40,8°C! (siehe Foto)!
Heute (in Carmelo/Uruguay) bin ich erst um 19:30 an den Strand des Rio de la Plata gegangen. Davor war’s einfach zu heiß, liebe Freunde. Die Frau von der Rezeption meint allerdings, dass es diesen Sommer in Uruguay extrem sei. Na, immerhin. Das Wasser verspricht keine große Abkühlung. Es ist bis 100 Meter weit noch nicht mal hüfttief und dementsprechend aufgewärmt. Zumindest das Bier wird eiskalt serviert. Nicht so wie in Deutschland! Denn das eine wissen die Menschen in Südamerika über Deutschland. Und ständig werde ich darauf angesprochen, in Deutschland trinke man das Bier doch „caliente“, nicht wahr? Wobei „caliente“ warm oder auch heiß bedeuten kann. Ich muss daraufhin ganz Südamerika aufklären, dass wir unser Bier NICHT warm trinken. Apropos Bier: das war mein Stichwort! Prost!


Fundstück – Auf den Spuren der Jesuiten
Fundstücke aus Fernwest – Auf den Spuren der Jesuiten
Ich bin ja nicht so der Hobby-Archäologe vor dem Herrn. Aber die kulturhistorisch herausragenden Ruinen der Jesuiten-Mission Trinidad in der Nähe von Encarnación (das alles in Paraguay) habe ich mir dann doch angeschaut. Und was soll ich sagen? Es sind Ruinen! Laaaaaaangweilig!
Andererseits muss ich doch anerkennen, dass die Jesuiten mit ihren Reducciones, wie diese Siedlungen hießen, gegenüber den sonstigen Besatzern und Ausbeutern Südamerikas wahre Christen (im überraschend positiven Sinne) waren und neben dem Bekehren (ist ja klar!) die einheimischen Guaraní in diesen Gebieten vor der Versklavung durch die Kolonialisten bewahrt haben. (Mal abgesehen davon, dass auch die Jesuiten natürlich kleine Hilfsleistungen bei ihren Bauarbeiten benötigten.) Im Gegenteil flüchteten sogar viele Guaraní vor den Sklavenjägern in die Reducciones, wo sie in Sicherheit waren.
So entwickelte sich im heutigen Paraguay ein weitgehend eigenständiger Jesuitenstaat, bis die Jesuiten schließlich Ende des 18. Jahrhunderts endgültig vertrieben wurden. Aber schon 1811 später erlangte Paraguay als erstes Land des Kontinents ihre Unabhängigkeit. Durch diese relative kurze Belagerungszeit ist die Bedeutung der Guaraní im heutigen Paraguay immer recht groß geblieben, im Gegenteil zu anderen südamerikanischen Ländern. So ist Guaraní in Paraguay noch heute neben Spanisch die Amtssprache.
Als die Guaraní zum ersten Mal einen aus Europa „importierten“ Hund sahen, hielten sie ihn für eine Art Katze und nannten ihn „Jagua“ und so heißt heute im Guaraní der Hund „jagua“, während Jaguar „jaguarete“ heißt. Süß oder?


Fundstück – Im Rachen des Teufels
Fundstücke aus Fernwest – Im Rachen des Teufels
So einen Namen muss man übersetzen! Denn heute war ich in der Garganta del Diablo, den zentralen und spektakulärsten Wasserfällen der Cataras (Katerakte) de Iguazú/ do Iguaçu. So genau muss man die Schreibweise schon nehmen, schließlich ist es ein binationales Wasserspektakel.
Über ein anderes zweistaatliches Wasserfallheiligtum hat die damalige First Lady der Vereinten Staaten Eleanor Roosevelt beim Anblick der Iguazú-Fälle ja so schön gesagt: „Poor Niagara!“
Alles andere als erbärmlich sind die Iguazu-Fälle. Während sich die Brasilianer zurecht rühmen, dass sie die bessere Aussicht haben, haben die Argentinier eindeutig das bessere Spektakel. Denn dort wird man, gegen einen kleinen Unkostenbeitrag, mit einem Boot direkt in den Rachen des Teufels gefahren, bis letztlich von allen Seiten nur noch Wasser ist. Das ganze Boot ist geflutet, alle sind klatschnass! Yieha!! brülle ich in den Rachen, doch das Donnern des Teufels ist nicht zu übertönen. Der blanke Wahnsinn!
Und wenn man sich jetzt mal ganz vorsichtig vorstellt, was sich wohl beim „singenden Stein“, dem Itaipú, gleich um die paraguayische Ecke, abgespielt hat. Die Wassermassen des Iguazú würde nämlich gerade mal für zwei der 20 Turbinen des Itaipú-Staudamm ausreichen! Also ein lächerliches Zehntel. „Poor Iguazú“ fällt mir dazu ein. Aber vielleicht würden auch die menschlichen Synapsen implodieren bei den zehnfachen Wassermassen. Wahrscheinlich ganz gut, dass sie lieber einen Staudamm errichtet haben.
Aber was mecker ich eigentlich schon wieder rum?! Kann ich nicht mal andächtig und demütig den Rachen halten? – Doch, denn das war so was von geil heute!



Fundstück – Itaipú – Stein, der nicht mehr singt
Fundstücke aus Fernwest – Itaipú – Stein, der nicht mehr singt!
Mein heutiger Ausflug schwemmte mich zum Itaipú-Staudamm, der sich derzeit mit dem Dreischluchten-Staudamm in China um die Stellung als Nummer 1 der Welt streitet. Klar unterlegen ist die paraguayisch-brasilianische Koproduktion bei der Zahl der Zwangsumsiedlungen, lächerliche 40000. In dieser Kategorie gewinnt China mit mehrfachem Millionen-Vorsprung!
Itaipú bedeutet in der Sprache der Guaraní, der Urbevölkerung, „Stein, der singt“, weil auch hier, wie bei den benachbarten Iguazu-Fällen, Unmengen an Wasser sich über Felsen stürzten. Nun, von diesen Fällen ist nichts mehr zu sehen, der Stein singt nicht mehr! Hier steht ein mächtiges Betonbauwerk, das je zur Hälfte Paraguay und Brasilien gehört. Wobei von den 20 Turbinen gerade mal zwei genügen, um über 80% des paraguayischen Strombedarfs zu erzeugen. Die übrigen 18 bringen es auf 20% des Strombedarfs des großen Nachbarn Brasilien. Da ich ein bisschen Schwierigkeiten mit so vielen und vor allem so großen Zahlen habe, möchte ich nur noch eine erwähnen, die ich bei der heutigen Propaganda-Veranstaltung vor Ort erfahren habe: 2012 wurden 98 Terrawattstunden erzeugt. In dieser Kategorie liegt der Stolz Paraguays vor dem Dreischluchten-Staudamm. Der effektivste Kernreaktor der Welt kommt zum Vergleich auf 12 Terrawattstunden pro Jahr! Damit ist Paraguay der größte Wasserkraftexporteur der Welt!
Ob dieser Weltmeistertitel die Fußball begeisterten Paraguayos darüber hinwegtrösten kann, dass ihr Nationalteam bei der Copa del Mundo im Nachbarland nicht dabei sein wird, wage ich allerdings zu bezweifeln.


