Proceso de Paz

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Proceso de Paz

Als ich vor 13 Jahren das erste Mal nach Kolumbien kam, steckte das Land noch immer im Bürgerkrieg. Das klingt hart und für unsere, „westlichen“ Ohren übertrieben, aber nichts anderes fand in Kolumbien seit Mitte der 60er Jahre statt.
Zu dieser Zeit gab es noch eine extrem aktive Guerilla mit Attentaten im ganzen Land, weniger in den Großstädten. Aber ich durfte Zeuge werden, wie eine Autobombe nur einige Quadras von mir entfernt in Bogotá gezündet wurde. Außerdem war in weiten Teilen des Landes an Busreisen nicht zu denken. Zu groß, zu unübersichtlich, zu unkontrollierbar das Land. „Überall“ saßen Guerillaverbände. Und Kolumbien war nicht umsonst für seine Entführungsindustrie – auch von Touristen – bekannt, durch die Millionen eingenommen sowie international öffentlicher Druck auf die rechte Regierung ausgeübt wurden. Als ich damals in Cali war, wollte ich eigentlich einen Abstecher nach Popayán machen. Aber im letzten Moment kam etwas dazwischen. Am gleichen Tag wurden drei Holländer aus einem Bus von Cali nach Popayán gezogen und verschwanden für ein paar Monate in den Wäldern. Auch das war knapp.
Dann aber kam Alvaro Uribe an die Macht, ein Politiker aus recht rechtem Lager, mit guten Beziehungen zum Paramilitar, der mit harter Hand und Milliardenunterstützung der USA („Plan Colombia“, eingeführt unter seinem Vorgänger Pastrana) den Kampf gegen Drogenanbau und -handel und Guerilla ordentlich verschärfte. Durchaus mit Erfolg!
Das Land ist heute viel sicherer. Es geht natürlich nicht allen Kolumbianern besser (obwohl sich auch die wirtschaftliche Situation Kolumbiens in den letzten 10 Jahren verbessert hat), weil rechte Politik (in Südamerika) eben auch immer mit einem gehörigen Schuss Protektionismus einhergeht. Das heißt, der Wohlstand der Reichen wird bewahrt und vermehrt. Bekanntes Spiel, das also auch ganz ohne FDP hervorragend funktioniert!
Uribes Zeit ist inzwischen vorbei und die neue Regierung unter Santos setzt auch wieder auf Verhandlungen. Zurzeit läuft der „Proceso de Paz“ (Friedensprozess), der erstmal seit 40 Jahren tatsächliche Hoffnung auf Frieden aufkommen lässt. Die beteiligten Parteien kommen in Havana/Kuba zusammen und dort werden fünf große Inhalte verhandelt. Gerade gab es einen „Acuerdo“ (Einverständnis) über den zweiten Verhandlungspunkt, über die „politische Teilhabe“ der FARC (Fuerzas Armadas Revolutionarias de Colombia), dem größten Guerillaverband Kolumbiens. Und als nächster Punkt steht jetzt der Drogenhandel auf der Tagesordnung.
Große Teile der Bevölkerung sehen diesen Prozess sehr kritisch. Zum Teil wird Präsident Santos dafür kritisiert, der Guerilla zu große Zugeständnisse zu machen. Dahingehend hat sich Expräsident Uribe ebenfalls geäußert, was natürlich kein positives Zeichen ist, wenn der Expräsi mit gestrecktem Bein in die Verhandlungen grätscht. Aber so ist er nun mal, der Uribe…!
Ein interessanter/kniffliger Verhandlungspunkt kommt aber noch (natürlich sind alle knifflig). Aber besonders kritisch in der Bevölkerung wird beobachtet, inwieweit die Amnesie-Regelung für die Guerilleros verhandelt wird. Da gibt es nämlich nur eine geringe Kompromissbereitschaft in der Gesellschaft. Auf der anderen Seite darf man erwarten, dass die Verhandlungsführer der Guerilla möglichst straffrei davonkommen wollen. Wie gesagt: knifflig!
Insgesamt muss dieser Prozess aber sehr positiv betrachtet werden. Denn die Chance, endlich Frieden ins Land zu bringen, darf nicht vergeben werden. Sonst würden wieder Jahre der Unsicherheit und Unruhe folgen! Und davon haben eigentlich alle Kolumbianer genug!

 

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