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Fundstück – Trelew – pünktlichstes Flughäfchen der Welt
Fundstücke in Fernwest – Trelew – pünktlichstes Flughäfchen der Welt
Für meine Weiterreise in den südlichsten Süden Argentiniens hab ich mich für einen Flug von Trelew, eine knappe Stunde mit dem Colectivo von Puerto Madryn, nach Ushuaia/ Feuerland/ Ende der Welt entschieden. Es gibt sogar einen zweistündigen Direktflug. Da fällt die Entscheidung gegen zwei Tage im Bus leicht.
Der Flug soll um 10:35 gehen. Ich nehme morgens mein Colectivo und bin der einzige Passagier (!), der dort um 9:00 sein Gepäck aufgibt. Ich trink noch einen Kaffee. Dort sitzen schon zwei deutsche Mädels, während kurz darauf eine französische Reisegruppe eintrifft. Auf dem Bildschirm erkenne ich, dass alle vier Flüge des heutigen Tages pünktlich sein werden (Foto).
Um 9:45 macht die Sicherheitsschleuse auf. Ich warte die Reisegruppe ab, schlendere zum Sicherheitsbereich und geb noch schnell mein Taschenmesser ab (bravo!). Als ich die Treppe zum Boarding hochrolle, ist schon kein Franzose mehr zu sein. Da wird auch schon mein Name ausgerufen. Ich schaue auf die Uhr: 10:00 Uhr! Aha! Habe ich mal wieder etwas verpasst. Liegt der Flughafen in der gälischen oder venezolanischen Zeitzone, die geht ja schon mal gerne eine halbe Stunde anders. Fünf Minuten später sitze ich auf meinem Platz und Boarding is completed. Die Maschine kommt im übrigen aus Buenos Aires, landet hier nur zwischen und hatte wohl einen Tiger im Tank oder ordentlichen Rückenwind.
Wie auch immer, wir fliegen eine halbe Stunde vor dem Zeitplan los. Das ist mir auch noch nicht passiert. Warum auch nicht?! Mit Drängeleien auf der Startbahn ist hier jedenfalls nicht zu rechnen!

Fundstück – Stand up Paddling – Nachlese
Fundstücke in Fernwest – Stand up Paddling – Nachlese!
In der Bucht von Puerto Pyrámide auf der Península Valdés erblickte Mauricio, einer der beiden Argentinier, mit denen ich unterwegs war, ein paar Stand-up-Paddler und runzelte die Stirn: Was soll das denn sein?! – Ich erklärte ihm die bahnbrechende, Welten verändernde Idee hinter dem Spektakel. Mauricio verzog das ganze Gesicht und schüttelte angewidert den Kopf. Bah!
Ich erklärte Mauricio, dass wir in Deutschland bereits ein Sprichwort über Stand-up-Paddler hätten: „Zu blöd zum Surfen, zu faul zum Schwimmen und zu unsportlich für ALLES, was Spaß macht!“
Meiner Ansicht nach gibt es bei wenigen Dingen eine so große Diskrepanz zwischen dem, was man erreichen möchte, „total cool sein“, und dem, was man erreicht, nämlich „sich völlig lächerlich machen“. In dieser Tragik liegt wiederum schon fast wieder etwas Heldenhaftes, wenn man es mal ganz klassisch und natürlich kein bisschen ästhetisch betrachtet!
Wenn man sich vorstellt, dass jeder einzelne existierende Mensch am Ende einer erfolgreichen Evolutionskette steht. Alle seine Vorfahren konnten sich also erfolgreich fortpflanzen, wirklich ALLE, egal wie weit man zurückgeht. Und dann endet dieses elitäre Geschöpf als Krönung auf einem Surfbrett mit Nordic-Walking-Stöcken, ups, Pardon, da hab ich etwas durcheinander gebracht… Naja, aber was rege ich mich schon wieder auf!
(https://tommiboe.wordpress.com/2013/12/21/fundstuck-stand-up-paddling/) – für Teil 1 !

Fundstück – Bier und Langeweile
Fundstücke in Fernwest – Bier und Langeweile
Langeweile kann etwas sehr Schönes sein. Sie hat in meinen Augen, unverdienter Weise, einen viel zu schlechten Ruf, was natürlich ein Produkt der heutigen Zeit ist. Wo Verpassungsangst herrscht, da wirkt Langeweile quasi als Brandbeschleuniger dafür. Was könnte/sollte/müsste ich nicht alles tun, statt wie ein Dreizehenfaultier kopfüber auf der Coach zu hängen.
Die Italiener nannten das einst „la dolce far niente“, das „süße Nichtstun“, klingt doch herrlich. Gut, dann kam die Krise und die Italiener merkten, dass nur Nichtstun doch nicht so erfolgreich im Konzert der internationalen Haifischkapitalisten ist. Zum anderen macht man aus Langeweile heraus oft Dinge, die man sonst vermutlich nicht oder nie machen würde: Putzen zum Beispiel, Frauenmagazine auf dem Klo lesen, ein paar Stationen länger im Bus sitzen bleiben, um dann zu Fuß zurückzulaufen, ein BUCH lesen (also nicht so’n Scheiß im Internet) oder auch überflüssige Blogs schreiben.
Aber Langeweile ist auch ein exzellenter Nährboden für Dummheiten! Das wissen nicht nur Eltern.
Mich erwischt die Langeweile in El Bolsón (Patagonien, Argentinien). Morgen geht’s wieder für drei Tage ins Gebirge und für heute muss ich nur meine Wäsche in gute Hände geben, meine Tour planen, Schlafsack ausleihen, Essen einkaufen und ja… El Bolsón (zu deutsch: die Tasche) ist so klein, dass man schnell fertig mit dem Durchschlendern ist und ich bin ganz schlimm geschlendert. Und so lande ich mittags in der Cervezeria El Bolsón. Schließlich befindet sich hier die Hochburg der argentinischen Bierbraukunst. Davon wurde mir schon von einigen Argentiniern berichtet. Als erstes bestelle ich die „Degustación“, die Bierprobe, die aus sechs bis sieben unterschiedlichen Bieren besteht, je nach dem, ob man nach belgischer Zählweise „Frambuesa/ Himbeere“ dazuzählt. Dazu bestelle ich mir einen Hamburguesa und anschließend eine Pinta „Negra Extra“ und eine „Rubia“, da ich schon mal hier bin. Beides Biere, die ich auf einer nach oben und unten offenen Bierrichterskala als „jo, ganz lecker“ einstufe.
Schön völker- und einheitenvereinend finde ich ja die Bezeichnung „Pinta“, die hübsch vom englischen Pint abgeleitet ist, aber trotzdem einfach einem halben Liter entspricht. Dahingehend bedeutet eine „schwäbische“ Halbe 0,4 Liter. Kein Spaß! Hab ich in Stuttgart persönlich erlebt und getrunken. Vielleicht leitet sich das wiederum von der Hälfte einer gezapften Maß auf dem Volksfest ab. Dann kommt man ja mit 0,4 l wieder einigermaßen hin.
Hier geht’s zur „Langeweile des Todes – Abiaufsicht“!
gespaltenes Wasser
gespaltenes Wasser
Ruta de los 7 Lagos, 2. Teil
(1. Teil: https://tommiboe.wordpress.com/2014/02/16/asche-und-kase/)
Am dritten Tag liegt der längste Abschnitt der Ruta de los 7 Lagos vor mir, ca. 80-85 Kilometer. Auch hier wartet wieder ein gutes Stück Dirtroad. Die Straßenarbeiter sind dran dieses Stück zu verkürzen und asphaltieren munter vor sich hin. Ich starte um 8:00, da ich keine Ahnung habe wie lang, schlimm und mühsam die Passage ist und wie viel es wieder auf und ab geht. Der frühe Vogel… Außerdem ist um diese Uhrzeit tatsächlich noch wenig auf der Straße los.
Heute überwiegt das Positive. Die Schotterpiste ist nur für einen kleinen Teil so grottig wie gestern, außerdem hält sich die Staubbelastung heute in Grenzen, da die Piste gewässert wird, und Patagoniens Wunderwaffe der Wind erweist sich als schläfrig gestimmt. Meine Fluchdichte ist im Vergleich zu gestern verschwindend gering und Radfahren mach plötzlich wieder Spaß.
Am höchsten Punkt meiner Etappe befindet sich etwas sehr Interessantes (ja, sogar Spektakuläres für Geographen!): der „Arroyo Partido“. Hier kann man von einer Brücke aus zusehen, wie sich das Flüsschen Arroyo Partido gabelt. Es kommt mit Schwung aus den Bergen um eine Kurve herum und teilt sich dann plötzlich in zwei Flüsschen, von denen das eine in den Atlantischen und das andere in Pazifischen Ozean fließt. Verrückt was? Keine Ahnung, was das Flüsschen dazu veranlasst (naja, Gefälle vermutlich!) oder was es sich davon verspricht (Eintrag ins Guiness-Buch?)! Aber schon eine krasse Idee, sich da so mitten im Gebirge zu spalten. Vielleicht hatte es schon im oberen Flussverlauf Streitigkeiten zwischen den rivalisierenden Wassermassen gegeben. (Was weiß denn ich? Schmelzwasser gegen Regenwasser oder ähnliche Konflikte… „Dann fließ doch woanders lang!“ – „Mach ich auch!“ – „Das will ich ja mal sehen!“ – „Ja, wirste auch sehen!“ und so weiter. Wasser kann mitunter ganz schön zickig sein!)
Der (alt-)kluge Geograph hält für solche seltene Momente, und viele gibt es davon weltweit tatsächlich nicht, natürlich ein eigenes Angeberwort parat. Also Zettel raus und mitschreiben: „Bifurkation“ (da steckt „zwei“ und „Gabel“ drin, also Gabelung).
Von diesem Punkt aus geht’s dann 15 Kilometer mit viel Gefälle (Richtung Atlantik) und Gegenwind (Richtung Pazifik) hinab nach San Martín de los Andes, wo ich am Terminal vorbeirolle und schon eine Stunde später in einen Bus einsteige, der mich genau den gleichen Weg direkt wieder zurückfährt, was irgendwie auch ein komisches Gefühl ist und die Frage zurücklässt: „Wofür das Ganze?“ Aber das ist natürlich eine Frage, mit der man letztlich fast alles kontern kann. Und jetzt wollen wir mal nicht philosophisch werden um diese Uhrzeit. Denn zumindest schön war’s! Das muss auch mal reichen!
Hier zum Videobeweis:




