„tommi boe“

Next Stop Liechtenstein!

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Next Stop Liechtenstein
Als wir auf unserer Fahrt zum Skischullandheim von Stuttgart nach Gaschurn fuhren und plötzlich durch das Fürstentum Liechtenstein kamen, wuchsen uns dann doch ein paar Fragezeichen in die Stirn – mal abgesehen von den Schülern, denen lediglich die zahlreichen Kreisverkehre unserer Überlandfahrt auf den Magen schlugen. Was war das denn für eine Reiseroute?! Sammelte der Busfahrer Bonusmeilen oder fehlten ihm noch Länderpunkte? Aprospos, dank dieser originellen Streckenwahl kann ich endlich auch mein Fähnlein in Liechtenstein hissen. Hier musste ich nämlich wirklich noch nie lang fahren. Und hätte ich das gewusst, hätte ich natürlich meinen Koffer voll Bargeld mitgenommen. Mist!
Natürlich hätten wir auch einen anderen Weg nehmen können. Aber immerhin dauerte es so länger… Vielleicht wurde der Fahrer ja pro Stunde bezahlt und, so betrachtet, lohnte sich natürlich jeder Umweg. Für ihn! Oder er hatte beim Routenplaner in sein Navi statt „kürzeste“ oder „schnellste“ Strecke versehentlich „Priorität möglichst viele Kreisverkehre“ oder „so viele unterschiedliche Länder, inklusive Fürstentümer, wie möglich“ eingegeben. Naja, kann ja mal passieren!
Wahrscheinlicher jedoch, dass er „auf Mautstrecken verzichten“ gewählt hat. Denn auf Rücksprache mit dem Busunternehmen, das wir anfragten, für den Rückweg bitte die Option „möglichst schnell nach Hause“ zu priorisieren, erfuhren wir, dass der Busfahrer wohl Mautstrecken umgehen wollte. Auf Schweizer Kreisverkehre liegt nämlich noch keine Gebühr und auch Liechtenstein darf man ohne Zusatzabgaben durchfahren, was ich nur konsequent finde, da die Straßen dort ohnehin weitestgehend durch deutsche Steuerflüchtlingsgelder finanziert werden.
Unser Bus fahrender Sparfuchs hat uns dadurch doch tatsächlich satte zehn Euro gespart! Bei 63 Insassen im Bus macht das stolze 20 Cent pro Person und da ist schon ein Trinkgeld von 2,60 € für den Busfahrer mit eingerechnet. Tja… So ist das nun mal mit Busfahrern, möchte man meinen. Immer für eine Überraschung gut.
Die nächste Überraschung (für mich jedenfalls) war, dass sechs Tage später bei unserer Rückfahrt der Busfahrer zu früh vor dem Hotel stand, gut gelaunt war und uns auf schnellstem Weg nach Stuttgart brachte. Huch! Damit hatte ich echt nicht gerechnet. Aber auch so etwas kann passieren!

 

Für weitere Geschichten aus der Rubrik „Spaß im Bus“ geht’s hier lang:

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Umbennungsmythus Hässliche Erdferkel

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Umbennungsmythus Hässliche Erdferkel

Bevor das Marburger Ultimate-Team den schönen und völlig verdienten Namen „Hässliche Erdferkel“ günstig und leicht angetrunken unter einem Kneipentisch erwarb, hieß es „Siebenschläfer“. Laaaaangweilig!!! Als ich im Wintersemestser 91/92 nach Marburg kam, hieß es schon so und zwar, weil das damalige Team bei seinem ersten Turnier überhaupt (ich schätze so 1888 oder 89. Oh, hab ich, sorry… ich meine natürlich 1988/89) nur zu siebt an den Start ging und nach einem anstrengender ersten Turniertag am nächsten Morgen seeeehr müde war. Und da das Team noch keinen Namen hatte, war an diesem Sonntagmorgen der Teamname geboren: Siebenschläfer! Das war natürlich schon damals (Bohr: zu siebt + ziemlich müde = Siebenschläfer!) sehr originell oder mit anderen Worten: Laaaangweilig!!! Und auch ein bisschen peinlich, besonders für alle Spieler, die erst später dazukamen und  mit der Entstehungsgeschichte keine persönliche, sondern nur jene Müdigkeit verbanden, die vom Namen selbst ausging.

Nachdem in den Folgejahren immer mehr neue Spieler in Marburg aktiv waren und kaum noch jemand ein wirklicher „Siebenschläfer“ war, kam es zu vermehrten Umbenennungsbemühungen. So wurden etliche großartige Vorschläge vorgebracht, die aber immer wieder von wertekonservativen Traditionalisten abgebügelt wurden. Hier folgt eine, nicht vollständige Liste damals vorgeschlagener Namen (wer kann sich schon an jeden Scheiß erinnern?). Es fehlen (aus rechtlichen Gründen) einige ebenfalls originelle Vorschläge:

„Fröhlicher Filmriss“, „Marburg Gnus“, „Marburg Popes“ (sogar mit einem Shirt-Entwurf, auf dem der Papst ein Kondom auf dem Kopf hat und eine Frisbee in die Eier bekommt und darunter steht „Marburg Popes – Kondome schützen!“) „Opossum 8“ (Verballhornung zweiten Grades von 7Schläfer, da Opossen ähnlich hässliche Viecher sind wie Siebenschläfer) und schließlich, wo wir schon bei hässlichen Tieren waren, „hässliche Erdferkel“, wobei uns NATÜRLICH von Anfang bewusst war, dass es sich dabei um einen Pleonasmus handelt, und uns eine zusätzliche Freude war, dass der Durchschnittsfrisbeehansel und -gretel gar nicht weiß, was das bedeutet. Auch das ist Teil der Marburger Hässlichkeit.

Zur bahnbrechenden und wegweisenden Umbenennung kam es dann erst 1997, als beim Bierchen nach einem Hallentraining  nun wirklich niemand mehr 7Schläfer war und die Revolutionsstimmung mit jedem Bier anstieg, sodass letztlich die anberaumte Abstimmung dann klar ausfiel mit: Hässliche Erdferkel : „Zeeeeehn!!“ – 7Schläfer : „Nuuuuullll!“ – Daaanke – Biiiitte!“

Die erste DM unter dem Namen Erdferkel fand in Straubing statt (1997): Meister Dritte Liga (damals hatten die Ligen noch je 7 Teams).

Das klingt also 2017 nach 20 Jahre Hässlichkeit. Glückwunsch Erdferkel!

Bis spätestens zum 4Ferkel 2016! (dem 15. übrigens!)

stay ugly!!

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Unglaublich hässlich! Aber irgendwie auch süß…

Mehr übers Klima in der Adventszeit

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Mehr übers Klima in der Adventszeit
Schon lange nichts mehr aus Paris gehört. Vor einer Woche wurde dort der UN-Klimagipfel eröffnet. 150 Regierungschefs ließen sich blicken. Noch nie zuvor hat es so viele an einem Ort gegeben. Damit nimmt dieser Kongress durchaus historische Ausmaße an. Zumindest wenn es darum geht, sich klima- und zukunftsbewusst der Weltöffentlichkeit zu präsentieren.
Das gemeinsame Motto: „Sind wir nicht alle Klimafreunde?!“ Sicher, wenn’s ums Reden geht, dann schon. Da sind sich alle einig, verbrüdern sich und gehören kollektiv zu den Guten. Fast möchte ich mich fragen, wie es bei so viel Einsicht und Einigkeit überhaupt möglich sein kann, dass dann niemand tatsächlich etwas gegen den Klimawandel tut. Aber nur fast…! Denn natürlich handelt es sich bloß um die, für solche Anlässe übliche Verbalakrobatik der Politikdarsteller, die ja nie etwas mit Handeln zu tun hat.
Wie zum Beispiel Chef-Verbalakrobat Obama, der mit ernster Miene der internationalen Klimagemeinschaft offenbart: „Wir sind die erste Generation, die die Folgen des Klimawandels spürt, und die letzte, die etwas dagegen tun kann!“ Dieser Satz ist so schwergewichtig und gleichzeitig wohlklingend, dass ihn Obama mit seiner sonoren Stimme in jede Kamera säuselt. Aber was hat das mit dem zu tun, was er zu Hause umsetzen kann? Na…? Gar nichts! Noch immer möchte ich Obama sympathisch finden und wahrscheinlich ist er es auch. Aber was ändert das?! Was steckt hinter den warmen Worten?!
Zahlreiche US-Bundesstaaten haben bereits angekündigt, gegen die Versprechen ihres Präsidenten zu klagen. Die republikanischen Präsidentschaftskandidaten kritisieren Obamas Pläne als verfassungswidrig und im Kongress haben die Republikaner ohnehin die Mehrheit. Zumindest was die Klimapolitik angeht, ist Obama längst jene „Lame Duck“, die lahme, flugunfähige Ente, die nichts mehr auf den Weg bringen kann. Also was soll das?! Spar dir gefälligst deine Floskeln für die Zeit nach deiner Präsidentschaft auf!

 

hier geht’s zum ersten Teil:

https://tommiboe.com/2015/11/25/ubers-klima-in-der-adventszeit/

Übers Klima in der Adventszeit

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Übers Klima in der Adventszeit
Passend zur Adventszeit beginnt am 30. November die UN-Klimakonferenz in Paris. Da kommen in gemütlichem Kreise die wichtigen Staatsoberhäupter zusammen und halten Reden wie „Wenn wir jetzt nicht handeln, dann…!“ Ein „Weckruf“ folgt dem nächsten. Gääähn! Fehlen nur noch die Kerzen!
Wie dramatisch und glaubwürdig ist es denn, wenn zur alljährlichen Klimakonferenz die Vorjahresreden recycelt werden. Praktisch für die Redenschreiber. Schließlich haben sich weder an der Ausgangslage noch an der politischen Bereitschaft, wirklich was zu tun, etwas Entscheidendes zum Vorjahr geändert. Und auch nicht zum Vorvorjahr und dessen Vorgängern.
Man möchte fast meinen, dass die warmen Worte metaphorisch sehr schön ins Thema Klimaerwärmung passen. Das Problemchen mit den warmen Worten ist, dass leider keine Taten folgen. Denn wirklich etwas passieren, tut schon lange nicht mehr. So stammt das Kyoto-Protokoll noch aus dem vergangenen Jahrhundert. Das war 1997 und seitdem hat es kein einziges Abkommen mehr gegeben. Und selbst dieses haben die USA bis heute nicht ratifiziert, für Schwellenländer wie China und Indien gelten die Maßnahmen nicht und Kanada ist sogar aus dem Abkommen ausgestiegen.
Was können wir nun von Paris erwarten? Zumindest ruhiger als in den letzten Jahren wird es werden. Denn nach den Terroranschlägen von Paris wurden bereits alle Großdemonstrationen verboten. Die Umweltorganisationen hatten in Monate langen Vorbereitungen bereits geschätzte 300000 Teilnehmer mobilisiert. Klingt vielleicht zynisch, aber der Wirtschaft und, wie es scheint, auch dem Großteil der Politiker wird es Recht sein. Ein paar Sonntagswetterreden und Zeigefinger werden geschwungen werden, dazu wichtige Gesichter, ernste Mienen, vielleicht werden auch ein paar zukunftslose Noch-Insulaner öffentlich bedauert und gestreichelt.
Aber, jetzt mal im Ernst, was sollte schon passieren? Da hilft auch nichts, dass mit 2015 gerade das nächste Klima-Rekordjahr zu Ende geht (vermutlich das wärmste je gemessene). Auch die eigenen Erfahrungen in Deutschland mit der Hitzewelle im Sommer (über 40°C!) werden nichts ändern. Gerade geht ein derart harmloser und milder November zu Ende, dass sogar die Selbstmordraten im sonstigen Rekordmonat November einbrechen. Es ist auf nichts mehr Verlass…
Aber glaubt tatsächlich irgendjemand daran, dass auf dieser Konferenz ein Weg in eine bessere Zukunft eingeschlagen werden könnte…? Im Ernst?! (Regieanweisung: Gelächter!) Ach ja, lustige, wenngleich sehr schöne Vorstellung.
Ich freue mich ausdrücklich, wenn ich falsch liegen sollte!

Ein Hoch auf den Granatapfel

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Ein Hoch auf den Granatapfel!
Stuttgart, November 2017, mal wieder etwas über Gemüse: Granatäpfel sind schon cool oder? Die können was!
Ich geb’s zu, sie sind nicht ganz einfach zu essen. Aber „Einfach“ sollte nun auch wirklich keine wichtige Kategorie im Leben sein. Was ist schon einfach und trotzdem besonders? Viele Dinge, die einfach sind, könnte man auch einfach lassen! Einfach ist beliebig!

Und der Granatapfel ist nicht einfach. Das war er nie. Er findet bereits in der Bibel und im Koran Erwähnung, und, viel wichtiger, gilt als aphrodisierend und als Wundermittel gegen das Altern. Zudem ist er blutig und lecker. Schon Hades, der Fuzzi aus der Unterwelt, nutzte den Granatapfel, um Persephone zu überlisten. Könnte man Obst heiraten, der Granatapfel stünde ganz weit oben auf meiner Liste!
Mein aktueller Granatapfel heißt Melisa und wird sogar mit einer Beschreibung zum artgerechten Öffnen geliefert (siehe Foto!). Um dem deutschen Kunden ein Gefühl von Handlungssicherheit gegenüber der Tropenfrucht, aber letztlich ganz allgemein gegenüber dem Fremden, dem Unbekannten zu vermitteln. Wenn das funktioniert, dann könnte man ja auch Flüchtlingen so ein Schild mit wichtigen Verbraucherinfos um den Hals hängen. Vielleicht würden damit auch Ängste und Sorgen abgebaut werden… Und der Deutschen erkennt vielleicht das Positive: Aha! Hmm, naja… Ach, wenn das so ist! Na dann…!

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Als ich vor ein paar Tagen überraschender Weise einen Granatapfel im Obstkörbchen, versteckt hinter Sonnenbrillen und Schmerztabletten, gefunden hatte, sah die Frucht schon ziemlich verhutzelt aus. Die Schale war trocken und hart und es bedurfte schon der Mithilfe eines Motor getriebenen Messers, um sie zu öffnen. Aber innen herrschte noch Leben. Und zwar nicht zu knapp! Und wer schon einmal mit viel Schwung eine Grenadine aufbrach, der weiß, wie lebendig sie darauf reagieren kann. Ich musste mir jedenfalls nach dieser beherzten Notoperation ein frisches Hemd anziehen. Die Blutflecken hätten in der Schule vielleicht zu Missinterpretationen über meine Hobbies führen können.
Insgesamt hat mich der Granatapfel völlig überzeugt und sich auf der Liste meiner persönlichen Lieblingsgemüse weit nach vorne gekämpft. Das Gesamtessvergnügen, bestehend aus Schlachten, Ausweiden und Auszuzeln, ist ziemlich einzigartig und auch die geschmackliche Mischung aus süß und sauer zaubert herrlich erfrischende Grimassen ins Gesicht. Vielen Dank dafür. Ein Hoch auf den Granatapfel!

Schlachten, Ausweiden, Auszuzeln

Über mehr Gemüse:

https://tommiboe.com/category/gemuse/