herr boe

Was ist grüner als die Grünen? Über die Wahlen in BW

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Was ist grüner als die Grünen? Über die Wahlen in BW

Schön, dass es mal wieder Good News gibt!

Die CDU und Frau Eisenmann wurden abgewatscht und die AfD hat ebenfalls Stimmen verloren. Außerdem bin ich ein bisschen stolz auf meinen Wahlbezirk Stuttgart I. Denn hier holte die Splitterpartei AfD satte 3,3%. Danke dafür!

Was ich beim Wahlausgang zudem interessant finde, ist, dass der Stimmenanteil für Kleinparteien deutlich zugenommen hat. Lag dieser Anteil 2016 noch bei 6,6 Prozent (Die Linke ist mit ihren 2,9% schon eingerechnet), so hat der Stimmenanteil in diesem Jahr auf 12,1 Prozent zugenommen. Jede achte abgegebene Stimme zieht damit nicht in den Landtag ein. Und das sind immerhin mehr Stimmen, als die SPD als drittstärkste Partei erhalten hat! Schon krass! Da stellt sich mir schon die Frage, ob die 5-Prozent-Hürde noch zeitgemäß ist.

Der Wunsch, sich lästige Kleinparteien vom Hals zu halten, mag für die regierenden Parteien nachvollziehbar sein. Aber das sollte ja kein entscheidendes oder legitimes Kriterium sein. Denn besonders demokratisch ist es nicht, wenn ein großer Teil der Wählerys – und das sind diese 12,1% allemal – keine Repräsentanz findet. Und passender Weise handelt es sich hierbei ja genau um diejenigen Wählerys, die sich von keiner der traditionellen Parteien mehr repräsentiert fühlen. Unter demokratischen Gesichtspunkten sollten, meiner Ansicht nach, genau solche Parteien unbedingt im Landtag vertreten sein.

Im Zusammenhang mit der Landtagswahl in Baden-Württemberg wurde das Antreten der Klimaliste Baden-Württemberg stark diskutiert (in mehreren Medien). Die Argumentation geht so: Wären die etwa 43000 Stimmen (entsprechen 0,9%) stattdessen an die Grünen gegangen, so hätte es für eine grün-rote Mehrheit gereicht und mehr Klimaschutz wäre dann möglich gewesen, als in einer Koalition mit der CDU oder in einer Ampel-Koalition mit SPD und FDP.

Lustiges Demokratieverständnis! Das blöde Wählery ist schuld! Denn man sollte nicht vergessen, dass gerade die Grünen in BW (mit ihrem MP Kretschmann) sehr weit in die politische Mitte gerutscht sind und extrem viele Wählerys aus dem konservativen Lager gefischt haben. Dass es dabei zu Verlusten auf der, ich nenne es mal, „grünen Seite“ geführt hat, leuchtet mir völlig ein. Viele Ur-Grüne sind nach zehn Jahren grüner Politik in BaWü enttäuscht, völlig zurecht im Übrigen. Alleine bei der Energiewende befindet sich Baden-Württemberg weiterhin im Tiefschlaf.

Überraschend finde ich dahingehend eher, dass nicht bereits viel mehr Wählerys den Grünen den Rücken gekehrt haben. Vielleicht weil vielen die grüneren Alternative noch nicht bekannt sind. Doch die gibt es längst und sie stehen bereit. Denn neben der Klimaliste gibt es ja auch anderen Parteien, die sich inzwischen ums grün-linke Klientel bemühen, wie Volt, ÖDP und mit Abstrichen auch Die PARTEI und die PIRATEN. Diese fünf Parteien kamen zusammen auf 3,5% der Stimmen.

Ein Gutes kann die Debatte in meinen Augen haben, wenn sich die Grünen in BW klar werden, dass sie nicht auf dem grünen Auge blind werden dürfen. Das wäre sehr notwendig. Denn viele Friday For Future-Aktivistys (und damit Wählerys von morgen) sehen die Grünen nicht mehr selbstverständlich als die einzige wählbare Partei.

„Was ist grün und stinkt nach Fisch…?!“ Kretschmann sicher nicht. Der riecht eher nach Motoröl!

Über AstraZeneca-Skeptiker und Impfpussies

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Über AstraZeneca-Skeptiker und Impfpussies

So, Herr Boe, jetzt aber mal zur Sache: „Wie war denn jetzt die Impfung? Irgendwelche Nebenwirkungen?“

Und jetzt bitte mal ohne Umschweife, denn sonst sind alle geimpft und dann musste auch nicht mehr davon berichten!

Man liest und hört ja so viel. Zum Teil echt lustig, wenn man den ganzen Wahnsinn ausblendet. Und dass Vernunft derzeit irgendwas zu melden hat, kann ich leider nicht mehr bestätigen. Ist das jetzt noch normal mit den Nebenwirkungen von AstraZeneca oder nicht? Von grippeartigen Beschwerden, teils hohem Fieber und Schüttelfrost wird berichtet.

Und dann habe ich das hier gelesen: „Wir haben mit diesen Nebenwirkungen gerechnet, aber sie sind stärker als wir dachten.“ What?! Klingt ein wenig nach: Wir haben genau damit gerechnet, aber dann ist es doch irgendwie ganz anders gekommen…!

Und dann wieder: Bis hin zu „Vernichtungskopfschmerz“ oder auch „primären Donnerschlagkopfschmerzen“. Wie geil klingt das denn…?! Und das ist nicht mal von mir ausgedacht! – Kopfschmerz des Todes oder Todessternkopfschmerzen fände ich auch ganz nice, geht wahrscheinlich mit Männergrippe einher. Neben den Begriffen Impfskeptiker und Impfverweigerer wird wohl auch demnächst der Begriff „Impfpussies“ geläufig werden.

Aber mal unter uns: Spricht man nicht von Impfreaktion? Soll das nicht so sein? Unser Immunsystem reagiert. Das ist doch ein gutes Zeichen.

Ich jedenfalls habe ich davon nichts mitbekommen, weil ich einfach einen verdammt guten Schlaf habe! Hab schon als Kind das Sylvesterfeuerwerk verpennt und jetzt wahrscheinlich auch die 40 Grad Fieber. Ich hätte also Grund mich zu beschweren. Aber nein, das mache ich nicht. Ich ertrage tapfer das Versagen meines Immunsystems.

Ach so, fast vergessen: Hierbei handelt es sich eigentlich um eine versteckte Impfempfehlung aus dem Hause Boe. Geht impfen! Und an alle, die sich partout nicht impfen lassen wollen: Okay, aber dann hört auf zu meckern und haltet die Fresse, bitte!

Herr Boe bedankt sich ganz artig bei Frau Ke für die Zeichnung und Bereitstellung dieses großartigen Cartoons!

Impfstratege – früher sagte man „Opfer“, heute: Du Impfstratege!

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Impfstratege – früher sagte man „Opfer“, heute: Du Impfstratege!

Über eine tatsächliche Impfung kann ja leider nicht jeder berichten (genauer gesagt: derzeit gerade mal 4,7% der Bevölkerung), aber über Gefahren und Nebenwirkungen der Impfung berichten, das kann ja anscheinend wirklich jeder!

Zu was man heute alles eine Meinung haben muss. Habt Ihr auch eine Meinung zu AstraZeneca? Bestimmt! Wenn aber nicht, dann versucht euch mal schnell eine zu bilden. Nach ein bisschen Pro- und Contra-Recherche werdet ihr merken, dass der Tag vorbei ist. Ging mir auch so. Aber eine Meinung hatte ich immer noch nicht! Vielleicht sollte ich doch kurz das Virologie-Studium nachholen… Andererseits, ich bin ja geimpft und Hauptsache, ich bekomme jetzt bald meinen „Access all areas“-Impfausweis – und wehe der ist nicht golden und gilt nicht für alle 24 Zeitzonen…!

Mal vorweg, ich bin kein Fan der deutschen Impfstrategie, aber es ist auch meine erste Pandemie. Da gibt es viele Ecken, an denen man neue Entscheidungen treffen muss. Aber dass so zielsicher schlechte Entscheidungen getroffen werden, puh, das kann nicht nur Zufall sein.

Wenn mir Big Pharma versprochen hätte, wir machen Euch 100 Millionen Impfdosen, hätte ich wahrscheinlich erst mal „Wow, supi!“ geantwortet. Aber so als regierungserfahrene Regierung mit Erfahrung in Regierungsgeschäften hätte ich nach dem „Wow, supi!“ vielleicht schon nachgefragt: „Aha und wo stellt Ihr die dann her? Weil 100 Millionen ist ja schon mal ne Menge…“ Aber hej, warum immer so kritisch? Und natürlich kann man sagen, wir sind doch froh, dass in so kurzer Zeit überhaupt (mehrere) Impfstoffe entwickelt wurden. Und dieser Einwand ist richtig – und auch falsch. Denn es reicht eben nicht aus, einen Impfstoff zu entwickeln. Denn dadurch ist, wie man gerade hübsch beobachten kann, die Pandemie nicht beendet. Deswegen muss ich fragen: Wo stellt Ihr die 100 Millionen Impfdosen denn nun her, meine lieben, mit staatlichen Geldern kofinanzierten Kooperationspartner?

Ich zweifle überhaupt nicht die Sinnhaftigkeit aller Maßnahmen an. Aber so viel Kritik muss sein: Die Regierung kommt immer daher, als wären ihre Maßnahmen und Strategien alternativlos. Zum Mitschreiben: Nichts ist alternativlos! Besonders nicht die deutsche „too little – too late“-Strategie, die sich leider wie ein roter Faden durch das Corona-Management zieht. Erst bei den OP-Masken, dann bei den ffp2-Masken, dann beim Impfstoff, bei der Sequenzierung, jetzt bei den Selbsttests – immer zu spät zu wenig davon bestellt. Ist das schon Unfähigkeit ober noch Strategie?

Ich bin jetzt auch nicht für die „too big – too blöd“-Strategie aus dem Hause Andi Scheuer. Aber wenn der deutschen Volkswirtschaft durch den Lockdown jede Woche 3,5 Milliarden Einbußen beschert werden (mal völlig abgesehen von der Vernichtung von Existenzen usw.), dann sollte man auch mit weit geöffnetem Portemonnaie auf Shoppingtour gehen, wenn es beispielsweise um Selbsttests geht. Und die Frage, warum das andere Länder können und machen, wird ja wohl erlaubt sein!

Impfstratege Spahn! Ist das schon Unfähigkeit ober noch Strategie?

Ach richtig, eigentlich wollte ich doch über meine eigenen Impferfahrungen mit AstraZeneca berichten. Mach ich morgen! Dann geht’s um AstraZeneca-Skeptiker und Impfpussies! Übrigens: Astrainer Impfstoff!

Astrainer Impfstoff

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Astrainer Impfstoff

Dienstag, 23.02.21, Stuttgart. Das ging dann doch wirklich schnell! Nach meiner letzten Schimpfe über das Impfzentrum Uelzen (bzw. das Impfmanagement in Niedersachsen), wo der Impfstoff noch per Schneckenpost versendet wird, was blöd ist, weil bei -50°C selbst die fittesten Schnecken schlapp machen, bin ich jetzt doch echt positiv überrascht. Kann gar nicht recht klagen! Denn die Impfungen nehmen an Fahrt auf! Zumindest in Baden-Württemberg. Und zumindest mit Astrazeneca!

Am Samstag überraschte Gesundheitsminister Lucha mit seiner spontanen Ankündigung, dass sich ab sofort auch Lehrkräfte und Erzieher:innen impfen lassen dürfen, nicht nur die Bürger:innen, sondern auch die eigene Truppe. Denn als sich am Montag die ersten Lehrkräfte um Impftermine bemühten, wurden noch etliche von ihnen in der Hotline abgewimmelt, sie seien noch nicht dran. Und auch auf der Impf-Homepage, auf der man Termine beantragen kann, sind Lehrkräfte und Erzieher:innen noch nicht als impfpriorisiert berücksichtigt. Natürlich nicht, möchte man fast anfügen. Da müsste man ja quasi das ganze Internet, na ja, oder zumindest die Homepage regelrecht aktualisieren…

Aber! Ich will ja nicht klagen!

Dienstag 8:30, meine 5er sind gut eingestellt (im online-Unterricht) und arbeiten eigenständig, da klicke ich mich doch mal schnell durch die Anmeldung, ignoriere, dass ich als Lehrkraft noch nicht dran bin (obwohl natürlich doch) und finde einen hübschen kleinen Impftermin für 10:30, heute! Schau auf die Uhr – geht! Ruf in der Schule an, weil ich eine Arbeitsbescheinigung benötige. Um 10 Uhr radle ich ganz analog zur Schule, hol meinen Schein ab und dann weiter. Das Impfzentrum betrete ich mich dem Satz, den ich immer schon einmal sagen wollte: „Lassen Sie mich durch, ich bin Lehrer!“.

Herr Boe im Impfzentrum in bestem Impfdränglerlatein: „Per me: Ego magister!“ („Lassen Sie mich durch, ich bin Lehrer!“)

Eine Medizinstudentin scannt meine Buchung, lacht, schaut mich an, dann noch mal auf den Bildschirm und lacht noch mal: „Sie sind aber nicht Jutta!“ Ich sage schnell und mit verstellter Stimme: „Doch!“ Schließlich will ich meinen Impfstoff!!! – Ich gebe dann zu, dass ich doch nicht Jutta bin, aber bekomme trotzdem ihren, äh, meinen Stoff! Puh! – Aber so ganz ohne Zwischenfall hätte ich mich wahrscheinlich auch ein bisschen verarscht gefühlt…!

Ich melde mich dann morgen mit meinen Nebenwirkungen noch mal – Zwinkersmiley!

Die Frage ist letztlich: wie bekommt mir Zeneca? Denn die Nebenwirkungen von Astra habe ich, dank meiner norddeutschen Herkunft, schon in meiner Jugend kennengelernt…

Von Whataboutism zu Windpatriotism

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Von Whataboutism zu Windpatriotism

Von mir aus können wir die Dinger auch schwarz-rot-gold anstreichen. Vielleicht wird dann auch noch ganz anderen Leuten klar, wie geil Windenergie ist!

Neulich bei Lanz (bis 9:19 min). Nicht dass ich mir häufig Lanz anschauen würde, so tolerant bin ich nun auch nicht. Aber der Ausschnitt, in dem Lanz versucht, Sarah Wagenknecht zu grillen, und ihr mehrfach das Wort abschneidet und reflexhaft Whataboutism vorwirft, war mal wieder sehr hübsch. Lanz, traditionell in Stars and Stripes gekleidet, versucht Wagenknecht zwanghaft, die Russlandfahne umzuhängen, während sie in aller Ruhe die geopolitischen Ränkespiele um Nordstream 2 erklärt oder, besser gesagt, zu erklären versucht, denn davon will Lanz ja gar nichts wissen. Denn: Whataboutism!

Putzig der Lanz! Denn letztlich betreibt Lanz jetzt selber eben jenen Whataboutism, indem er zwanghaft darauf besteht, Wagenknecht würde von der Diskussion ablenken und Nebenkriegsschauplätze aufmachen. Damit lenkt er nämlich von den durchaus berechtigten Vergleichen ab, die Wagenknecht anführt und auf die deutsche und US-amerikanische Doppelmoral verweist. Denn wenn wir den Giftanschlag auf Alexei Nawalny (was ohne Zweifel ein Verbrechen ist und aufgeklärt werden muss) tatsächlich mit einem möglichen Stopp von Nordstream 2 verknüpfen, wie seltsam ist unser moralischer Kompass denn geeicht, wenn wir gleichzeitig von Saudi-Arabien weiterhin Öl beziehen können. Der Kronprinz bin Salman hat den prominenten kritischen Journalisten Jamal Kashoggi mutmaßlich ermorden lassen. Ich mein: Hallo…?!

Das Gleiche gilt für die US-Interessen, ihr teureres, noch umweltschädlicheres Fracking-Gas nach Deutschland zu exportieren. Auch diese Zusammenhänge und Einordnungen sind wichtig.

Und diese Vergleiche mit Whataboutism abzucanceln, ist der klägliche Versuch von Lanz, von der eigenen deutschen Doppelmoral abzulenken, und zeigt letzten Endes, wie egal uns nämlich die Menschenrechtsverletzung in den Herkunftsländern der Rohstoffe sind. Russland ist böse, na klar; aber Saudi-Arabien ein seriöser, verlässlicher Handelspartner oder was? Geht’s noch billiger?!

Conclusio: Und wenn ihr mich fragt: Ja, sollen wir nun Gas von Putin oder doch lieber Fracking-Gas aus den USA importierten? Dann antworte ich: nein, verdammte Scheiße! – Stattdessen schlagen wir mit dem konsequenten Ausbau von Wind- und Solarkraft drei Fliegen mit einer Klappe. 1. Wir machen uns importunabhängig, 2. investieren in Zukunftstechnologien und retten 3., verdammt noch mal, unseren kleinen unschuldigen Planeten. Klingt eigentlich ganz einfach!

Und so kommt man von Whataboutism zu Windpatriotism: Deutscher Wind durch deutsche Räder zu deutschem Strom! (Hier bitte ein selbstironisches Lächeln mitdenken!)

Windpatriot Herr Boe checkt die Wetterlage. Sonne und Wind scheinen unbegrenzte Energielieferanten zu sein, aber halten sie sich auch an die Menschenrechte? Das wäre uns Deutschen schon sehr wichtig, irgendwie, manchmal, also je nach dem…