Widerstand ist alternativlos
Schon wieder bei Hart aber Fair
Schon wieder bei Hart aber Fair!
Kaum ist der Wahlkampf vorbei, schon taucht das Thema „Pflege“ bei Hart aber Fair auf.
Die öffentliche Kritik am Agenda Setting (wir berichteten) ist offensichtlich doch bei der „Hart aber Fair“-Redaktion eingeschlagen. Während jener Sendung, in der harte aber durchaus faire Anschuldigungen gegenüber der Redaktion wegen einseitiger Themensetzung geäußert worden waren, lag die Erkenntnis, dass die Redaktion die Verantwortung für ihr eigenes Agenda Setting habe, noch relativ fern (siehe dazu: https://tommiboe.com/2017/09/27/neulich-bei-hart-aber-fair/).
Jetzt, nach der Wahl, kann man sich ja auch mal wieder, ungestört vom lästigen Wahlkampfgetöse, über richtige Zukunftsthemen unterhalten, statt Woche für Woche mit Flüchtlingsthemen billig auf Quote zu machen und dafür zu sorgen, dieses Thema im Zentrum des medialen Interesses zu belassen. Auf diese Art wurde es auch zum Thema Nummer eins im Wahlkampf (44% der Wähler gaben an, dass das Flüchtlingsthema das wichtigste Thema im Wahlkampf gewesen sei. Ja, bravo. Hat ja gut geklappt!)
Dafür muss man die AfD-Politiker, praktischer Weise, jetzt auch nicht mehr in die Sendung einladen. Denn jetzt geht‘s ja wieder um Inhalte! Besser noch: gar keine Politiker einladen. Was haben Zukunftsthemen auch schon mit Politik zu tun?! Außerdem sind unsere Politiker gerade schwer damit beschäftigt, die Grenzen zu sichern, oder sie suchen nach neuen lustigen Namen für Obergrenze.
Würde mich nicht wundern, wenn demnächst beim Herrn Plasberg auch Themen wie Klimawandel, Rente oder Bildung auftauchen würden. Dabei würde man dann bestimmt ebenfalls ohne AfD-Politiker auskommen.
Die doppelten Integrationsverlierer
Die doppelten Integrationsverlierer!
Gedanken zum Tag der Deutschen Einheit oder: noch ein Wessi, der den Ossis erklärt, was sie alles falsch gemacht haben.
Kürzlich habe ich ein paar gute Artikel zum besseren Verständnis des Ostens gelesen. Sollten viele andere auch mal tun. Viele Journalisten, Politiker und sonstige Wessis, die immer noch glauben, sie wüssten schon längst Bescheid. Tun sie aber nicht, taten sie nie und Mühe haben sie sich dabei eigentlich auch nicht gegeben.
Denn leider ist es, meines Erachtens nach, so, dass ein Großteil der Ostberichterstattung durch die Westbrille erfolgt ist und weitestgehend heute noch erfolgt. Die Wiedervereinigungsgewinner haben praktischer Weise auch gleich noch die Geschichtsschreibung über die Verlierer mit übernommen.
Auf diese Weise wurde beispielsweise nicht nur die Ostwirtschaft als unproduktiv abgestempelt, sondern auch die Ostdeutschen als solche gleich noch dazu. Man darf in diesem Zusammenhang auch einfach mal von Demütigung sprechen. Der Begriff ist durchaus angebracht, sofern man nicht alles von der rationalen, ökonomischen (Besserwessi-) Sichtweise betrachtet. Das kann man zwar mit einem maroden Wirtschaftssystem so machen, aber es wird nicht den Millionen Lebensbiographien der Ostdeutschen gerecht.
Vielleicht sollten sich die Politiker nicht so viel mit Wirtschaftsheinis unterhalten, sondern mal, zumindest hin und wieder, mit Soziologen und Psychologen. Die könnten vielleicht besser erklären, wozu es führt, wenn Menschen über Jahrzehnte hinweg Anerkennung und Wertschätzung versagt bleiben. Denn nur wer selbst Wertschätzung erfährt, wird auch andere wertschätzen. Menschen, die in einem toleranten und respektvollen Umfeld aufwachsen, werden eher zu toleranten und respektvollen Menschen werden.
Das lässt sich genauso auf Integration übertragen. Wer gut in unsere Gesellschaft integriert ist, wird eher bereit sein, andere Menschen zu integrieren. Und das ist im Osten Deutschlands leider nicht überall gelungen! Viele fühlen sich nicht gehört, nicht beachtet, nicht gewertschätzt und sind nicht vollständig in unsere Gesellschaft integriert. Und das seit über 25 Jahren! Man muss sich fast wundern, wie das solange gut gehen konnte. Andererseits, es ist ja gar nicht gut gegangen, sondern es war einfach nur verhältnismäßig ruhig, da es kein Ventil gab. Jetzt ist die Schweigespirale durchbrochen und die aufgestaute Wut der Nicht-Integrierten trifft die da oben, die zum Teil immer noch nicht wahrhaben wollen oder durch ihre Westbrille, die ihnen doch bisher immer Recht gegeben hatte, gar nicht können.
Und zum anderen trifft diese Wut insbesondere jene, die es nun zu integrieren gilt. Zwar scheiße, aber irgendwie gar nicht mehr so seltsam oder?
neulich bei hart aber fair
Neulich bei hart aber fair
Die etablierten Parteien haben die Wahl verloren und AfD hat die Wahl gewonnen. Das Resultat ist oft einfacher zu erkennen, als die Erklärung zu finden. Bei Hart aber Fair wurde nun ein neuer Sündenbock gefunden: die Öffentlich-Rechtlichen. Sehr zum Missfallen der Herren Plasberg und Brender, immerhin ehemaliger ZDF-Chefredakteur, der die Argumente der anwesenden Politiker mehrfach als Quatsch und völliger Unsinn titulierte. Der Vorwurf lautete, durch das einseitige Agenda Setting der Sender seien besonders jene Themen in Talkshows thematisiert worden, in denen die AfD mit Provokation und Polarisierung Stimmung machen konnte. Der MONITOR (Video, siehe unten) kam schon im Januar 2017 zu dem Resultat, dass sich 54% der Talkshowformate von ARD und ZDF (in 2016) mit den Themen „Populismus“, „Flüchtlinge“ und „Terror“ befassten. Und dabei stets auf der öffentlich-rechtlichen Bühne die sonst immer gescholtenen Vertreter von Rechtsaußen, die Zeit und Raum für die Verbreitung ihrer Thesen bekamen.
Im gleichen Zeitraum befassten sich genau Null (0!) Sendungen mit so zukunftsrelevanten Themen wie Energiewende, Bildung oder dem Abgasskandal. Ebenso spielten Themen wie Rente, Digitalisierung, Pflege nur eine sehr untergeordnete Rolle.
Dem Vorwurf des einseitigen Agenda Settings gegenüber behauptete Brender, dass es schließlich die Pflicht der Sender sei, jene Themen in den Talkshows aufzugreifen, die eine besondere Relevanz für die Zuschauer haben. Klingt logisch. Allerdings sollte ein ehemaliger Chefredakteur genau wissen, dass die Zuschauer eben auch genau jenen Themen eine besondere Wichtigkeit zuordnen, über die ständig berichtet wird. Klingt auch logisch, Herr Brender oder?! Und ist wissenschaftlich belegt! Können sich ja mal informieren, bevor Sie das nächste Mal in einer Talkshow die Fresse aufreißen!
Und genau hier liegt die Verantwortung der öffentlich-rechtlichen Sender, sich eben nicht, Woche für Woche, der Quotengeilheit hinzugeben! Denn Quote ist eher garantiert, wenn sich AfD-Politiker mit anderen Gästen über die Flüchtlingsthematik fetzen und eine gute, weil kontroverse Show bieten, sondern die wichtigen Zukunftsthemen ausgewogen im Programm zu berücksichtigen (Dafür zahle ich übrigens meine Gebühren). Außerdem wurde damit die große Chance vertan, AfD-Politikern die Möglichkeit zu geben, sich bei Themen wie Klimawandel oder Rente in der Öffentlichkeit lächerlich oder unmöglich zu machen. Schade eigentlich…!
Und so gaben schließlich 44% der Wähler an (Höchstwert), dass genau dieses Flüchtlingsthema das wichtigste Thema im Wahlkampf gewesen sei.
Tja, liebe ARD und liebes ZDF, aus der Nummer kommt ihr so leicht nicht raus. Ein bisschen Einsicht und Demut tut aber euch in der Fehleranalyse gut. Denn am Erstarken der AfD habt auch ihr, neben der alternativlosen Politik der Groko natürlich, euren Anteil!
Soviel zum Thema Agenda Setting, ihr Deppen!
Gut und gerne
Amerikanische Wissenschaftler haben herausgefunden – oder waren es russische Hacker? -, dass bei gerade 20 Prozent der Nutzer des Wahlomats die CDU als die Partei hervorgeht, mit der man die meisten Übereinstimmungen hat. Mich persönlich wundert eher, dass es überhaupt so viele sind. Denn für konkrete Inhalte hat Angela Merkel ja noch nie gestanden. Putzig, dass ausgerechnet die Partei „die Partei“ schon länger mit dem Slogan „Inhalte überwinden!“ unterwegs ist.
Das Ganze heißt aber natürlich nicht, dass die CDU die Wahl am nächsten Sonntag nicht gewinnen wird. Natürlich wird sie das! Deutlich und zu Recht! Denn wir wollen doch alle gut und gerne in einem Land leben, in dem man gut und gerne leben kann. In diesem Slogan liegen, meines Erachtens, Versprechen und Drohung zugleich. Denn irgendwie schwingen in dieser Aussage die Worte „vergleichsweise!“ und „noch!!“ mit. Für mich klingt der Slogan also eher wie: „Für ein Deutschland, in dem wir vergleichsweise gut und gerne leben – noch!“ Falls man nicht auf die blöde Idee kommt, die Sozen oder Schlimmeres zu wählen. Dann… ja dann… Ende des Abendlandes!
Eine verlockende Zukunft sieht anders aus. Aber mit viel Glück und Muttis Hilfe läuft es vielleicht darauf hinaus, dass sich nichts ändert. Weil Veränderungen wollen wir nicht. Die gefährden unser Deutschland, unseren Wohlstand, all das, was wir erreicht haben. Wobei eigentlich nichts so sicher ist, wie dass es in der Zukunft zu Veränderungen kommen wird. Und eine verantwortungsbewusste Politik müsste uns auf diese Veränderungen vorbereiten. Aber sorry, das geht jetzt natürlich viel zu weit. Denn mit Zukunft haben es die Parteien nicht so…
Sorgen und Ängste sind natürlich schon wichtig, aber sie müssen beherrschbar sein oder so erscheinen. Altersarmut ist zum Beispiel viel zu komplex im Wahlkampf. Mit solchen Ängsten sollen die Wähler nicht verunsichert werden. Deshalb kümmert sich die CDU dann ab 2030 darum, wahrscheinlich gut und gerne. Bis dahin werden lieber andere Ängste geschürt: Innere Sicherheit. Alle Parteien versprechen uns 15000 neue Polizisten, schnellere Abschiebungen, Überwachungskameras, lustige Deals mit fragwürdigen Staaten, die uns die Flüchtlinge vom Hals halten. Das sind beherrschbare Ängste. Solange fängt auch niemand ernsthaft mit so unappetitlichen Themen wie Gerechtigkeit oder Umverteilung an.
Schlaf weiter, Deutschland, Mutti kümmert sich um dich.
Aber nicht mit mir! Mich kann die CDU am Arsch lecken – und zwar gut und gerne!
Über die Lernfähigkeit der Bundesregierung
Über die Lernfähigkeit der Bundesregierung
An der derzeitigen Debatte über die Privatisierung der deutschen Autobahnen und der möglichen Folgen, kann man wieder einmal sehr schön beobachten, wie lernfähig die Bundesregierung ist – oder eben nicht.
Als gäbe es nicht genügend Beispiele dafür, dass die stets versprochenen positiven Effekte von solchen Privatisierungen nicht eintreten. Am Beispiel der Wasserprivatisierung lässt sich hervorragend nachvollziehen, dass es nicht in einem einzigen Fall zu einer Verbesserung geführt. Aber, sorry, was heißt schon Verbesserung? Mein Fehler! Sagen wir es anders: In allen Fällen hat die Privatisierung zu erhöhten Wasserpreisen bei gleichzeitiger Verschlechterung der Wasserqualität, zum Teil inklusive Verschlechterung des Wassernetzes durch eingesparte Wartungen, geführt. Ob man das nun „Erfolg“ nennen kann, dürften die privaten Investoren und die Stadtkämmerer anders beurteilen als die betroffenen Bürger.
(Monitor berichtete vor zwei Jahren über die EU-Pläne zur Privatisierung der Wasserversorgung. https://www.youtube.com/watch?v=7wo6Cha0SBA)
Warum es aber trotzdem immer wieder zu Privatisierungen oder zu ÖPPs (Öffentlich-Private Partnerschaften) kommt, ist ein relativ einleuchtendes wenngleich nicht sonderlich intelligentes Phänomen. Verschuldete Kommunen oder Städte können ihren Etat von unnötigem Ballast befreien (wie Wasserwerke, Krankenhäuser, U-Bahnen usw.) und für vermeintlich hohe Summen veräußern. Damit kann man prima seine Bilanzen pimpen, ist aber eben sein Tafelsilber los. Die langfristigen Mehrkosten, zu denen es immer kommt, interessieren ja keinen Politiker, denn die zahlt ja, bei gleichzeitiger Entschuldung der Kommune, der Bürger. Aber so funktioniert Politik!
Schon heute gibt es Belege dafür, dass auch beim Autobahnbau die ÖPPs teurer sind.
Das ganz kleine Einmaleins lehrt uns: Der Staat kommt billiger an Kredite und muss keine Gewinne an seine Investoren ausschütten. Da braucht man keinen Master im „Bürger über den Tisch ziehen“ für. Ist bekannt. Aber solange Politiker die Schwarze Null predigen und sich selber Investitionen verweigern, wird das Spiel wohl so weitergehen!