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Mehr übers Klima in der Adventszeit

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Mehr übers Klima in der Adventszeit
Schon lange nichts mehr aus Paris gehört. Vor einer Woche wurde dort der UN-Klimagipfel eröffnet. 150 Regierungschefs ließen sich blicken. Noch nie zuvor hat es so viele an einem Ort gegeben. Damit nimmt dieser Kongress durchaus historische Ausmaße an. Zumindest wenn es darum geht, sich klima- und zukunftsbewusst der Weltöffentlichkeit zu präsentieren.
Das gemeinsame Motto: „Sind wir nicht alle Klimafreunde?!“ Sicher, wenn’s ums Reden geht, dann schon. Da sind sich alle einig, verbrüdern sich und gehören kollektiv zu den Guten. Fast möchte ich mich fragen, wie es bei so viel Einsicht und Einigkeit überhaupt möglich sein kann, dass dann niemand tatsächlich etwas gegen den Klimawandel tut. Aber nur fast…! Denn natürlich handelt es sich bloß um die, für solche Anlässe übliche Verbalakrobatik der Politikdarsteller, die ja nie etwas mit Handeln zu tun hat.
Wie zum Beispiel Chef-Verbalakrobat Obama, der mit ernster Miene der internationalen Klimagemeinschaft offenbart: „Wir sind die erste Generation, die die Folgen des Klimawandels spürt, und die letzte, die etwas dagegen tun kann!“ Dieser Satz ist so schwergewichtig und gleichzeitig wohlklingend, dass ihn Obama mit seiner sonoren Stimme in jede Kamera säuselt. Aber was hat das mit dem zu tun, was er zu Hause umsetzen kann? Na…? Gar nichts! Noch immer möchte ich Obama sympathisch finden und wahrscheinlich ist er es auch. Aber was ändert das?! Was steckt hinter den warmen Worten?!
Zahlreiche US-Bundesstaaten haben bereits angekündigt, gegen die Versprechen ihres Präsidenten zu klagen. Die republikanischen Präsidentschaftskandidaten kritisieren Obamas Pläne als verfassungswidrig und im Kongress haben die Republikaner ohnehin die Mehrheit. Zumindest was die Klimapolitik angeht, ist Obama längst jene „Lame Duck“, die lahme, flugunfähige Ente, die nichts mehr auf den Weg bringen kann. Also was soll das?! Spar dir gefälligst deine Floskeln für die Zeit nach deiner Präsidentschaft auf!

 

hier geht’s zum ersten Teil:

https://tommiboe.com/2015/11/25/ubers-klima-in-der-adventszeit/

Wer soll das bezahlen?!

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Wer soll das bezahlen?! Wir – und zwar mit einem Lächeln!
Geschätzte 10 Milliarden Euro kosten die Flüchtlinge Deutschland im Jahr 2015. Das entspricht 20 Milliarden DM oder 164 Billionen indonesische Rupien. Wahnsinn!
Wäre der deutsche Mob besser gelaunt, könnte er mit seinem Alkoholpegel zusammen schunkeln und singen: „Wer soll das bezahlen? Wer hat so viel Geld? Wer hat so viel Pinke Pinke? Wer hat so viel Geld?“
Schade, dass er es nicht tut. Denn die Antwort ist ganz einfach: Wir! Wir haben so viel Geld!
Schön wäre es allerdings, wenn unsere Politiker und unsere unabhängigen Qualitätsmedien vielleicht mal genau das sagen würden. Wir haben das Geld! Stattdessen gewinnt man häufig den Eindruck, dass wir entweder für Flüchtlinge ODER für Kitas das Geld haben. So wie sich Schäuble auf die frei gewordene Herdprämie gestürzt hat, um akute Löcher im Haushalt zu stopfen, anstatt sie dem Familienministerium zum Kita-Ausbau zu überlassen…

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Herr Boe stellt Fragen ans Universum

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Herr Boe stellt Fragen ans Universum
Nach einem großartigen Abendessen führt mich mein Heimweg am Strand entlang. Eine angenehme Brise weht vom poetisch veranlagten Meer und ruft mir zu: „Hol dir ein Bier und setz‘ dich zu mir!“ Nicht nur Pumuckl weiß: Was sich reimt, ist gut! Und wer kann schon einem lockenden und reimenden Meer widerstehen? Ich nicht!
Ich hole mir ein kaltes Bier vom Laden um die Ecke und begebe mich auf einen kleinen, einsamen Holzsteg, den ich mir nur mit der sternenklaren Nacht, dem frischen Wind und der rauschenden Brandung vom 100 Meter entfernten Riff teilen muss. Damit kann ich umgehen.
Und genau (und damit meine ich GENAU!) in diesem Moment, als ich mich hinsetze, fällt eine Sternschnuppe ins Meer. Für mich…?! Ich blicke mich um. Niemand da. Uiiii! denke ich, eine Sternschnuppe nur für mich! Und schon direkt anschließend denke ich: Mist! Ich hab mir gar nichts gewünscht! – Aber vielleicht ist das nur eine von ganz vielen Schnuppen und es handelt sich um einen „Lluvia de estrellas“, einen Sternenregen, wie man hier so schön sagt. Okay! Ich bin vorbereitet und breite alle möglichen Wünsche vor mir aus, die ich den nun folgenden Sternschnuppen um die Ohren hauen kann. So! Kann losgehen!
Kunstpause! – Na…? – Na…?!!
Ich stelle alle möglichen Fragen ans Universum, große und kleine, seeehr persönliche, die ich hier aus Gründen des Beichtgeheimnisses und besonders der Peinlichkeit nicht weiter ausführen möchte. Und warte auf eine Antwort. Aber das Universum hüllt sich in Schweigen.
Eine weitere Kunstpause später sind nicht nur meine Geduld und meine Fragen an ihrem Ende sondern auch mein Bier. Ich schaue in die sternschnuppenfreie Nacht, die mir angenehm um die Ohren weht, und denke mir: Na, noch ein Bierchen? Und GENAU in diesem Moment, und zwar ohne Scheiß, liebe Freunde, fällt die nächste Sternschnuppe vom Himmel. Echt jetzt…? Soll das ein Witz sein?! Das nenne ich mal eine Pointe! Kann man echt nicht meckern. Wie sagt man so schön: Timing ist alles!
Ich sitze lachend auf meinem Steg und kann es nicht fassen. Denn das Universum hat mir doch tatsächlich geantwortet: Ja, noch ein Bierchen!! Und wer kann dem Universum in seiner unendlichen Weisheit und mindestens ebenso unendlichen Gleichgültigkeit schon widersprechen? Ich jedenfalls nicht. Also stehe ich auf und folge dem Rat des Universums und hole mir noch ein Bierchen!

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Herr Boe hat gerade eine Antwort vom Universum bekommen! Danke und Prost!

Fotolovestory aus dem Paradies

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Fotolovestory aus dem Paradies
Theaterstück für 4 Personen und 1 Zuschauer.
Isla Holbox ist ein Strand gewordenes Paradies, genau das Richtige für Verliebte. Schon gestern war ich auf meiner Walhai-Safari mit einem mexikanischen Pärchen unterwegs, das gerade auf seinem „Luna de Miel“-Trip (zu deutsch: Honigmond-Trip) war.

Gerade Platz genommen. Kann losgehen!
Gerade Platz genommen. Kann losgehen!

Und heute bin ich am Strand vor meinem Hotel, hab gerade einen großartigen Schattenplatz bezogen, als ich lautes, ironisches Männergebrüll höre. So richtig mehrfach übertriebenes Geschimpfe, wie wenn man sich unter Freunden und im Spaß als Hurensohn, Hackfresse, Parameciumhirn oder ähnliches beschimpft.
Ich schaue auf und erkenne sofort den erregten Typen an seinem Ganzkörper-Ausdruckstanz. Allerdings schreit er keinen Mann sondern drei Frauen an, die gerade am Strand auftauchen. Aha! Und auch ohne großen mexikanischen Schimpfwortschatz wird die Deftigkeit seiner Brüllattacke deutlich. Und von wegen ironisch…! Inzwischen kann ich auch eine klare Adressatin unter den drei Frauen ausmachen: wohl seine Freundin, die arme. Ich weiß zwar natürlich nicht genau, was sie Schreckliches verbrochen hat, aber ein solches Rumpelstilzchen hat niemand im Paradies verdient. Nicht einmal die Schlange persönlich!
Aber schön, dass sie sich das nicht gefallen lässt, sondern ordentlich zurückschießt. Ihre beiden Freundinnen versuchen es sich unterdessen, am Strand gemütlich zu machen. Sofern es denn möglich ist, Gemütlichkeit mitten in einem unter heftigen Beschuss stehenden Schützengraben dramaturgisch glaubwürdig zu inszenieren. Und da die Freundin offensichtlich ihre Fehler nicht einsieht, eskaliert der Typ munter weiter. Schließlich schmeißt er sein ganzes Zeugs, Strandtasche, Rucksack, Decken…, fluchend und in großräumigen Bewegung schön nacheinander vor ihre Füße. Schade aus dramaturgischer Sicht, dass sich nichts Zerbrechliches oder Explosives darin befindet. Danach stapft er, (als hätte ihm der Regisseur zugerufen: Mehr! Mehr!) lauthals fluchend und großspurig mit den Armen rudernd, am Strand davon! Gerade mal 50 Meter! Was mir irgendwie ziemlich lächerlich erscheint. Seiner vorgeführten Wut hätte eher ein „bis ans Ende dieser Welt“ entsprochen.

Die drei Mädels vorne, 50 Meter dahinter der Mann alleine im Sand!
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Menno!!! Das Leben ist doof!

Er setzt sich in den Sand und verbirgt sein Gesicht, wie ein schmollendes Kleinkind, zwischen den Knien. Und wartet! Pause, Vorhang!
Vorhang zieht auf. Er in gleicher schmollender Pose, wartend. Auf Godot. Und wir wissen, das kann dauern! Oder vielleicht doch eher auf die Freundin, die endlich ihre Fehler/ Unpünktlichkeit/ generelles Versagen/ mangelnde Feinfühligkeit einem sensiblen Mann/Künstler/Feingeist gegenüber/ oder was auch immer/ einsieht und zu ihm kommt, um sich artgerecht zu entschuldigen?
Sie hingegen sitzt bei ihren Freundinnen, unterhält sich munter und hinterlässt keinen besonders schuldbewussten Gesamteindruck. Na, wann geht sie endlich? fragt sie der (einzige) interessierte Zuschauer (ich!). Nach einer laaangen Viertelstunde (Widerspruch zwischen Echtzeit und gefühlter Zeit) steht ER, da weder Godot noch seine Freundin ihm erschienen sind, schließlich auf, geht zurück und stellt sich ein Stück neben die sitzende Frauenrunde. Und schmollt mit verschränkten Armen weiter.

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Immer noch schmollend…
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… endlich steht sie auf… und es gibt doch wieder Streit
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Die beiden Freundinnen verschwinden ins Wasser!
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Ohhh wie süß!

Nach einer übertrieben langen und ebenso symbolträchtigen (aber exzellent inszenierten) Pause, steht SIE schließlich auf und stellt sich zu ihm. Na, endlich! Aber der Streit geht direkt weiter. Die beiden anderen Frauen zeigen Feingefühl oder haben die Schnauze voll (der Zuschauer tippt auf zweites) und gehen eine Runde ins Wasser. Und tatsächlich setzt sich das Pärchen hin und redet ruhig. Kurz darauf lehnt er (heulend?) an ihrer Schulter. Ohh wie süß! will ich gerade schluchzen. Aber! Sie äußert wohl ein falsches Wort und schon springt er wieder an wie ein frisch geschmiertes Mofa. Er drückt sich explodierend aus dem Sand, während gerade die Mädels aus dem Wasser zurückkommen, und rumpelt und stilzt, als gäbe es kein Morgen.

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Abgang! Vorhang! Applaus!

Möglichst umständlich und einzeln sammelt er seine Siebensachen ein und stapft los, dieses Mal weg vom Strand. Die drei Frauen folgen ihm mit gebührendem Abstand. Alle ab! Während der Vorhang fällt erklingt das Lied „Keine Sterne in Athen“ von Stefan Remmler (in einer geilen Version mit LaBrassBanda) mit der wundervollen Textzeile „Ich hab den Urlaub nicht gewollt. Du hast gesagt, es müsse sein!“ Aus dem Off schwebt eine Gedankenblase über den Mann: „Honeymoon mit Brautjungfern klingt irgendwie viel geiler als in echt!“
Vorhang! Ende! Applaus (von mir)!

Am Ende der Welt

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Am Ende der Welt
Es war der 25. Februar 2014 am Ende der Welt. Ich saß in Ushuaia, Feuerland, im Aufenthaltsraum meines Hostels und durfte Zeuge werden. Es gibt so Augenblicke, in denen man gar nichts machen muss: Einfach mal nicht auffallen, die Fresse halten und beschenkt werden. Ich nennen das „Bächarschmand-Momente“, nach der gleichnamigen Parabel vom Bächarschmand (siehe https://tommiboe.com/2013/10/06/bacharschmand/).
Mein Tarnumhang in diesem Fall war mein gleichgültiges, verständnisloses Gesicht. Denn das Pärchen, das sich am Nachbartisch über einen Laptop gebeugt unterhielt, sprach deutsch. Genauer gesagt, sie sprach und er hörte deutsch. Und ich auch…!
Die beiden saßen über ihrer Reiseplanung. Immer wieder zeigte sie auf den Bildschirm, auf dem sich ein Kalender mit den wichtigsten anstehenden Reiseinfos befand. Ich schnitt mit, dass es um den 28. ging, an dem sie irgendwo sein wollten, von wo sie am 29. weiterfahren wollten.
Moment! sagte jemand in mir, der Februar hatte in diesem Jahr doch nur 28 Tage… Das hieß, sie redeten bereits über den März! Sie referierte weiter, Busstopp hier, fünf Stunden Aufenthalt da, Ort anschauen, Nachtbus und wo weiter. So weit ich das beurteilen konnte, ging es um Bolivien. Aber als sie nach dem 30. direkt beim 1. landeten (hatte der März nicht 31 Tage??), wurde mir der Planungsfuturismus der beiden zu viel. Denn das konnte ja nur bedeuten, sie sprachen gerade über einen Nachtbus vom 30.April auf den 1.Mai, während ich gleichzeitig am 25.Februar in Ushuaia saß und froh und zufrieden war zu wissen, was ich morgen machen würde – also wahrscheinlich…
Meine Güte, was waren das denn für zwei Reisefüchse, die ihre nächsten zwei Monate (und wie viel wohl noch?) schon so detailliert durchgeplant und derart festgezurrt hatten? Das kam davon, schoss es mir durch den Kopf, wenn Beamten Kinder kriegten…! Ach nee, blödes Beispiel! Bin ja selbst Beamtenkind!
Die zwei erinnerten mich irgendwie an einen ehemaligen Mitbewohner in Marburg, komischer Typ. Ich kam einmal in die Küche, als er gerade eine Liste aufgeschrieb. Ich fragte ihn, ob das Rezepte seien. Denn es sah von der Anordnung der Zutaten so aus. – Nein, das sei ein Einkaufszettel! – Aber warum seien die Sachen an unterschiedlichen Stellen auf dem Zettel angeordnet? – Naja, weil die im Aldi ja genauso verteilt seien. – What…?! Er hatte den Lageplan von Aldi im Kopf und schrieb haargenau so seinen Einkaufszettel auf… – Ich musste fast weinen! Ach ja, er war übrigens Bibliothekar! Natürlich! Zu meinen Lieblingshobbys zählte ja auch das Bibliothekieren. Wahrscheinlich heftete er auch seine gebrauchten Teebeutel ab.
Aber zurück nach Feuerland, wo am Ende der Welt zwei deutsche Planungswunder (vermutlich mit lückenlosem Lebenslauf) einen Beweis ablieferten, warum man sich um die Zukunft Deutschlands nicht sorgen musste. Ordnung, Disziplin, Deutschland! – Da hatte ich mich wohl immer geduckt, als bei meiner Erziehung die Rationen davon verteilt wurden…
(Über den Zustand der heutigen Backpackergeneration habe ich mich ja schon an anderer Stelle ausgekotzt. Zu Recht!!! (Bei Interesse: https://tommiboe.com/2014/07/22/massenindividualtourismus/ oder: https://tommiboe.com/2013/10/31/gringoabsteige/)
Wenigstens bekam hier in Ushuaia niemand außer mir mit, worüber sich die beiden unterhielten und wie schrecklich deutsch sie waren. Aber einen Seitenhieb konnte ich mir dann doch nicht verkneifen. Als ich aufstand und an ihrem Tisch vorbeiging, flüsterte ich ihnen zu: „Sorry, aber am 1.Mai ist auch in Bolivien Tag der Arbeit. Die nehmen das übrigens sehr ernst dort. Da fahren überhaupt keine Busse!“ Ich nickte ihnen zu und ging, während ich sie aufgeregt im Hintergrund hörte. „Echt…? Ach, du Scheiße. Aber auf der Homepage hatte doch…!“
Au Mann!

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Herr Boe – am Ende der Welt – weiß zwar, was morgen kommt – vielleicht -, aber steht einem möglichen Übermorgen durchaus offen gegenüber!