dümmer geht immer

Fundstück im ICE76

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Fundstück im ICE76

Über die Grenzen der Toleranz!

Wie alt muss man sein, damit man/frau im Zug ungestraft ein hartgekochtes Ei essen darf? – Warum nicht gleich noch eine Schlachteplatte auspacken oder auf dem Tischchen Innereien grillen?

Die Frau neben mir ist um die 80 und sie ist sich keiner Schuld bewusst, als sich ihre Dritten genussvoll ins Ei fräsen. Was kann man da machen? Wer muss hier wen tolerieren? Soll ich sie fragen, ob sie mal anhauchen möchte…?

Immerhin liegt das Eier-Odeur so dominant im Abteil, dass meine Nase nicht erkennen kann, um was für eine Wurstsorte es sich auf ihrem Butterbrot handelt. (Funfact: Eins meiner allzeit Lieblingsworte aus dem Ostdeutschen ist und bleibt Fettbemme! Sagt alles!)

Die Omi nebenan wippt vergnügt mit den Füßen. Naja, wird vielleicht Zeit, meinen vier Jahre alten Ziegenkäse rauszuholen… Oder ist das der rechte Moment, um endlich mit dem Rauchen anzufangen?

Die doppelten Integrationsverlierer

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Avatar von tommiboetommiboe

Die doppelten Integrationsverlierer!

Gedanken zum Tag der Deutschen Einheit oder: noch ein Wessi, der den Ossis erklärt, was sie alles falsch gemacht haben.

Kürzlich habe ich ein paar gute Artikel zum besseren Verständnis des Ostens gelesen. Sollten viele andere auch mal tun. Viele Journalisten, Politiker und sonstige Wessis, die immer noch glauben, sie wüssten schon längst Bescheid. Tun sie aber nicht, taten sie nie und Mühe haben sie sich dabei eigentlich auch nicht gegeben.

Denn leider ist es, meines Erachtens nach, so, dass ein Großteil der Ostberichterstattung durch die Westbrille erfolgt ist und weitestgehend heute noch erfolgt. Die Wiedervereinigungsgewinner haben praktischer Weise auch gleich noch die Geschichtsschreibung über die Verlierer mit übernommen.

Auf diese Weise wurde beispielsweise nicht nur die Ostwirtschaft als unproduktiv abgestempelt, sondern auch die Ostdeutschen als solche gleich noch dazu. Man darf in diesem Zusammenhang auch einfach mal von Demütigung sprechen. Der Begriff ist durchaus angebracht, sofern…

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Kaffee im Handgepäck?

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Kaffee im Handgepäck?

Als ich mich vor ein paar Wochen auf den Weg nach Norwegen machte, wollte ich meiner Schwester auch ein paar Alltagskonsumartikel mitbringen. Und als mein Koffer schon recht vollgestopft war, stellte sich mir die Frage, ob ich wohl auch den Kaffee im Handgepäck mitnehmen könne oder ob es begründete oder unbegründete Einwände hinsichtlich der Flugsicherheit dagegen gab. Vielleicht verwirrte Kaffeepulver die Hunde bei der Sprengstoffsuche oder umgekehrt? Was weiß denn ich?

Also googelte ich „Kaffee im Handgepäck?“ und mir wurde, nichts Blödes ahnend, die Seite „gutefrage.net“ empfohlen (vermutlich eine 105%ige Google-Tochter). Und diese Seite ist nun wirklich ein Sinnbild der Sinnlosigkeit unserer Zeit. Denn „gutefrage.net“ bedeutet keineswegs „guteantwort.net“, sondern ist eine herausragende Zeitverbrennungsseite mit ausschließlich nutzlosen Kommentaren.

Die erste Antwort auf meine obige Frage war tatsächlich „Warum denn nicht?!“. Da hätte sich auch gleich jemand „weiß auch nicht!“ oder „keine Ahnung!“ antworten können. Wem sollte das denn weiterhelfen? Denn die Frage war ja, ob man Kaffee mit ins Handgepäck nehmen darf, und nicht: „He, was glaubst du denn so, ob man Kaffee mitnehmen darf? Sag doch mal!“

Da besteht doch ein qualitativer Unterschied! Nur fällt das vielen Nutzers dieser Seite überhaupt nicht auf. Die glauben nicht, dass dort jemand nach einer Antwort auf die Frage sucht, sondern die denken, sie müssten ihre Meinung dazukäsen, und erkennen dabei keinen Widerspruch!

Die anderen Antworten waren im Übrigen ähnlich hilfreich. Ich war mal wieder fasziniert und angeekelt zugleich von der im Netz grassierenden Dummheit und Gleichgültigkeit bei ansteigender Postingdichte.

Ihr könnt mir auch gern Eure Meinungen zu Kaffee im Handgepäck schicken. Zum Glück braucht man zum Posten ja keine Ahnung, diffuse Meinungen reichen völlig!

Fundstück: Gepäckband

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Fundstück: Gepäckband

Liebe Reisende, wer kennt diese Situation nicht?! Gerade am Flughafen angekommen, begibt man sich zum Gepäckband und zweifelt am gesunden Restverstand der Menschheit. Denn noch bevor sich das Gepäckband überhaupt in Bewegung versetzt, stehen bereits alle Insassen des Flugzeugs am Gepäckband – und zwar direkt. „Alle“ heißt natürlich „fast alle“, da zumindest ich immer in sicherer Entfernung stehe und mir dieses Massenphänomen anschaue. Einige von ihnen haben auch schon ihre Gepäckwagen direkt ans Band geschoben, um sich das Leben leichter und allen anderen schwerer zu machen. Bei einem Freibier-Ausruf von der Theke könnte ich dieses Verhalten verstehen oder beim Release des neuen, noch besser brennbaren Samsung Galaxy (Spaß!).

Richtig lustig wird es dann natürlich, wenn man sein eigenes Gepäckstück auf dem Band erkennt und sich durch die, auch nicht einen Zentimeter zurückweichende Meute durchkämpfen muss, um es vom Band zu holen.

Beim meinem letzten Flughafenbesuch in Oslo verschlug es mir fast den Atem. Ich kam an das Gepäckband und dort befand sich in etwa zwei Meter Entfernung vorm dem Gepäckband eine rote Linie mit der norwegischen und englischen Aufforderung, bitte dahinter zu warten (siehe Beweisfoto). Wie einfach und genial man große Menschheitsprobleme doch lösen kann! Mal schauen, wie lange es dauert, bis sich so eine rote Linie auf einen deutschen Flughafen verirrt. Meiner Erfahrung nach, dürfte das mit Sicherheit ein paar Jahr dauern. Haben wir Deutschen es etwa nötig, von Ländern wie Norwegen zu lernen…?

paketband

Pulse of Europe oder: Kirchentag für Atheisten

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Pulse of Europe oder: Kirchentag für Atheisten

Ich weiß nicht, was Ihr von der Bewegung „Pulse of Europe“ haltet oder ob Ihr schon mal bei einem Treffen ward. Ich selbst bin schon mal an einem Sonntag zum Stuttgarter Marktplatz geradelt und habe artig den Pro-Europäer gegeben. Und natürlich bin ich auch ein entschiedener Pro-Europäer. Ich hätte sogar gerne eine doppelte Staatsbürgerschaft, ja, ich wäre gerne ein Deutsch-Europäer und bekenne mich auch dazu. Aber trotzdem weiß ich nicht so recht, wie ich mich zu „Pulse of Europe“ positionieren soll.

Von der Stimmung her ist die Veranstaltung wie Kirchentag für Atheisten und, ganz ehrlich, ich brauche keinen Kirchentag, auf dem statt lila Fahnen nun blaue mit gelben Sternen geschwungen werden. Es wird gemeinsam gesungen und dann ein Glaubensbekenntnis abgelegt (hier zu Europa, ist klar!). Okay, denke ich, okay! Kann man machen. Und in dunklen Zeiten mit so vielen hässlichen, dummen, anti-europäischen und zersetzenden Tendenzen kann ein öffentliches, positives Bekenntnis natürlich nicht schaden.

Aber inhaltlich ist mir diese sonntägliche Pro-Pro-Diskussion, bei der Kritik nicht erwünscht ist, einfach zu dünn. Denn dieser europäische Status Quo, den wir erreicht haben, ist leider ja auch keine Zukunftsvision, sondern bloß eine rosarote Erinnerung an ein schönes, funktionierendes europäisches Miteinander, das längst tiefe Risse hat und an manchen Stellen bereits auseinanderbricht.

Was hilft also dieser „Pulse of Europe“-Geist, wenn auch er bloß in der Vergangenheit Zuhause ist? (Okay, zumindest nicht so tief im Gestern wie Pegida, aber dennoch…!) Vielleicht hilft dieses Bekenntnis einem persönlich, zu den Guten zu gehören, ein Pro-Europäer zu sein.

Leider wird, meines Erachtens, in der Öffentlichkeit zu schnell das Fass der „Europagegner“ aufgemacht. Jeder, der Europa oder die EU kritisiert, egal ob von links oder rechts, vorne oder hinten, unten oder oben, ob er dabei destruktiv oder konstruktiv ist, kommt in die Tonne „Europagegner“. Und viele gehören dort rein, keine Frage! Aber die Politik oder die Medien machen es sich, meiner Meinung nach, gerade viel zu einfach, da sie auf diesem Wege auch unbequeme und kritische Geister, die ein anderes, besseres, gerechteres Europa einfordern, als Europagegner brandmarken und damit entsorgen können. (Die Frage, ob nicht Politiker wie Schäuble mit ihrer Austeritätspolitik und ihrer neoliberalen Alternativlosigkeit die wahren Europagegner sind, kann an dieser Stelle nicht ausführlich diskutiert werden.)

Und was hilft uns nun diese „Pulse of Europe“-Bewegung? Befreien wir uns von unseren Schulden, unseren kleinen Sünden mit einem sonntäglichen „Europa Unser“…?

Ich denke, das reicht nicht! Denn die Schuld ist größer und die Richtung ist falsch.