dümmer geht immer

Kaffee im Handgepäck?

Gepostet am

Kaffee im Handgepäck?

Als ich mich vor ein paar Wochen auf den Weg nach Norwegen machte, wollte ich meiner Schwester auch ein paar Alltagskonsumartikel mitbringen. Und als mein Koffer schon recht vollgestopft war, stellte sich mir die Frage, ob ich wohl auch den Kaffee im Handgepäck mitnehmen könne oder ob es begründete oder unbegründete Einwände hinsichtlich der Flugsicherheit dagegen gab. Vielleicht verwirrte Kaffeepulver die Hunde bei der Sprengstoffsuche oder umgekehrt? Was weiß denn ich?

Also googelte ich „Kaffee im Handgepäck?“ und mir wurde, nichts Blödes ahnend, die Seite „gutefrage.net“ empfohlen (vermutlich eine 105%ige Google-Tochter). Und diese Seite ist nun wirklich ein Sinnbild der Sinnlosigkeit unserer Zeit. Denn „gutefrage.net“ bedeutet keineswegs „guteantwort.net“, sondern ist eine herausragende Zeitverbrennungsseite mit ausschließlich nutzlosen Kommentaren.

Die erste Antwort auf meine obige Frage war tatsächlich „Warum denn nicht?!“. Da hätte sich auch gleich jemand „weiß auch nicht!“ oder „keine Ahnung!“ antworten können. Wem sollte das denn weiterhelfen? Denn die Frage war ja, ob man Kaffee mit ins Handgepäck nehmen darf, und nicht: „He, was glaubst du denn so, ob man Kaffee mitnehmen darf? Sag doch mal!“

Da besteht doch ein qualitativer Unterschied! Nur fällt das vielen Nutzers dieser Seite überhaupt nicht auf. Die glauben nicht, dass dort jemand nach einer Antwort auf die Frage sucht, sondern die denken, sie müssten ihre Meinung dazukäsen, und erkennen dabei keinen Widerspruch!

Die anderen Antworten waren im Übrigen ähnlich hilfreich. Ich war mal wieder fasziniert und angeekelt zugleich von der im Netz grassierenden Dummheit und Gleichgültigkeit bei ansteigender Postingdichte.

Ihr könnt mir auch gern Eure Meinungen zu Kaffee im Handgepäck schicken. Zum Glück braucht man zum Posten ja keine Ahnung, diffuse Meinungen reichen völlig!

Fundstück: Gepäckband

Gepostet am Aktualisiert am

Fundstück: Gepäckband

Liebe Reisende, wer kennt diese Situation nicht?! Gerade am Flughafen angekommen, begibt man sich zum Gepäckband und zweifelt am gesunden Restverstand der Menschheit. Denn noch bevor sich das Gepäckband überhaupt in Bewegung versetzt, stehen bereits alle Insassen des Flugzeugs am Gepäckband – und zwar direkt. „Alle“ heißt natürlich „fast alle“, da zumindest ich immer in sicherer Entfernung stehe und mir dieses Massenphänomen anschaue. Einige von ihnen haben auch schon ihre Gepäckwagen direkt ans Band geschoben, um sich das Leben leichter und allen anderen schwerer zu machen. Bei einem Freibier-Ausruf von der Theke könnte ich dieses Verhalten verstehen oder beim Release des neuen, noch besser brennbaren Samsung Galaxy (Spaß!).

Richtig lustig wird es dann natürlich, wenn man sein eigenes Gepäckstück auf dem Band erkennt und sich durch die, auch nicht einen Zentimeter zurückweichende Meute durchkämpfen muss, um es vom Band zu holen.

Beim meinem letzten Flughafenbesuch in Oslo verschlug es mir fast den Atem. Ich kam an das Gepäckband und dort befand sich in etwa zwei Meter Entfernung vorm dem Gepäckband eine rote Linie mit der norwegischen und englischen Aufforderung, bitte dahinter zu warten (siehe Beweisfoto). Wie einfach und genial man große Menschheitsprobleme doch lösen kann! Mal schauen, wie lange es dauert, bis sich so eine rote Linie auf einen deutschen Flughafen verirrt. Meiner Erfahrung nach, dürfte das mit Sicherheit ein paar Jahr dauern. Haben wir Deutschen es etwa nötig, von Ländern wie Norwegen zu lernen…?

paketband

Pulse of Europe oder: Kirchentag für Atheisten

Gepostet am Aktualisiert am

Pulse of Europe oder: Kirchentag für Atheisten

Ich weiß nicht, was Ihr von der Bewegung „Pulse of Europe“ haltet oder ob Ihr schon mal bei einem Treffen ward. Ich selbst bin schon mal an einem Sonntag zum Stuttgarter Marktplatz geradelt und habe artig den Pro-Europäer gegeben. Und natürlich bin ich auch ein entschiedener Pro-Europäer. Ich hätte sogar gerne eine doppelte Staatsbürgerschaft, ja, ich wäre gerne ein Deutsch-Europäer und bekenne mich auch dazu. Aber trotzdem weiß ich nicht so recht, wie ich mich zu „Pulse of Europe“ positionieren soll.

Von der Stimmung her ist die Veranstaltung wie Kirchentag für Atheisten und, ganz ehrlich, ich brauche keinen Kirchentag, auf dem statt lila Fahnen nun blaue mit gelben Sternen geschwungen werden. Es wird gemeinsam gesungen und dann ein Glaubensbekenntnis abgelegt (hier zu Europa, ist klar!). Okay, denke ich, okay! Kann man machen. Und in dunklen Zeiten mit so vielen hässlichen, dummen, anti-europäischen und zersetzenden Tendenzen kann ein öffentliches, positives Bekenntnis natürlich nicht schaden.

Aber inhaltlich ist mir diese sonntägliche Pro-Pro-Diskussion, bei der Kritik nicht erwünscht ist, einfach zu dünn. Denn dieser europäische Status Quo, den wir erreicht haben, ist leider ja auch keine Zukunftsvision, sondern bloß eine rosarote Erinnerung an ein schönes, funktionierendes europäisches Miteinander, das längst tiefe Risse hat und an manchen Stellen bereits auseinanderbricht.

Was hilft also dieser „Pulse of Europe“-Geist, wenn auch er bloß in der Vergangenheit Zuhause ist? (Okay, zumindest nicht so tief im Gestern wie Pegida, aber dennoch…!) Vielleicht hilft dieses Bekenntnis einem persönlich, zu den Guten zu gehören, ein Pro-Europäer zu sein.

Leider wird, meines Erachtens, in der Öffentlichkeit zu schnell das Fass der „Europagegner“ aufgemacht. Jeder, der Europa oder die EU kritisiert, egal ob von links oder rechts, vorne oder hinten, unten oder oben, ob er dabei destruktiv oder konstruktiv ist, kommt in die Tonne „Europagegner“. Und viele gehören dort rein, keine Frage! Aber die Politik oder die Medien machen es sich, meiner Meinung nach, gerade viel zu einfach, da sie auf diesem Wege auch unbequeme und kritische Geister, die ein anderes, besseres, gerechteres Europa einfordern, als Europagegner brandmarken und damit entsorgen können. (Die Frage, ob nicht Politiker wie Schäuble mit ihrer Austeritätspolitik und ihrer neoliberalen Alternativlosigkeit die wahren Europagegner sind, kann an dieser Stelle nicht ausführlich diskutiert werden.)

Und was hilft uns nun diese „Pulse of Europe“-Bewegung? Befreien wir uns von unseren Schulden, unseren kleinen Sünden mit einem sonntäglichen „Europa Unser“…?

Ich denke, das reicht nicht! Denn die Schuld ist größer und die Richtung ist falsch.

Deutschland – verliebt in Macron!

Gepostet am Aktualisiert am

Deutschland – verliebt in Macron!

Und? Seid ihr auch so verliebt in Emmanuel Macron? Schon ein Hübscher! Die deutschen Politiker taumeln ja geradezu glückselig durch die Interviews und schicken dem schicken Emmanuel ihre Poesiealben zu, als wäre… ja, als wäre… ja, was eigentlich?!

Und auch die Medien suggerieren uns, Macron sei ein Hoffnungsträger, ein Heilsbringer, ein Pro-Europäer, ein richtig Guter, ja, was denn noch alles?! Aber seien wir doch mal ganz ehrlich. Wofür steht denn dieser Typ eigentlich? Wenn nicht einmal die Linken in Frankreich ihren Wählern aus dem ersten Wahlgang eine Empfehlung für Macron und gegen Le Pen geben… Und denen ist mit Sicherheit kein Sympathisieren mit Marine Le Pen vorzuwerfen. Macron hat zwar seine eigene Bewegung „En Marche“, aber letztlich war er es, der als Minister unter Hollande die Arbeitnehmerrechte massiv abgebaut hat und, wenn er gedurft, wie er gewollt hätte, sogar noch weiter abgebaut hätte.

Er ist für Europa. Schön. Bin ich auch! Aber für was für ein Europa steht er denn? Sein aktuelles Wirtschaftsprogramm ist wortwörtlich (im wahrsten Sinne des Wortes!) eine Kopie der wirtschaftlichen Empfehlungen der Europäischen Kommission und ihrer neoliberalen Agenda. Er hat sich nicht mal die Mühe, es umzuformulieren. Und was das bedeutet, muss man leider immer noch ständig wiederholen, weil uns die Mainstream-Medien glauben lassen, es gäbe keinen anderen Weg. Und zwar bis es jeder Dödel geschnallt hat und dieses Brainwashing ein Ende hat, es gäbe keine Alternative zum neoliberalen Weg der Weisheit. Denn gerade diese Politik, für die auch Macron steht, hat in den letzten 20 Jahren genau dafür gesorgt, dass die Gesellschaft (ob nun in Frankreich oder sonst wo) so weit auseinandergedriftet ist und immer weiter driftet, weil eben niemand den Kurs ändert und Macron schon mal gar nicht. Denn dieser Kurs ist ja, und bleibt es vermutlich auch, alternativlos!

Und, das Schlimmste, an alledem ist nicht mal Le Pen schuld!

So! Was für eine Wahl haben die Franzosen denn nun? Auf Deutsch gesagt: Frauke Petry oder Christian Lindner? Bah! Da möchte ich, ehrlich gesagt, auch nicht wählen müssen!

Das kleine Parkraumwunder

Gepostet am Aktualisiert am

Das kleine Parkraumwunder

Als im letzten Sommer im Stuttgarter Westen auf einer Handvoll Parkplätze einige sogenannte „Parklets“ errichtet worden waren, spaltete dies die Stuttgarter Anwohner in empörte Verachter dieser Parkplatzverschwendung und begeisterte Anhänger der Idee der Rückgewinnung des öffentlichen Raums. (Herr Boe berichtete: https://tommiboe.com/2016/08/12/parklets-ja-leck-mich-am-a/)

Aber es handelte sich nur um ein temporäres Projekt und Parklets und Emotionen verschwanden. Es durfte wieder geparkt werden. Puh! Der Frieden im Westen war gesichert.

Als ich vor ein paar Tagen durch den Westen schlenderte, entdeckte ich das „kleine Parkraumwunder“ (siehe Bild), einen überdimensionierten hölzernen Handwagen, der am Straßenrand parkte. Oder soll und muss ich sagen: es stand da einfach rum? Denn parken können nur Fahrzeuge, die motorisiert sind. Und so braucht man für diesen Handwagen auch keinen Parkschein.

Und im Gegenteil zu sonstigen, am Straßenrand abgestellten Privat-Pkw, die für durchschnittlich 23 Stunden pro Tag den öffentlichen Straßenraum blockieren, lädt dieser Wagen Passanten zum Verweilen ein. Laut aufgeklebtem Beipackzettel bietet das kleine Parkraumwunder Platz für bis zu zehn Personen, macht dabei keinen Lärm und erzeugt keinerlei Emissionen.

Andererseits vernichtet er einen (in Zahlen:1!) ganzen Parkplatz! Bin gespannt, wann das Ding brennt!

archive