dümmer geht immer
Gegen die Verlederhosierung des Abendlandes
Gegen die Verlederhosierung des Abendlandes
Wer zur Zeit durch Stuttgart läuft, wird einem Phänomen begegnen, das ich als Verlederhosierung des Abendlandes bezeichne. Denn es ist gerade Wasen-Zeit und Jung und Alt strömen zum Cannstatter Wasen, dem Volksfest, das gerade 200 Jahre alt wird. Genug eigene Tradition möchte man meinen…
Aber anscheinend empfinden es viele der rund vier Millionen Besucher inzwischen als reinen Ableger des Münchner Oktoberfestes. Denn in den letzten Jahren greift ein zunehmender Verkleidungswahn um sich. Besonders das junge, karnevalerprobte Volk läuft rum, wie frisch aus dem Kostümverleih entsprungen, traditionsunabhängig, – übergreifend oder -ignorierend in Dirndl und Lederhose mit kleinkariertem Hemd. Und da es in Stuttgart und Umgebung keinen Kultur bezogenen Trachtenhintergrund gibt, darf es auch gerne das Plastikdirndl für 9,99€ aus dem Discounter sein. Sieht zwar richtig kacke aus, ist dann aber auch nicht ganz so tragisch, wenn man sich später besoffen vollkotzt.
Vielleicht handelt es aber auch bloß um traditionsbewusste Bayern, die kürzlich nach Baden-Württemberg rübergemacht haben und damit genau jene wertekonservativen Wähler sind, die am nächsten Wochenende der CSU schmerzlich an der Wahlurne fehlen werden.
Und jetzt alle: Ohhhhh! Arme CSU!

Wir ham die Schnauze voll!
Wir ham die Schnauze voll!
Die Causa Maaßen offenbart, meines Erachtens, sehr hübsch, wie wenig diejenigen, die behaupten verstanden zu haben, überhaupt verstanden haben. Die etablierten Politiker der Regierung versuchten dabei, Einigungen, Kompromisse zu finden, die es jeder Seite ermöglichen sollte, einigermaßen das Gesicht zu wahren. So weit so gut, möchte man denken. Aber was ist das wert, wenn es sich dabei um einen großen Haufen Scheiße handelt, der dem Bürger dampfend und stinkend als Lösung präsentiert wird? Was erwarten die Politiker, die behaupten, verstanden zu haben, ernsthaft, wenn vor laufender Kamera der Demokratie heftig und mehrfach in den Arsch getreten wird? Für wie blöd halten sie die Wähler? Welches Symbol geht von solchem politischen Agieren aus?
Wenn auf der Straße gerufen wird „Wir ham die Schnauze voll!“, dann geht es um genau dieses Verhalten der aufgehobenen Politikerkaste, die Maaßen rausschmeißt, weil er untragbar ist, daraufhin befördert, weil seine Kompetenz unverzichtbar ist, und daraufhin dann doch nicht, weil ähh… ja, weil… Tagelanges machtpolitsches Affentheater.
Dass daraufhin die AfD nochmals zwei Prozentpunkte in den Umfragen zulegt, demonstriert wie wenig Verständnis und Gefühl die politischen Akteure da oben davon haben, wie ihr Handeln da unten wahrgenommen wird: Scheiße nämlich!
Natürlich kann die AfD gar nichts. Sie hat auch keine Konzepte für die wesentlichen Zukunftsthemen. Aber sie muss auch gar nichts können und solange sich die Regierungsparteien in ihrer verqueren Parteienlogik verfransen und zerfleischen, reicht es für die AfD aus, einfach ein Gegenpart zu sein. Der Protest ist zum großen Teil auch ein struktureller, nicht bloß ein inhaltlicher.
Und besonders die CSU macht leider keinen erkenntnis- oder gar lernbereiten Eindruck, sondern bockt wie ein Zweijähriger im Sandkasten. Bravo und vielen Dank!

Neues aus dem Enddarm der Automobil-Lobby
Neues aus dem Enddarm der Automobil-Lobby
Habt Ihr auch mitbekommen, dass Andreas Scheuer plötzlich und völlig überraschend wieder aus dem Enddarm der Automobilkonzerne aufgetaucht ist? Leicht Scheißeverschmiert, aber immerhin! In diesen Zeiten muss man ja über jeden Politiker froh sein, der aus den Fängen und Gedärmen der Lobby wieder auftaucht.
Ich wollte mich an dieser Stelle auch gar nicht darüber lustig machen, dass der Verkehrsminister gerade stolz sein neues „Neuigkeiten-Zimmer“ vorgestellt hat. Da hat wohl einer im Ministerium den Google-Translator in der Einstellung English-Bayrisch für News-Room benutzt…
Bisher hatte Andreas Scheuer ja tapfer und stur den Kurs der Automobil-Lobby befolgt und darauf vertraut, einfach immer wieder den gleichen Stuss zu erzählen, getreu dem Motto: „Wer sich immer wiederholt, hat Recht!“ Und das klang dann so: „Automobilkonzerne sind gut – Dieselfahrer sind selbst Schuld! Automobilkonzerne werden geschont – Dieselfahrer sollen sich halt einen neuen Diesel kaufen.“ Basta!
Und jetzt hat Scheuer offenbar irgendwie herausgefunden, dass Dieselfahrer in Bayern wahlberechtigt sind. Mist! Das hätte man ihm aber auch früher sagen können. Wie steht A.Scheuer denn jetzt da? Völlig b.scheuert!
Allein der Bestand an Euro5-Dieseln beträgt 39,3% an den 15 Millionen Dieselfahrzeugen in Deutschland. Da ist es schon irgendwie blöd, als Minister den Eindruck zu vermitteln, man würde direkt für die Automobilkonzerne arbeiten und nicht für seine Wähler. Hmmm…!
Aber ich wiederhole mich ja gerne: A.Scheuer ist und bleibt b.scheuert!
Fun Fact: Inzwischen wäre die CSU wahrscheinlich mit jenen 39,3% sehr zufrieden…
https://tommiboe.com/2014/12/08/a-scheuer-ist-b-bescheuert/
https://tommiboe.com/2016/09/23/a-scheuer-bleibt-b-scheuert/
Wer war nochmal das Volk?
Wer war nochmal das Volk?
Philosophisches zum ersten Spieltag
Philosophisches zum ersten Spieltag
Bayern schlägt Hoffenheim, natürlich. Kritische Schiedsrichterentscheidung zugunsten von Bayern, natürlich. Typisch, typisch, typisch – pfui, pfui, pfui!
Man könnte meinen, die neue Saison könnte man jetzt schon wieder abpfeifen, vergessen und abheften.
Zu all den hochfliegenden Emotionen möchte ich ein paar tiefschürfende philosophische Gedanken beifügen. Ich konzentriere mich dabei auf die 78. bis 82. Spielminute. Während Ribéry in den Strafraum sprintet, setzt Nordtveit zu einer historischen Grätsche an, für gefühlte 12 Sekunden rutscht er durch den übrigens hervorragend gewässerten Strafraum, sodass sich Ribéry den Gegenspieler als Prell-, Foul- und Dummbock aussuchen kann. Ober schlägt Unter oder hier: clever schlägt dumm! Elfmeter, kann man geben…
War es nun eine Schwalbe vom Angreifer oder Dummheit vom Verteidiger? Ja, beides. Allerdings hätte man als Schiri die Situation auch anders bewerten können. Dämlicher Verteidiger behindert durch episches Dahingrätschen den Laufweg des cleveren Angreifers, der quasi in den Verteidiger hineinsegelt und sich den gewünschten Kontakt sucht. Man könnte hier auch indirekten Freistoß für, wie der Fußballer sagt, „Sperren ohne Ball“ geben (siehe Regel 12/ verbotenes Spiel), da der Kontakt nicht wirklich vom Verteidiger ausgeht, sondern eher geschickt provoziert wird.
Man stelle sich mal das hübsche Durcheinander vor, wenn die Video-Assistenten aus dem Strafstoß einen indirekten Freistoß gemacht hätten. Herrlich! Keiner im Stadion, weder Spieler, Zuschauer noch Trainer hätten das begriffen. Geile Vorstellung! Ein 70.000-faches Hä?! in der Alliance Arena. Ganz großes Kino! Oder Spielfortsetzung Weiterspielen und Abstoß, aber für beide Spieler die gelbe Karte. Ribéry für Schwalbe, Nordtveit für Dummheit. Auch geil.
Philosophische Abschlussbemerkung: klar, dass besonders Flügelspieler leichter abheben als andere.


Klarer Fall von Abflug: Sperren ohne Ball, indirekter Freistoß! Gelb für beide!