dümmer geht immer

Nicht süß genug…?

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Wie viel Zucker braucht eine Limonade?

Endlich mal wieder etwas aus der Rubrik „dümmer geht immer“!

Lemonaid  ist eine besondere Limonade. Nicht nur, dass sämtliche Zutaten bio und Fairtrade sind, von jeder verkauften Flasche fließen fünf Cent in Sozialprojekte in den Anbauregionen. Mit diesem „Trinken-hilft“-Prinzip wurden in den letzten zehn Jahren über zwei Millionen Euro gesammelt. Eine Liste mit den konkreten Projekten findet sich hier. Übrigens wurde einst der FC St.Pauli auf ähnliche Weise gerettet.

In dieser Woche ging die Nachricht rum, dass das Bezirksamt Hamburg-Mitte das Unternehmen darüber informiert hat, dass das Produkt Lemonaid Lemon nicht mehr als Limonade bezeichnet werden darf, sondern allenfalls als Erfrischungsgetränk. Das Problem, und jetzt wird’s absurd, im untersuchten Getränk befände sich nicht genügend Zucker. Hä…?! Für die Bezeichnung Limonade ist nämlich eine Mindestmenge von sieben Prozent Zucker erforderlich. Die Behörde ordnete nun an, das Unternehmen müsse entweder den Zuckergehalt erhöhen oder es würde die Produktbezeichnung Limonade verlieren. Das letzte alberne Wort in dieser Angelegenheit ist noch nicht gesprochen. Das Unternehmen will den Unfug notfalls vor Gericht klären lassen.

Was sagt eigentlich unsere Weinkönigin, sorry, die Sprecherin des Bauernverbandes, äh nein, unsere Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner zu diesem Schwachsinn? Erst mal noch nichts. Dabei hatte sie noch kurz vor Weihnachten stolz verkündigt, den Zuckergehalt in Getränken um 15 Prozent zu reduzieren. (Genaueres zu dieser Posse hier)

Auf der anderen Seite ist diese absurde Episode vielleicht auch eine ganz gute Werbung für das Unternehmen. Und es wäre ja sehr wünschenswert, wenn solche Social Business‘ wie Lemonaid mehr Aufmerksamkeit bekommen würden.

Seid Ihr auch alle A+++?

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Seid Ihr auch alle A+++?

Ich jedenfalls schon! Da ich mir kürzlich eine neue Waschmaschine zulegen musste, habe ich mich intensiv mit der Energieverbrauchskennzeichnungsverordnung beschäftigt (Hach, wie ich die deutsche Sprache liebe! Was machen eigentlich Beamte in anderen Ländern?). Darin werden Waschmaschinen nach Energieeffizienz-, Waschwirkungs- und Schleuderwirkungsklasse bewertet. Die Einteilung erfolgt in Klassen A bis G, inzwischen gibt es, da die Zuordnung der Bewertungskriterien schon 20 Jahre alt ist, die neuen Effizienzklassen A+, A++ und A+++. Klingt übelst spannend oder?

Das Ding ist, dass durch die Einteilung suggeriert wird, dass bei einer Skala von A bis G die Klasse A ja super sein muss. Bei Waschmaschinen sind allerdings Geräte mit einer Energieeffizienzklasse B und schlechter schon seit 2011 untersagt, in der Bewertung tauchen diese Klassen natürlich trotzdem auf. Das heißt, die Klasse A ist die schlechteste erlaubte Klasse überhaupt! Hä…?! Was soll der Scheiß denn? Und vor allem, welcher Verbraucher weiß so etwas oder steigt da noch durch?

Also ist A+++ nun das Beste? Wie naiv ist das denn?! Meine neue Waschmaschine ist nämlich nicht nur A+++, sondern sogar „A+++ -30%“. Sie liegt also noch mal 30% unter dem Grenzwert für A+++. Dafür gibt es aber gar keine eigene Effizienzklasse mehr. Die besten, energieeffizientesten Geräte können also gar nicht so ausgezeichnet werden, dass der Verbraucher das sofort erkennen kann. Na bravo!

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Hurra! Ich bin Veteran!

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Hurra! Ich bin Veteran!

Es passieren ja so viele Albernheiten in der Politik, dass diese hier schon fast wieder vergessen wurde. Aber nicht von mir!! Denn dies geht mich ganz persönlich, beziehungsweise ganz dienstlich an. Vor ein paar Wochen hat unsere Verteidigungsministerin Uschi von der Leyen feierlich verkündet, dass ab sofort alle Ex-Soldaten als Veteranen gelten sollen! Während der umgangssprachliche Gebrauch darunter noch einen altgedienten und lebensälteren Soldaten oder gar Weltkriegsteilnehmer verstand, bin jetzt sogar ich, Uschi sei Dank, ein Veteran!

Und wäre ich nicht in der letzten Woche über dieses wunderschöne Foto aus meiner militärischen Vergangenheit gestolpert (worden), hätte ich mich wohl auch gar nicht mehr zu den 10 Millionen Frisch-Veteranen geäußert.

Aber nachdem Uschi erzählt hat, dass auch all denen, die gedient haben, „ein Leben lang Respekt und Anerkennung gebührt“, möchte ich das Angebot zur Veteranen-Ernennung höflich ablehnen: Da nicht für! Sagt man bei uns im Norden. Für meine wertvollen Dienste als mittelmäßiger Klarinettist beim Heeresmusikkorps (HMK 3) in Lüneburg verlange ich jedenfalls keine güldene Anstecknadel. Denn so hat diese, vermutlich, als Auszeichnung gemeinte Bezeichnung schon direkt Ramschniveau erreicht und hat in etwa den Wert eines Sportabzeichens! Und so war das wahrscheinlich nicht gemeint oder…?

Ach so, falls ich doch so eine Medaille bekomme, sollen sie bitte hinten drauf gravieren: „Mit Spaß dabei – im HMK 3!“

veteran boe
Veteran Boe in der Grundausbildung, hier ausnahmsweise ohne Klarinette, dafür mit dem blauen Barett des Sanitäters

Deutschland ist kein Organspendeland

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Deutschland ist kein Organspendeland

Natürlich nicht! Und dafür gibt’s drei sehr gute Gründe: Das war schon immer so! Das wäre ja noch schöner! Da könnte ja jeder kommen!

Ich könnte mich echt aufregen. Jetzt muss ich sogar mit Jens Spahn einer Meinung sein. Also echt…! Das es soweit kommen muss! Habt Ihr auch diese elende Debatte über Organspende im Bundestag verfolgt? Ich könnte kotzen. Aber mein eigener Magen ist mir dafür natürlich viel zu schade!

Krass, wie es die Deutschen schaffen, aus der Organspende ein deutsches Thema zu machen und dem Rest der Welt mal wieder zu zeigen, dass wir etwas Besonderes sind. Anscheinend sind deutsche Organe etwas Besseres als Organe aus anderen Länder. Denn sonst könnte man ja mal über den Tellerrand (Grenzstreifen) blicken und erkennen, wie das Thema in anderen Ländern behandelt wird.

So gilt die höchst emotional diskutierte Widerspruchsregelung, von Spahn vorgeschlagen, in Bulgarien, Frankreich, Irland, Italien, Lettland, Liechtenstein, Luxemburg, Österreich, Polen, Portugal, der Slowakei, Slowenien, Spanien, Tschechien, der Türkei, Ungarn und Zypern, in den Niederlanden ab 2020. Die Widerspruchsregelung mit Einspruchsrecht der Angehörigen gilt in Belgien, Estland, Finnland, Litauen und Norwegen.

Und während 10.000 bis 12.000 Menschen jedes Jahr auf ein Organ warten (2017 gab es nicht einmal 800 Spenderorgane), quengeln die Kritiker rum und sehen in der Widerspruchsregelung einen unzulässigen Eingriff in das Selbstbestimmungsrecht. Menno! Jetzt ist man schon tot und dann auch noch sowas! Ökodiktatur! Leichenfledderer! Organhandel! Was sonst noch…?

Ach, richtig: CSU-Abgeordneten und Hobby-Philosoph Stephan Pielsinger schwabuliert: „Nichts sagen kann nicht Ja bedeuten.“ Das sagen wahrscheinlich genau die Politiker, die 1997 noch gegen den Paragraph zur Regelung von Vergewaltigung in der Ehe gestimmt! Soviel zum Thema „Nein muss ja nicht nein bedeuten!“ Aber sonst alles klar…!

Die Widerspruchslösung sei eine „Pseudolösung“, die die Menschen eher verunsichere. Was daran verunsichern soll, verunsichert mich wiederum. Denn wer das nicht will, sagt einfach Nein und Feierabend! Wo ist denn da eine Verunsicherung? Oder wie blöd sind die CSU-Wähler und -Politiker, wenn sie schon solche Zusammenhänge nicht verstehen? Andererseits sind CSU-Politiker auch schon durch Begriffe wie vegane Wurst verunsichert… CSU-Bashing geht natürlich immer. (Hier etwas ganz anderes, sehr schönes zum Thema Zusammenhang!)

Aber auch die Kirchen sind dagegen. „Wir lehnen die Widerspruchslösung aus ethischen Gründen ab, denn sie entspricht nicht dem christlichen Menschenbild“ (Martin Dutzmann, Bevollmächtigter des Rates der Evangelischen Kirche, Berlin). Ihr könnt doch echt glauben, was ihr wollt. Ich bin recht tolerant gegenüber Religionen. Aber glaubt ihr, neben Eurer Seele fährt auch die Niere mit in den Himmel? Wenn das so ist, dann geht doch scheißen, Ihr Dreckschristen!

Au Mann! Erst muss ich Jens Spahn zustimmen und jetzt stellt sich raus, dass ich als Atheist selbstloser bin als die da vom Trachtenverein. Das macht mich schon fast wütend!

 

https://www.zdf.de/nachrichten/heute/debatte-ueber-widerspruchsloesung-bei-organspende-100.html

Gegen die Verlederhosierung des Abendlandes

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Gegen die Verlederhosierung des Abendlandes

Wer zur Zeit durch Stuttgart läuft, wird einem Phänomen begegnen, das ich als Verlederhosierung des Abendlandes bezeichne. Denn es ist gerade Wasen-Zeit und Jung und Alt strömen zum Cannstatter Wasen, dem Volksfest, das gerade 200 Jahre alt wird. Genug eigene Tradition möchte man meinen…

Aber anscheinend empfinden es viele der rund vier Millionen Besucher inzwischen als reinen Ableger des Münchner Oktoberfestes. Denn in den letzten Jahren greift ein zunehmender Verkleidungswahn um sich. Besonders das junge, karnevalerprobte Volk läuft rum, wie frisch aus dem Kostümverleih entsprungen, traditionsunabhängig, – übergreifend oder -ignorierend in Dirndl und Lederhose mit kleinkariertem Hemd. Und da es in Stuttgart und Umgebung keinen Kultur bezogenen Trachtenhintergrund gibt, darf es auch gerne das Plastikdirndl für 9,99€ aus dem Discounter sein. Sieht zwar richtig kacke aus, ist dann aber auch nicht ganz so tragisch, wenn man sich später besoffen vollkotzt.

Vielleicht handelt es aber auch bloß um traditionsbewusste Bayern, die kürzlich nach Baden-Württemberg rübergemacht haben und damit genau jene wertekonservativen Wähler sind, die am nächsten Wochenende der CSU schmerzlich an der Wahlurne fehlen werden.

Und jetzt alle: Ohhhhh! Arme CSU!

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Das ist NICHT das Oktoberfest in München! Das ist der Cannstatter Wasen!