Glück mit den Sternen am Ende der Welt

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Glück mit den Sternen am Ende der Welt

Den Satz „Man braucht auf so einer langer Reise auch mal ein bisschen Glück“ kann man in die Tonne kloppen. Das ist Blödsinn! Denn man braucht definitiv einen Haufen Glück! Auch wenn mein venezolanischer Reisepsychologe mir beigebracht hat „No es cuestión de leche, es cuestión de actitud“, also: Es ist nicht die Frage von Glück sondern der Einstellung. Ich konnte allerdings den Zusammenhang von persönlicher Einstellung und folgenden Wetterereignissen bisher noch nicht feststellen. Auch wenn ich natürlich immer mein Tellerchen aufesse (man weiß ja nie…). Andererseits bin ich meistens durchaus guter Dinge, also positive Grundeinstellung, und das Wetter hat meistens gut mitgespielt. Ich hab mich bisher weitestgehend mit Regentänzen zurückgehalten. Man muss sich auch mal beherrschen können. Ihr kennt ja solche Situationen! Abends einen getrunken und dann übermütig mit irgendwelchen Indios ums Feuer getanzt und schwupps vierzehn Tage Dauerregen. Ich weiß Bescheid und werfe mich auf alle tanzenden Indios – in freundschaftlicher Umarmung und mit einem gerüttet Maß an interkultureller Kompetenz selbstverständlich.
Die spanischen Besatzer haben auf Feuerland ja wenig bis nichts an Urbevölkerung überleben lassen. Folglich tanzen hier auch keine Indios und es regnet dementsprechend wenig, trotz der vielen betrunkenen, tanzwütigen Touristen.
Mein heutiges Ziel war der Glaciar Martial, der Hausgletscher von Ushuaia, der im Sommer zum Wandern und im Winter zum Skifahren einlädt. Bevor es losging, hab ich mich noch übers Wetter informiert, was in Feuerland traditionell sehr wechselhaft sein soll. Genauso waren dann auch die Vorhersagen, wenn ich die Seiten im Netz wechselte:wechselhaft. Meine deutsche Standardseite wetteronline.de bescheinigte sehr gute Aussichten, sonnige Abschnitte und bis zu 15°C, während die argentinische Pronóstico wechselhaftes Wetter mit Regen und wesentlich kühleren Temperaturen ansagte. Naja, eine Seite würde wahrscheinlich irgendwie richtig liegen. Mit der Vorhersage Winde aus südlichen Richtungen sollten jetzt bitte nicht spontan Saharastaub und Hitzewelle assoziiert werden. Denn südlich von Feuerland liegen nur noch Meer und Antarktis!
In jedem Fall ist mein Rucksack vollgestopft mit Schlechtwetterklamotten, die ich alle nicht brauche! Yeah! Es wird ein herrlicher, quasi windstiller Tag, sogar die Sonne scheint vorbei. Ich lächele passend dazu und verzichte auf eine Beschwerde beim argentinischen Wetterdienst. Vom Gletscher aus hat mein eine tolle Aussicht auf Ushuaia und den Beagle-Kanal.
In Zusammenhang mit der Verlässlichkeit von Meteorologen fällt mir wieder meine Eselsbrücke ein, wie ich mir merken kann, was Astrologie und was Astronomie ist. Das hatte ich immer durcheinander gebracht. Es hatte auch nichts geholfen, das erneut nachzuschlagen. Beim nächsten Mal war der gleiche Knoten wieder im Gehirn. Bis mir meine großartige Eselsbrücke eingefallen ist, nämlich die Wortkreation „Astrolüge“ und schwupps ist mir der Zusammenhang klar, dass der Astrologe für die Lügen, die er per Horoskop verbreitet, zuständig ist. (Eigentlich ein schöner Job: Berufslügner!) Eine Wortkreation, die übrigens auch mit „Meteorolüge“ ganz gut funktioniert. Nur dass hier die Mutwilligkeit der Lüge natürlich nicht so krass im Mittelpunkt steht wie bei der Horoskopverarsche.
Zum Abschluss, apropos Sterne und weil die Antarktis ja quasi um die Ecke ist, noch eine Kleinigkeit aus dem Klugscheißerseminar. Da habt ihr vielleicht beim nächsten Blick an den Sternenhimmel etwas zum Klugscheißen, ganz beiläufig natürlich. Woher kommt eigentlich der Name Antarktis?
Der Name Arktis kommt vom Sternbild des kleinen Bären, dessen lateinischen Namen viele kennen, Ursa Minor. Entscheidend ist allerdings der griechische Name, nämlich „Mikri Arktos“. Und da in diesem Sternbild der Polarstern steckt, wurde die Region im hohen Norden Arktis genannt, quasi dort wo Bär und Polarstern wohnen. Antarktis ist demzufolge die Region auf der anderen Seite, die „Anti-Arktis“, auf der gegenüberliegenden Seite vom Bären. Bitteschön!

Und dass es in der Arktis tatsächlich (Eis-)Bären gibt und in der Antarktis natürlich keine („Anti“, ist ja klar!), beweist doch nur, dass auch die Sterne mal Glück haben können.

im Hintergrund Ushuais und der Beagle-Kanal, im Vordergrund der Reiseberichterstatter und Hobby-Astrolüge Herr Boe.
im Hintergrund Ushuaia und der Beagle-Kanal, im Vordergrund der Reiseberichterstatter und Hobby-Astrolüge Herr Boe.

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