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Empörungssättigungssyndrom

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Empörungssättigungssyndrom

Ja, ich gebe es zu! Es tut mir leid. Auch ich leide am ESS, am Empörungssättigungssyndrom. Geht es euch manchmal auch so? Meine Empörungssättigung ist oft schon viel zu schnell erreicht. Häufig ist mein internes Empörungsmanagement auch einfach schon mit der nächsten Sau beschäftigt, die gerade durchs Dorf getrieben wird, bevor die erste überhaupt fachmännisch entbeint worden ist. Aber ich habe einfach nicht genügend Zeit und Empörung für jeden Scheiß übrig, egal wie empörenswert es auch sei.
Erinnert sich noch jemand an Antoine Deltour? Wahrscheinlich nicht. Der steht jedenfalls zurzeit dafür vor Gericht, dass er als Whistleblower den Lux-Leaks-Skandal losgetreten hatte. Für mehr als 300 Unternehmen hatte Luxemburg in großem Stil Steuervermeidungsdeals organisiert, darunter Amazon, Apple, Eon, Ikea und McDonald’s. Das Ganze auf Kosten der europäischen Nachbarländer, so auch Deutschland.
Das ist inzwischen eineinhalb Jahre her. Und während damalige Steuerfluchthelfer, allen voran Jean-Claude Juncker, ehemaliger Finanz- und Premier Minister von Luxemburg, weitestgehend ungeschoren davongekommen sind (besonders krass im Falle von Juncker, der heute immerhin Präsident der Europäischen Kommission ist), droht dem Whistleblower eine Gefängnisstrafe.
Da stellt sich mal wieder die Frage: Was ist legal und was legitim? Das Verhalten des Whistleblowers, die Öffentlichkeit über die Steuersauerei aufzuklären, kann ich nur als moralisch und legitim, ja vorbildlich, bewerten. Der Bundesvorsitzende der Deutschen Steuergewerkschaft geht von bis zu 10 Mrd € jährlich aus, die allein Deutschland aufgrund von so genanntem „Tax Ruling“ entgangen sind. Aber gut möglich, dass Antoine Deltour dafür in den Knast wandert.
Während Jean-Claude Juncker zwar eine steuermoralische Drecksau ist, aber dabei nie illegal gehandelt hat. Und es hindert ihn auch nicht daran, obwohl aufgrund seines Mitwirkens die Nachbarländer um etliche Milliarden Steuereinnahmen geprellt worden sind, weiterhin hohe Ämter in der Politik zu bekleiden.
Aber, wie gesagt, meine Empörungssättigung ist längst erreicht. Ich brauche frische Skandale, um mich aufzuregen!

 

Außerdem habe ich mich ja schon mal darüber aufgeregt!

https://tommiboe.com/2014/12/02/junckers-widerliche-vergangenheit/

Junckers widerliche Vergangenheit

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Juncker antwortet nicht auf Fragen nach seiner widerlichen Vergangenheit

Präsident der Europäischen Kommission Jean-Claude Juncker hat angekündigt, ein verbindliches Lobbyregister für EU-Kommission und EU-Parlament einzurichten. Scheint vernünftig. Aus seinem Mund allerdings klingt das für mich ein bisschen nach Sepp Blatter, der die Welt mit der Ankündigung von objektiven Untersuchungen seiner eigenhändig geschmierten FIFA-internen Ethikkommission beruhigen möchte. Hab ich schon besser gelacht!
Es handelt sich nämlich um den gleichen Juncker, der vor kurzem auf Anfragen zu seinen Verstrickungen in den großflächigen luxemburgischen Steuersumpf nach langem Schweigen weiter schwieg: „Ich antworte nicht auf Fragen nach meiner widerlichen Vergangenheit!“ Äh oder war es: „Ich antworte nicht auf diese widerlichen Fragen nach meiner Vergangenheit!“ Naja, wie auch immer… Kommt für mich auf das Gleiche raus! Ist aber auch gemein, unseren ranghöchsten Europapolitiker einfach so mit seiner eigenen Vergangenheit zu belästigen. „Steuerdeals“ und „Tax Ruling“ nennt man die Absprachen zwischen den staatlichen Steuerbehörden und Unternehmen. Klingt doch süß oder?
Der Bundesvorsitzende der Deutschen Steuergewerkschaft schätzt, dass dem deutschen Fiskus allein durch die von Luxemburg organisierten Deals 10 Milliarden Euro an Steuern durch die Lappen gehen. Pro Jahr, versteht sich! Und dann gibt’s ja noch Irland, die Niederlande, die Kanalinseln und andere lustige Steuerparadiese…! Das alles kaltlächelnd innerhalb der EU. Zwar nicht legitim und loyal den EU-Partnerländern gegenüber aber wenigstens legal.
Können sich die Politiker vielleicht mal und so etwas kümmern?! Jetzt tun zwar alle so, als wären sie überrascht. Nee klar! Wozu hat man denn eine Regierung? Damit sie sich von den Konzernen und ihren lieben Nachbarn verarschen lässt…?! Wie ging noch mal das eklige Gerede von dem verbindenden Wertesystem in Europa? Kann man nicht mal ein paar Gesetze machen?! Kann doch nicht so schwer sein! Und ich möchte mal sehen, wie von unseren Politikern dagegen argumentiert wird. Irgendwie werden denen schon Gründe einfallen, warum man Luxemburg nicht einfach aus der EU schmeißt. Die wollten doch nur ein bisschen (mit Steuern) spielen. Dem kleinen süßen Luxemburg kann doch keiner böse. Doch verdammt! Ihr Arschgeigen!
Und die oberste Arschgeige, Jean-Claude Juncker, beschwert sich auch noch, dass man ihr „widerliche“ Fragen stellt. Blöd für Europa, dass man den Saftsack gerade erst gewählt hat und jetzt feststellen muss, dass er halb Europa beschissen hat, oder wie darf man das nennen, wenn man seinen Nachbarn Hunderte Milliarden Steuereinkünfte versaut hat (denn um diese Größenordnung geht es hier!)? Und jetzt auch noch beleidigt sein…? Was ist denn hier „widerlich“? Was muss man überhaupt tun, um aus so einem Amt wieder rausgeschmissen zu werden? Wie viele Milliarden Euro lässt man ihm denn durchgehen? Ach ja, war ja eine ganz „legal“ inszenierte Steuerflucht! Dann ist ja nicht so schlimm oder was?! Wie blöd geht’s eigentlich?!