Puerto Montt

Seemannsgarn

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Seemannsgarn

Como se dice überhaupt „Seemannsgarn“ en español? Und ich will jetzt nicht „Hilo de Marinero“ hören!
Ich stand an Deck mit einer Belgierin und erzählte ihr von meinem Erlebnis mit einer der Kapitänsgehilfinnen von der Brücke. Wir schipperten zwar auf einem Viehtransporter durch die südchilenische Fjordwelt, aber immerhin durften wir auf die Brücke. Von dort konnten wir im Golfo de Penas Wale beobachten. Man sah eigentlich nur die Fontänen („Er bläst!“), aber darunter befanden sich, wie wir vermuteten, wohl die Wale. Ansonsten taten ja so etwas nur Geysire und die lebten bekanntlich woanders!
Ich fragte die Lady auf der Brücke höflich auf spanisch, um was für Wale es sich denn handele, woraufhin sie mir ein knappes „No sé!“ vor die Füße warf wie ein Greifvogel sein Gewölle vors Nest („Weiß nicht!“). Okay, ich formulierte meine Frage vorsichtig um, was für Walarten denn hier so normaler Weise unterwegs seien, woraufhin sie mir, als hätte sie mir genau diese Frage schon ein paar Hundert Male zuvor beantwortet, ein weiteres „No sé!!!“ entgegen warf. Ich hörte deutlich die drei Ausrufezeichen und wollte bereits vorsichtig den Rückzug antreten, aber sie ließ noch frostiges „I don’t know!!!“ folgen. Ja, doch, sorry! – Hätte sie doch durchaus wissen können, wenn sie hier jeden Tag lang fuhr. Es war ja auch bloß ’ne Frage…
Das erzählte ich der Belgierin, woraufhin sich folgendes Garn spann:
Denn natürlich gab es gute oder schlechte Gründe für die Verstimmtheit der Kapitänsgehilfin, die nicht in erster Linie mit mir (schon eher mit den blöden Walen) zu tun hatten. Denn einst war sie die Käptnsbraut gewesen, mit dem sie noch immer auf der Brücke arbeitete. (Sie hatte sich ursprünglich auf der Seite von http://www.findacrew.net beworben und bei „könnte mir eine Beziehung mit dem Kapitän vorstellen?“ mit JA geantwortet. Vergleiche: https://tommiboe.wordpress.com/2014/03/24/fundstuck-find-a-crew-net/) Mir war bei unserer Begegnung aufgefallen, dass sie sehr ernste, ein wenig männliche Züge hatte. Nichts Schlimmes, aber doch konnte man einen seichten Flaum auf der Oberlippe erkennen, auch hatte sie durchaus markante Gesichtszüge. Wie gesagt, nicht schlimm. Und es gibt Männer, die so etwas attraktiv finden. So auch unser Kapitän, bis ihm klar wurde, dass er insgesamt eher auf komplett männliche Typen stand: also direkt Männer und nicht männlich wirkende Frauen.
„Seitdem ist es die Liebe aus/ und nun lebt im Käptnshaus/ ein Mann/ der zu allem Überfluss auch noch besser kochen kann!“
Und je näher die Fähre Puerto Montt kam, um so garstiger wurde die Stimmung der Exkäptnsbraut. Und als ich nun auch noch nach dem Namen der Wale fragte, trat ich unwissentlich aber unentschuldbar in den nächsten mit frischem Waltran gefüllten Fettnapf. Denn der Neue des Käptns war ausgerechnet Walforscher.
Als ich das nächste Mal die Brücke betrat, war ich rücksichtsvoller, lächelte ein vorsichtiges Allerweltslächeln, nicht zu mitleidsvoll und verpisste mich auf die andere Seite der Brücke. Hoffentlich tauchten jetzt keine Wale mehr auf und irgendein anderer dämlicher unwissender Tourist fragte sie…!
Die Belgierin und ich schauten uns zufrieden an. Mensch, die Erklärung war doch ganz einfach gewesen…
Außerdem passierte ja sonst nichts auf dem Boot. Langsam schoben sich die Berge an Land vorbei, von Gletschern fast identisch abgerundete Inseln tauchten auf und verschwanden wieder, hin und wieder ein Geysir, Seelöwe oder Delphin. Das klang zwar ganz gut, aber streckte sich über drei lange Tage, während am Heck die Kühe verzweifelt blökten. Aber niemand kam vorbei und putzte ihre Toilette. (Was sonst auf der Fahrt passierte, siehe: https://tommiboe.wordpress.com/2014/03/23/auf-einem-viehtransporter-durch-die-chilenischen-fjorde/)
Und wenn man sich überlegt, wie öde das früher erst auf Booten gewesen sein musste und wie lange so eine Fahrt dauern konnte und wie schlecht die Netzabdeckung damals war, wundert man sich nicht, dass sich die Seemänner gegenseitig eine ordentliche Portion Unfug erzählt haben. Man war ja froh über jede Abwechslung!
Was das angeht, wäre ich wahrscheinlich auch ein guter Seemann geworden.

Fundstück – Find a crew.net

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Fundstücke in Fernwest – Find a crew.net

Auf der Fähre nach Puerto Montt hörte ich folgende bewusstseinserweiternde Geschichte von einer Belgierin, deren Zimmergenossin im Hostel sich per Internet auf einem Kreuzfahrschiff beworben hatte und die kurz davor stand, an Bord zu gehen. Die Reise sollte zu den Osterinseln und weiter nach Tahiti gehen.

Auf der Seite „findacrew.net“ kann man sich über ein Formular für verschiedene Kreuzfahrschiffe bewerben, auf dem man dann für die entsprechenden Servicetätigkeiten angelernt wird. Auf diese Weise gelangen diese Hilfskräfte bei freier Kost und Logie in die entlegensten Ecken der Welt.
Beim Ausfüllen des Bewerbungsprofils kommt man schließlich, nach vielen anderen Fragen natürlich, auch zu der Frage, ob man sich eine Beziehung mit dem Kapitän vorstellen könnte. BÄM! Kein Scherz! Wenn das mal nicht großartig ist! Das schafft eine ganz neue Dimension: „Fuck&Ride“! – Mal schauen, ob die Fragestellung demnächst auch auf den Seiten von Mitfahrgelegenheiten auftaucht. Vielleicht entstehen auch ganz neue Seiten wie „Mit-verkehr.de“ oder so ähnlich. Bin schon ganz gespannt!
Allerdings doch nicht so neu. Denn es poppt gerade eine Geschichte in meinem Hirn auf, die mir eine Schwedin auf den Galapagos-Inseln erzählt hat. Sie hatte einige Jahre als Köchin auf unterschiedlichen Booten gearbeitet. Unter anderem auch auf einem Boot, das sich unmittelbar aus den übelsten Männerphantasien materialisiert hatte, auf dem halb- bis ganz nackte junge Mädels zwischen reichen alten Säcken aus der Modell/Foto/alter-Mann-verarscht-junges-dummes-Mädel-Branche herum hüpften, um dort für irgendeinen anspruchsvollen Tittenkalender mit interessanter Rahmenhandlung zu poposieren.
Und auch wenn ich jedem alternden und einsamen Kapitän eine kleine, knackige Liebschaft von Herzen gönne (vielleicht werde ich ja selber mal ein alternder und einsamer Kapitän), befürchte ich, dass die Kalender-Fotoshooting-Strategie hinsichtlich des Fuck&Cruise-Faktors um ein Vielfaches erfolgreicher ist.
Zurück zur „Fuck a crew“, äh, „Find a crew“-Seite! Es besteht natürlich auch die Möglichkeit, dass einfach ein gelangweilter/notgeiler Computernerd die Sex-Frage beim Programmieren in den Fragebogen eingeschmuggelt hat. Aber auch das werde ich heute nicht mehr herausfinden.

Euch allen viel Vergnügen, wobei auch immer!

"Navigieren macht einsam!" Das wissen alle Kapitäne!
„Navigieren macht einsam!“ Das wissen alle Kapitäne! Aber dank moderner Technologie bleibt heutzutage auch Zeit für andere Vergnügungen. Bewirb dich noch heute!!!

Auf einem Viehtransporter durch die chilenischen Fjorde

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Auf einem Viehtransporter durch die chilenischen Fjorde

Für alle Freunde der Reiseübelkeit!
Der Gemeinschaftsraum/ Essensaal ist fast leer. Gerade mal sieben Personen sind da. Nett. Bisher war der Raum immer überfüllt und irgendein Horrorfilm lief. Das steht bei chilenischen Truckern, die weitestgehend für die Filmauswahl verantwortlich sind, neben Fast&Furious 1-8 gerade sehr hoch im Kurs.
Grund für den leeren Raum ist der Golfo de Penas, den wir während unserer Fahrt von Puerto Natales nach Puerto Montt queren müssen. Zwischen zwölf und 15 Stunden Fahrt auf offenem Meer/ Pazifik sind damit verbunden. Denn während der bisherigen Fahrt durch die Fjorde ist der von „Navimag“ als Fähre getarnte Viehtransporter nur gemütlich hin und her geschaukelt. Jetzt sind wir echten Pazifikwellen ausgesetzt. Auch die Moral beim Essen ist abends recht bescheiden. Nachmittags, am Beginn des Golfo de Penas, der mehr als nur zufälliger Weise „Golf der Schmerzen“ heißt, war die Stimmung noch gelöst und es wurde das beliebte Gesellschaftsspiel Whalespotting gespielt.
Aber auch andere bedeutende Fragen werden diskutiert. Zum Beispiel: Werden Kühe auch seekrank? Das werde ich nachher mal auf der Ladefläche überprüfen. Richtig auf unserer Fancy Ferry sind auch 6-8 LKW-Anhänger mit Rindern unterwegs. Was man zum Ende der Reise auch auf dem Oberdeck noch deutlich riechen kann!
Stimmt es eigentlich, dass Kühe im Wasser volllaufen und ertrinken, weil sie keinen Schließmuskel haben? – Keine Ahnung!
Zumindest können wir uns an Bord darauf einigen, dass Pferde nicht kotzen können. Erklärt sich so der Spruch, den ich von meinem Vater gelernt habe: „Ich habe schon Pferde vor der Apotheke kotzen sehen!“ Was also ein extrem seltenes Ereignis beschreibt, nämlich Pferde, die kotzen, und Pferde, die vor Apotheken stehen, wo bekanntlich schon zu Zeiten des regen Kutschverkehrs ein absolutes Halteverbot herrschte.
Zurück zu den Kühen! Hasen sind bekanntlich Mümmler, sie mümmeln den ganzen Tag vor sich hin. Aber sind sie deshalb auch Wiederkäuer? Und können Hasen kotzen? Irgendjemand wirft ein, Hasen würden ihre Vortagsköttel fressen, um sie noch mal verdauen können. Leckere Idee, aber hilft uns das weiter? Außerdem sind, meiner Ansicht nach, Hasen viel zu klein für vier Mägen. Andererseits war Alf auch nur unwesentlich größer als ein Hase und hatte, glaube ich, acht Mägen!
Das Schöne an diesen Gedankenspielen ist, dass wir nichts von unserem Halbwissen und Spekulationen überprüfen können. Es ist richtiggehend beruhigend, mal auf das allwissende Internet verzichten müssen zu dürfen. Auch die sonst allgegenwärtigen leuchtenden, piependen, Kommunikation vernichtenden Smartphones halten endlich mal die Fresse. Herrlich!
Und irgendwie auch schön, die ganzen Fragen einfach mal unbeantwortet für sich stehen zu lassen.

(Mehr vom Viehtransporter unter: https://tommiboe.wordpress.com/2014/03/27/seemannsgarn/)

Fütterungszeit auf dem Viehtransporter!
Fütterungszeit auf dem Viehtransporter!
ein seltenes meteorologisches Ereignis: Herrn Boe wächst ein Regenbogen aus dem Stammhirn. Fast so selten wie Marienerscheinungen
ein seltenes meteorologisches Ereignis: Herrn Boe wächst ein Regenbogen aus dem Stammhirn. Fast so selten wie Marienerscheinungen.