Locutorio

Viel Spaß im Locutorio

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Viel Spaß im Locutorio

Aus meiner Reihe „Viel Spaß mit…“ heute: Viel Spaß im Locutorio! Als Locutorio bezeichnet man Telefonläden. Ob die Silbe „Locu“ schon andeuten soll, dass es hierein wenig verrückt (loco) zugeht, ist mir nicht überliefert.
Ich wollte die Lufthansa anrufen, weil ich meinen Rückflug „umrouten“ wollte. Das Wort „Umrouten“ hab ich übrigens erst während des Telefonats kennen gelernt. Außerdem dass Umbuchen in meinen Ticketbedingungen enthalten ist und Umrouten nicht. Wieder was dazugelernt. Ich werde auf meiner Rückreise also nicht direkt von Havanna zurück fliegen sondern, wie gebucht, erst nach Caracas und am nächsten Tag nach Frankfurt.
Ich hatte gehofft, der Lufthansa sei das egal, ob ich nun von Havanna oder Caracas aus fliegen würde. Vielleicht war es der Lufthansa persönlich auch egal. Nur stand nichts davon in meinen Ticketbedingungen.
Da ich schon mal im Locutorio war, wählte ich die Nummer meiner Eltern. Dem Sohn geht’s gut und so… Aber ich kam nicht durch. Nachdem ich schon mit der Lufthansanummer Schwierigkeiten und einige Anläufe gebraucht hatte, ging jetzt aber gar nichts. Woraufhin mir die Locutorio-Fachkraft erklärte, dass ich nicht genügend Nummern gewählt hätte. Ich versicherte ihr, dass ich eine vollständige Nummer gewählt hätte… Nein, nein, da würden noch Ziffern wählen. Daher würde es auch keine Verbindung geben. Da es sich um die Nummer meiner Eltern handelte, war ich mir sicher, dass ich keine Ziffern unterschlagen hatte. Janeindoch, da würden noch Nummern fehlen. Die Frau blieb hartnäckig und hatte wohl kürzlich einen Fortbildungskurs über das deutsche Telefonwesen besucht. Ich erklärte ihr, dass diese Nummer vollständig sei und es im Dorf meiner Eltern noch Anschlüsse mit nur drei Nummern gebe. Nein! Sie lächelte allwissend. Nein, nein, nein. Woher sie sich denn so gut mit deutschen Telefonnummern auskenne. Tja, das sei nun mal so.
Langsam wurde ich gallig. Ihr Scheiß Locutorio funktionierte nicht und ich musste mir anhören, ich sei zu blöd die Nummer meiner Eltern zu wählen…?! – Sie lächelte, als habe sie mir Dummerchen das nicht schon oft genug erklärt: Es fehlen noch Nummern! Nur deshalb gab es keine Verbindung.
Bevor ich noch völlig wahnsinnig werden konnte, wechselte ich auf deutsch und erklärte ihr, was ich von ihrem Drecksladen und ihren klugen Ratschlägen hielt. Danach war sie ruhig. Komisch! So etwas wirkt manchmal besser als alle Erklärungen.
Vielleicht wäre ich auch gar nicht so sauer gewesen, wenn man mich nicht schon ein paar Minuten vorher für völlig blöd verkauft hätte. Ich hatte in der einzigen Bank in Máncora gefragt, ob ich denn hier mit meiner Notfall-Kreditkarte Geld bekommen könne. Da sagte mir der Bankfuzzi, das gehe nur am Automaten. Ich erklärte ihm, dass ich keine Geheimnummer habe und daher an einem Geldautomaten kein Geld abheben könne. Aha. Das Prinzip könnte ein Bankangestellte, gleich in welchem Land, ja verstehen. Also fragte ich, ob es noch eine andere Bank im Ort gebe. Woraufhin er die Straße runter zeigte. Jaja, da gebe es noch ein paar Geldautomaten. Was? Ja, das seien noch ein paar Geldautomaten. Was? Hört mir hier eigentlich niemand zu?!

Ach, übrigens, als ich im Locutorio hinter die dreistellige Nummer meiner Eltern einfach noch „000“ gewählt habe, bin ich natürlich direkt durchgekommen! Im Rausgehen lächelte mich die Dame am Schalter wissend an: „Na, also, ich hab doch gesagt, da fehlen noch Ziffern!“

Viel Spaß mit Kartensperrhotlines, Teil 2

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Viel Spaß mit Kartensperrhotlines, Teil 2

(Fortsetzung von https://tommiboe.wordpress.com/2014/05/11/spas-mit-kartensperrhotlines/)
Nachdem ich noch eine Nacht länger als geplant in Cusco geblieben war, machte ich mich am Morgen an die nächste Telefonsession. Dafür recherchierte ich nochmals im Internet nach Telefonnummern. Besonders verärgert war ich, dass die verkackte 24h-Hotline der DKB nicht funktioniert hatte. Wofür gab es denn so einen Scheiß…?!
Außerdem ging es mir heute darum, wie ich am schnellsten an ein Ersatzkarte kommen konnte. Auch damit warb VISA doch, alles Null Problemo uund schnuppdiwupp haben Sie in 48 Stunden Ihre neue Karte! Das wollte ich doch schwer hoffen!
Vorher ging ich noch Geld umtauschen. An der Plaza de Armas gab es einen Haufen Wechselstuben nebeneinander. Der gängige Kurs war bei 2,77 Soles für einen US$ in allen Läden gleich. Ich präsentierte meine 180$ und schaute dem Kollegen auf die Finger, wie er auf seinen Taschenrechner, den er mir mit dem Wechselkurs von 2,77 noch gezeigt hatte, ganz schnell 160 eintippte, um mir dann wieder ganz langsam das Resultat zu zeigen. Nee klar! Auch wenn man mich gestern (irgendwie) beklaut hatte, war ich doch kein Volldepp! Ich lächelte ihn müde an, so wie meine kleine Schwester zu Studienzeiten meine Freunde angelächelt hatte, wenn diese ihr irgendwelchen absurden Geschichten auftischen wollten. Sicher, na klar, du mich auch!
Mein Geldwechselarschloch spielte schlecht den Überraschten, hielt wahrscheinlich Nicolas Cage für einen großen Schauspieler. Ich zog mein Geld zurück, bedankte mich für die Mathematik-Nachhilfestunde und ging in die Wechselstube nebenan.
Ich betrat erneut meinen Telefonladen und versuchte es noch mal mit der DKB-Nummer. Aber wieder erfolglos. Dieses Mal konnte ich mir zumindest sicher sein, dass die Nummer richtig war. Komisch. Ich probierte noch eine andere deutsche Nummer. Das gleiche Spiel! Ich winkte den Typen aus dem Laden heran und wollte wissen, wie das denn sein könne. Naja, ich könne ja mal die andere Kabine ausprobieren. Aha! Die war zwar noch besetzt. Aber kurz darauf kam ich mit dem ersten Versuch nach Deutschland durch. Super! Das hätte ich mal gestern wissen sollen. Vielen Dank auch!
Es meldete sich die DKB und ich schilderte meinen Fall, musste dafür Name, Adresse, Geburtsdatum und Kontonummer (in Folge kurz: NAGuK) angeben, und wollte wissen, ob meine Karten denn inzwischen gesperrt seien. Einen Moment, nein, aber das würde er sofort machen. Wofür hatte ich gestern eine halbe Stunde mit den USA telefoniert…?! – Wegen meiner Ersatzkarte, einen kleinen Moment, er würde sich kurz mit den VISA-Kollegen in Verbindung setzen. Gut! Es erklang das übliche Warteschleifengedudel. Allerdings nur für zehn Sekunden, dann war die Leitung tot. Na toll!
Ich klopfte die gleiche Nummer nochmals in die Tastatur und bekam natürlich eine andere Call-Center-Tussi. Also mein Problem… Ja, aber erst die NAGuK, bitte… natürlich… Zwei Minuten später war die Kollegin auf dem Laufenden und legte mich auch wieder in die tödliche Warteschleife. NEIN!!!
Dritter Versuch! Bitte, keine, KEINE Warteschleife… okay. Aber erst die NAGuK, bitte… ja doch! Immerhin sind die Karten inzwischen gesperrt und sie gibt mir direkt die Nummer, unter der ich meine Notfallkarte beantragen könne.
Ich landete in einem weiteren Callcenter, dieses Mal mit Münchner Vorwahl, schilderte meinen Fall, gab meine NAGuK an und sollte an die Spezialisten weiter verbunden werden. Aber auch dieses Mal strandete ich in einer toten Leitung. Oh Mann! Verf*** Sch***! Ich winkte noch mal den Typen aus dem Laden heran. Jaja, das könne schon mal passieren… Dann hör wenigstens auf zu lächeln, du Arschnase! – Atmen! Dies alles war nur ein aufwendig inszeniertes Geduldsspiel.
Nächster Versuch, gleiches Ergebnis. Dritter Anruf mit ausdrücklicher Bitte, mich NICHT weiter zu verbinden. Ob sie mir nicht einfach die Durchwahl zu den Spezialisten geben könne. Nein, das gehe nicht! Aber wie sie mir denn dann helfen könne? – Keine Antwort. Aber wie sie mir denn dann helfen könne? – Hmm, sie könne mich nur weiterleiten. Das wäre ja wohl kaum eine große Hilfe, wenn ich nicht weitergeleitet werden könne – oder? – Keine Antwort. – Vielleicht könne sie ja meine peruanische Handynummer weitergeben, sodass ich zurückgerufen werden könne. Wobei ich natürlich recht skeptisch war, ob das mit meiner peruanischen SIM-Karte überhaupt möglich war oder nicht. – Ja, das könne sie. – Gut. Ich würde solange ein anderes Telefonlokal mit funktionierenden Leitungen aufsuchen. Irgend etwas würde schon klappen. Aber auch der nächste Locutorio (Telefonladen) hatte das gleiche Leitungsproblem und der Typ in dem Laden präsentierte sogar das gleiche dämliche Lächeln dazu. Grrrr!
Im Internet hatte ich einen VISA-Net-Laden gefunden, der direkt an der Plaza de Armas lag. Vielleicht gab es dort ja so etwas Ähnliches wie Hilfe im Angebot. Ich ging da mal vorbei, während ich auf meinen Rückruf wartete. Aber VISA-Net sei nicht VISA, erfuhr ich dort. Ah, natürlich…! Die Dame lächelte ein freundliches, aber nicht-zuständiges Lächeln. War schon klar. Aber ob ich mich vielleicht auf ihrem Telefon zurückrufen lassen könne. Es handele sich um einen Notfall und …. Si claro! Ach… Haben hier wohl sonst nichts zu tun die beiden Mädels. Na gut, danke schon mal und bis gleich!
Ich ging zurück zu meinem Telefonladen und wählte zum fünften Mal die Münchner Nummer. Die fünfte Callcenter-Madame zeigte sich wenig verständnisvoll für meine Leitungsproblem und legte mich trotz dringlicher Gegenbitte humorlos in eine tödliche Warteschleife. Die sechste Mitarbeiterin kannte meinen Fall bereits und nahm meine „neue“ Rückrufnummer auf. Toll! Danach konnten wir das Gespräch wie normale Menschen beenden, mit Tschüss und Dankeschön und Schönen Tag noch. Ich wusste schon fast nicht mehr, wie das ging.
Wenig später klingelte bei VISA-Net das Telefon. Nach entsetztem Blicken der beiden Damen, nahm schließlich doch noch eine den Hörer ab, verstand aber nichts, sodass die andere übernahm und den Hörer schnell an mich weitergab. Herrlich, da war sie, meine Spezialistin! Und tatsächlich, ohne weitere Umwege, ohne Warteschleifen konnte ich meine Notfallkarte beantragen. Ich hatte eine Gotteserscheinung oder waren es einfach die Endorphine, die meinen Körper fluteten, in Verbindung mit meinem zusehends schlechter mit Sauerstoff versorgten Hirn?
Ich gab die Adresse und Telefonnummer meines nächsten Hotels in Arequipa an. Dort würde ich die nächsten Tage sein und dorthin könne man mir (bittebitte) die Karte schicken. Ja, sehr schön, kein Problem und gern geschehen! Die Kollegen von VISA würden sich mit mir in Verbindung setzen. Na, das wollte ich doch schwer hoffen!

(Ende 2. Teil)