Hongkong – wow!
Beeindruckend! Das ist wahrscheinlich das treffendste Wort ist das ich für Hongkong übrig habe.
Eigentlich ist Hongkong ja eher zufällig zu mir und meiner Reise gekommen. Nach meiner Südostasien-Zeit war Neuseeland als nächstes großes Highlight geplant und erst bei meiner Suche nach Flügen von Ho Chi Minh City nach Neuseeland, wurden mir merkwürdige Verbindungen über Hongkong angeboten. Liegt eigentlich nicht so ganz auf dem Weg, dachte ich. Aber dann kann ich ja auch ein bisschen dableiben.
Nach meinen Tagen in HCMC allerdings war ich ein kleines bisschen großstadtmüde (lag vielleicht auch an meiner Sylvester-Erfahrung mit zwei Millionen Menschen auf der Straße, auf EINER Straße im engeren Sinne!). Dahingehend war Hongkong sicher nicht die richtige Wahl für meinen Stoppover.
Aber! Nun in Hongkong: Wow! Ich halte es zwar grundsätzlich mit Udo Jürgens und mag griechischen Wein und war noch niemals in New York und bin eigentlich nicht der mega Megacity-Fan. Aber Hongkong ist echt beeindruckend!
An meinem ersten Tag fahre ich auf der Hongkong-Insel mit der Peak Tram zum Peak Tower hoch, von dem man dann die komplette Bucht überblicken kann und das ist dann schon einfach, auch auf die Gefahr mich zu wiederholen, beeindruckend! Heute lass ich einfach mal ein paar Bilder sprechen…!









Fundstück – Schnelle Schnalle
Auf dem Rückweg von meiner Weihnachtsinsel ist bei meinem großen Rucksack die Schnalle von meinem Hüftgurt gebrochen. Das Ding ist sackschwer (Ha! Wortwitz!), daher die Schnalle von gewisser Gewichtigkeit (Ha! Bäm!).
Da ich nun in Ho Chin Minh City bin, mit 14 Millionen Menschen die größte Stadt in Vietnam, habe ich den heutigen Tag der Schnalle gewidmet. Recherchen zu Outdoor-Geschäften haben etliche vage, aber auch verheißungsvolle Treffer ergeben. Es sollte also realistisch sein, so eine Schnalle zu bekommen, denke ich mir.
Hin und wieder sind solche kleinen Aufgaben beim Reisen hilfreich und strukturgebend. Während man sonst ja nur banale Touri-Dinge macht, kann man sich so mal um weltliche Dinge kümmern und sei es die Suche und der Kauf einer Rucksackschnalle. Klingt vielleicht komisch, aber Reisende wissen, was ich meine. Im Idealfall beschenkt man sich selbst mit einem kleinen Erfolgserlebnis und man kann einen Haken auf der To Do-Liste setzen.
Ein paar mögliche Geschäfte habe ich also gefunden. Bevor ich aber meinen vermeintlichen Joker ziehe, der weiter entfernt in einem anderen Bezirk liegt, schlendere ich zum Russian Market, der sich in fußläufiger Entfernung befindet. In einem großen Gebäude sind viele unterschiedliche Stände. Und anderem sehe ich Outdoor-Kleidung herumhängen. Ich nähere mich mit meiner kaputten Schnalle in der Hand und spreche einen Verkäufer an. Er sieht meine Schnalle, nickt und weist mir den Weg zu einem anderen Stand. Okay. Dort begrüßt mich freundlich und in gutem Englisch ein junge Frau. Sie lächelt mich (oder die Schnalle) an und beginnt direkt, in einer Schublade rumzukruschteln. Zehn Sekunden später hält sie eine Schnalle in der Hand (Tada!). Ich staune. Ist das jetzt wirklich so einfach gewesen…?! Ich lächele erfreut und zücke meine Geldscheine aus der Tasche. Aber da winkt sie ab! Nein, nein, ich muss nichts zahlen! „Happy New Year!“ Da lächele ich gleich noch ein bisschen breiter und stammele ein mühevolles „Chuc mung nam moi“ (und streue noch ein paar Akzente drüber), was zu einiger Heiterkeit in der Runde führt und dann ist mein Tagwerk vollbracht.
Verdammt, was mache ich denn jetzt mit dem freien Tag…? Naja, vielleicht schreibe ich einfach ein paar Postkarten…!


Fundstück – Postkarten
Nanu…? fragt sich Herr Boe am 1. Tag des Jahres 2026, was ist denn hier los? Hinter der Kathedrale Notre Dame von Saigon schaut ein schmuckes gelbes Gebäude hervor, das mein Reiseführer als „vollfunktionsfähiges Postamt beschreibt. Auch von innen schön und alt und viel Trubel. Es stellt sich heraus, es gibt hier (verrückte Kombination und einzigartig in Südostasien) am gleichen Platz, so als wäre es erlaubt, Postkarten UND (!!) Briefmarken zu erwerben. Hammer Geschäftsidee. Dass niemand vorher drauf gekommen ist! Postkarten findet man sonst natürlich auch, aber treibe in Asien mal eine vollfunktionsfähige Briefmarke auf…!
Also wird die Chance genutzt und ich schlage zu! Und ich lerne, es gibt auf der Karte jeweils einen speziellen Bereich für den Text, die Adresse und die Briefmarke. Dafür gibt es sogar ein extra Wort: „Frankieren“ heißt das! Toll oder…? Was soll ich sagen: Reisen bildet! So haben Reisende früher offenbar kommuniziert.
Ich verbringe einen Vormittag im Café und schreibe fleißig los. Herr Boe kann nämlich nicht nur Blog, er kann auch Postkarte! Bin schon gespannt, ob ich auch Antworten bekomme. Freu mich schon auf den Moment, wenn der neuseeländische Postbote an meinen Campervan klopft und die Postkarten zustellt. Vielleicht kurbele ich das Fenster ein bisschen runter, damit er sie durch den Spalt einwerfen kann, wenn ich unterwegs bin! Uiii, das wird toll!
noch mehr Postkartengeschichten!






Beerlao – mehr als ein Bier!
Gibt es sie noch, die großen Rätsel, die kleinen Geheimnisse oder nur noch die mittelmäßigen Geschichtchen beim Reisen? Oder ist inzwischen nicht längst alles geklärt und in Sekundenschnelle herauszufinden? Ist die Welt vollständig dekodiert? Oder gibt es noch Hoffnung, das man als Reisende:r etwas entdecken kann?
Dem aufmerksamen Laos-Berichterstatter Herrn Boe ist nämlich bei seiner Reise durch Laos etwas aufgefallen, etwas Gelbes. Täglich stand es rum, gelb, überall, in großer Stückzahl. Es prägte quasi das Stadtbild.
Aus bisher ungeklärten Gründen, also aus Gründen, die es hier zu klären gilt, stehen überall in ganz Laos die signifikanten gelben und leeren Beerlao-Bierkästen herum und überall ist hier nicht als gängige Übertreibung zu verstehen. Es gibt in Laos also ein Pfandsystem für Bierkästen, was aber keinesfalls den Umkehrschluss zulässt, dass die leeren Kästen auch wieder abgegeben werden. Sie stehen aber nicht nur einfach so rum, weil sie so dekorativ sind (das natürlich auch!), sondern sie erfahren vielfach eine Umwidmung: als Ablagefläche, Sitzmöbel, Zaun, Sonnenschirmständer, Stützkonstruktion und vieles mehr. Sie sind beliebt bei Ingenieuren, Architekten und Raumausstattern.
Es gibt eine Theorie, die besagt, dass Laos morgen einen Großteil seiner Staatsschulden begleichen könnte, wenn alle Bierkästen zurückgegeben und gespendet werden würden. Andererseits weiß niemand genau, wie viele Bierkästen überhaupt im Umlauf – oder besser – im Rumstehen sind.
Eine noch plausiblere These geht davon aus, dass die Laot:innen die Kästen für ihre private Altersvorsorge zurückhalten. Was für unsereins der Goldstandard ist, gilt in Laos für die Bierkästen. Und da eine private Altersvorsorge in Laos kaum existiert, scheint das Vertrauen ins Pfandsystem größer als in den Staat zu sein. Dazu verunsichern schwache Banken, hohe Inflation, Währungsabwertung. Bier hingegen gilt als absolut krisenfest. Es wird zu allen Anlässen, freudigen wie traurigen, und häufig sogar völlig anlasslos getrunken. Und spätestens hier wird dem Laos-Berichterstatter klar: Doch, es gibt sie noch, die Hoffnung, und sie schimmert tatsächlich genau so golden wie ein kaltes, frisch eingeschenktes Beerlao im Glas. Herrlich!













Schalalala-lalalala
Muss man denn jetzt wirklich an Weihnachten rummeckern? Zumal, wenn man bei 30° in Badehose auf einer hübschen Insel sitzt? Nein, aber man kann! Und wenn ich jetzt seitenlang und detailliert aushole, wie abartig geil, unfassbar schön es hier ist, ernte ich doch auch nur Neid und Hass – zurecht! Und solche Reaktionen will ich ja Weihnachten auch nicht provozieren.
Worum geht’s also? Warum muss eigentlich in der schönsten Zeit des Jahres die schrecklichste Musik gespielt werden? Muss man sich den Schrecken der Musik quasi als Kontrastmittel zu den Weihnachtsfreuden spritzen, weil wir sonst die überwältigende Schönheit des Festes nicht ertragen könnten…? Oder habe ich da was falsch verstanden und es stimmt einfach etwas bei mir nicht…?! Ist ja auch möglich…
Aber konkret! Ich sitze in der Vorweihnachtszeit in einem japanischen Restaurant in Siem Reap, Cambodia, dem Tor nach Angkor Wat, und im Hintergrund dudelt etwas schrecklich Weichgespültes. Es handelt sich um „Jazzne“, Weihnachtslieder in Jazz getaucht. Ich schaue mich vorsichtig um: Wer ist wohl die Zielgruppe für diese gefällige Belanglosigkeit oder ist es eher eine belanglose Gefälligkeit? Offenbar ich, der Western Tourist, für den diese Musik gespielt wird. Ich möchte Protest einlegen! Wie kommt man auf die Idee ich oder irgendjemand sonst möchte so etwas hören? Es sei denn man befindet sich für 20 Sekunden in einem Aufzug!
Das Essen ist lecker, aber es bleibt ein unangenehmer Nachgeschmack in der Ohrmuschel zurück. Mein persönlicher Jazzbeauftragter, der sich schon wundert, warum ich ihn um 3 Uhr morgens wecke (sorry, mein Fehler!), bestätigt aber meinen Eindruck bezüglich des überflüssigen seichten Gedudels, möchte aber als Quelle nicht namentlich genannt werden, da er Angst vor der Sache mit den Schafen hat. Ich verstehe seine Sorge und so bleibt er hier ungenannt.
Schlimme Musik! Aber der Optimist weiß: Schlimmer geht immer! 23.12., abends, ich möchte einen lecker Red Snapper verputzen, aber der Weihnachtsmann sitzt am Mischpult. Es läuft das Schlimmste (Nein, nicht „Last Christmas“, aber berechtigter Einwand!): Weihnachtsmedleys von „Love to Sing“ (bitte glaubt mir. Warnung: nicht anhören!). Zum Glück habe ich meine Ohrstöpsel dabei und höre meinen persönlichen Weihnachtsfavoriten, „Fairytale of New York“ von The Pogues viermal am Stück. Dann hat der Herr Erbarmen und Zeit für ein kleines Weihnachtswunder und schickt einen Stromausfall hernieder auf die Insel, der die Medleys abrupt beendet. Danke!
Ach richtig, positives Framing ist wichtig: Der Snapper war übrigens wirklich hervorragend!

