herr boe
Fundstück – Postkarten
Nanu…? fragt sich Herr Boe am 1. Tag des Jahres 2026, was ist denn hier los? Hinter der Kathedrale Notre Dame von Saigon schaut ein schmuckes gelbes Gebäude hervor, das mein Reiseführer als „vollfunktionsfähiges Postamt beschreibt. Auch von innen schön und alt und viel Trubel. Es stellt sich heraus, es gibt hier (verrückte Kombination und einzigartig in Südostasien) am gleichen Platz, so als wäre es erlaubt, Postkarten UND (!!) Briefmarken zu erwerben. Hammer Geschäftsidee. Dass niemand vorher drauf gekommen ist! Postkarten findet man sonst natürlich auch, aber treibe in Asien mal eine vollfunktionsfähige Briefmarke auf…!
Also wird die Chance genutzt und ich schlage zu! Und ich lerne, es gibt auf der Karte jeweils einen speziellen Bereich für den Text, die Adresse und die Briefmarke. Dafür gibt es sogar ein extra Wort: „Frankieren“ heißt das! Toll oder…? Was soll ich sagen: Reisen bildet! So haben Reisende früher offenbar kommuniziert.
Ich verbringe einen Vormittag im Café und schreibe fleißig los. Herr Boe kann nämlich nicht nur Blog, er kann auch Postkarte! Bin schon gespannt, ob ich auch Antworten bekomme. Freu mich schon auf den Moment, wenn der neuseeländische Postbote an meinen Campervan klopft und die Postkarten zustellt. Vielleicht kurbele ich das Fenster ein bisschen runter, damit er sie durch den Spalt einwerfen kann, wenn ich unterwegs bin! Uiii, das wird toll!
noch mehr Postkartengeschichten!






Beerlao – mehr als ein Bier!
Gibt es sie noch, die großen Rätsel, die kleinen Geheimnisse oder nur noch die mittelmäßigen Geschichtchen beim Reisen? Oder ist inzwischen nicht längst alles geklärt und in Sekundenschnelle herauszufinden? Ist die Welt vollständig dekodiert? Oder gibt es noch Hoffnung, das man als Reisende:r etwas entdecken kann?
Dem aufmerksamen Laos-Berichterstatter Herrn Boe ist nämlich bei seiner Reise durch Laos etwas aufgefallen, etwas Gelbes. Täglich stand es rum, gelb, überall, in großer Stückzahl. Es prägte quasi das Stadtbild.
Aus bisher ungeklärten Gründen, also aus Gründen, die es hier zu klären gilt, stehen überall in ganz Laos die signifikanten gelben und leeren Beerlao-Bierkästen herum und überall ist hier nicht als gängige Übertreibung zu verstehen. Es gibt in Laos also ein Pfandsystem für Bierkästen, was aber keinesfalls den Umkehrschluss zulässt, dass die leeren Kästen auch wieder abgegeben werden. Sie stehen aber nicht nur einfach so rum, weil sie so dekorativ sind (das natürlich auch!), sondern sie erfahren vielfach eine Umwidmung: als Ablagefläche, Sitzmöbel, Zaun, Sonnenschirmständer, Stützkonstruktion und vieles mehr. Sie sind beliebt bei Ingenieuren, Architekten und Raumausstattern.
Es gibt eine Theorie, die besagt, dass Laos morgen einen Großteil seiner Staatsschulden begleichen könnte, wenn alle Bierkästen zurückgegeben und gespendet werden würden. Andererseits weiß niemand genau, wie viele Bierkästen überhaupt im Umlauf – oder besser – im Rumstehen sind.
Eine noch plausiblere These geht davon aus, dass die Laot:innen die Kästen für ihre private Altersvorsorge zurückhalten. Was für unsereins der Goldstandard ist, gilt in Laos für die Bierkästen. Und da eine private Altersvorsorge in Laos kaum existiert, scheint das Vertrauen ins Pfandsystem größer als in den Staat zu sein. Dazu verunsichern schwache Banken, hohe Inflation, Währungsabwertung. Bier hingegen gilt als absolut krisenfest. Es wird zu allen Anlässen, freudigen wie traurigen, und häufig sogar völlig anlasslos getrunken. Und spätestens hier wird dem Laos-Berichterstatter klar: Doch, es gibt sie noch, die Hoffnung, und sie schimmert tatsächlich genau so golden wie ein kaltes, frisch eingeschenktes Beerlao im Glas. Herrlich!













Schalalala-lalalala
Muss man denn jetzt wirklich an Weihnachten rummeckern? Zumal, wenn man bei 30° in Badehose auf einer hübschen Insel sitzt? Nein, aber man kann! Und wenn ich jetzt seitenlang und detailliert aushole, wie abartig geil, unfassbar schön es hier ist, ernte ich doch auch nur Neid und Hass – zurecht! Und solche Reaktionen will ich ja Weihnachten auch nicht provozieren.
Worum geht’s also? Warum muss eigentlich in der schönsten Zeit des Jahres die schrecklichste Musik gespielt werden? Muss man sich den Schrecken der Musik quasi als Kontrastmittel zu den Weihnachtsfreuden spritzen, weil wir sonst die überwältigende Schönheit des Festes nicht ertragen könnten…? Oder habe ich da was falsch verstanden und es stimmt einfach etwas bei mir nicht…?! Ist ja auch möglich…
Aber konkret! Ich sitze in der Vorweihnachtszeit in einem japanischen Restaurant in Siem Reap, Cambodia, dem Tor nach Angkor Wat, und im Hintergrund dudelt etwas schrecklich Weichgespültes. Es handelt sich um „Jazzne“, Weihnachtslieder in Jazz getaucht. Ich schaue mich vorsichtig um: Wer ist wohl die Zielgruppe für diese gefällige Belanglosigkeit oder ist es eher eine belanglose Gefälligkeit? Offenbar ich, der Western Tourist, für den diese Musik gespielt wird. Ich möchte Protest einlegen! Wie kommt man auf die Idee ich oder irgendjemand sonst möchte so etwas hören? Es sei denn man befindet sich für 20 Sekunden in einem Aufzug!
Das Essen ist lecker, aber es bleibt ein unangenehmer Nachgeschmack in der Ohrmuschel zurück. Mein persönlicher Jazzbeauftragter, der sich schon wundert, warum ich ihn um 3 Uhr morgens wecke (sorry, mein Fehler!), bestätigt aber meinen Eindruck bezüglich des überflüssigen seichten Gedudels, möchte aber als Quelle nicht namentlich genannt werden, da er Angst vor der Sache mit den Schafen hat. Ich verstehe seine Sorge und so bleibt er hier ungenannt.
Schlimme Musik! Aber der Optimist weiß: Schlimmer geht immer! 23.12., abends, ich möchte einen lecker Red Snapper verputzen, aber der Weihnachtsmann sitzt am Mischpult. Es läuft das Schlimmste (Nein, nicht „Last Christmas“, aber berechtigter Einwand!): Weihnachtsmedleys von „Love to Sing“ (bitte glaubt mir. Warnung: nicht anhören!). Zum Glück habe ich meine Ohrstöpsel dabei und höre meinen persönlichen Weihnachtsfavoriten, „Fairytale of New York“ von The Pogues viermal am Stück. Dann hat der Herr Erbarmen und Zeit für ein kleines Weihnachtswunder und schickt einen Stromausfall hernieder auf die Insel, der die Medleys abrupt beendet. Danke!
Ach richtig, positives Framing ist wichtig: Der Snapper war übrigens wirklich hervorragend!


Wer hat die Kokosnuss geklaut?
Oder wenn man sie nicht klaut, was kostet eigentlich eine Kokosnuss? Klare Antwort: ein bis zwei Dollar. Praktischer Weise ist der US$ in Kambodscha tatsächlich die gängige Zweitwährung (1US$ entspricht 4000 Riel). Einen Dollar mehr kostet die Kokosnuss in meinem Ressort. Sehr viel mehr kosten die Kokosnüsse, zumindest das unrechtmäße Pflücken, in Sihanoukville am Pier zu meiner vorgelagerten Weihnachtsinseln (Koh Rong Sanloem).
Da lässt selbst der sonst so freche Herr Boe die Finger von der Kokosnuss. Für 50 US$ kann man in Kambodscha auch viel besseres erleben oder zum Beispiel 50 Kokosnüsse am Straßenrand kaufen (nicht in meinem Ressort).
Gerade habe ich eine Kokosnuss am Strand gefunden und mich erinnert, was man noch mit Kokosnüssen machen kann. Wasserball spielen! Na, Herr Bär, erinnerst du dich auch…? – Zudem säumen (natürlich!) Kokospalmen mein Paradies und hinter meiner Hütte wird gerade geerntet. Spektakulär, da der humanoide Vollernter bereits 5 Meter über dem Meeresspiegel im Palmendach sitzt und an den Nüssen rummacht. Per Seil werden sie dann abgelassen, die Nüsse, nicht der Erntehelfer. Jener muss sich selbst abhangeln. Elegant rutscht er über einen Palmenwedel zu Boden und landet sicher im Sand.
Wer noch mehr über Kokosnüsse und die Gefahren, die von ihnen ausgehen (neben der Erstickungsgefahr auch bei Nichtallergikern), dem sei dieser ausgezeichnete Blog empfohlen. Es kommen, so viel Spoiler muss sein, Haie und Leberwürste drin vor. Aber, keine Sorge, Markus Söder spielt keine Rolle. Damit muss er erst einmal klarkommen… So!
Wer meint, das Leben auf der Insel erscheint ob dieses langweiligen Kokosnussreports öde, kann sich schon auf meine weihnachtliche Jazzmusik-Schelte morgen freuen. Muss nur noch schnell das Experteninterview transkribieren. Aber was geht schon schnell, wenn man ständig vom Meeresrauschen unterbrochen wird…






Wo ist das Spiel? oder: der etwas ausgefallene Spielbericht
Gerade erst hatte ich die Bestätigungsmail erhalten: Ich bin jetzt offizieller 11freunde-Auslandskorrespondent. Denn die Story von meinem Stadionbesuch beim Hai Phong FC erscheint in der Rubrik „Auswärtsspiel“ in der aktuellen 11freunde-Printausgabe. Yeah!
Und schon steht mein nächstes Auswärtsspiel an, das ich heute in Pakse, im Süden von Laos, im Champasak Stadium sehen werde! Ich habe extra meine Weiterreise nach Kambodscha um einen Tag verschoben, damit ich das Spiel am Sonntagnachmittag noch sehen kann.
Endlich wieder Matchday! Die Vorfreude steigt. Ich fahre artgerecht mit dem Tuktuk vors Stadium und bin dort alleine! Und mit alleine vor dem Stadium ist hier gemeint: Außer mir ist hier niemand und das obwohl das Stadion mitten in der Stadt liegt! Die Lage ist so aussichtslos und deutlich, dass selbst ein Naivling wie ich erkennen muss: Hier findet heute definitiv kein Spiel statt. Trotzdem kann ich ins Stadion gehen und mich davon überzeugen, dass sich auch IM Stadion niemand befindet. ich schlendere ums Stadion und dahinter befindet sich eine weitere, überdachte Sportanlage, auf der sich Leute befinden. Ich schaue mir das mal näher an und erkenne, dass dort Boule gespielt wird. Neben dran Tische, darauf Bierflaschen. Ich fühle mich willkommen, setze mich, bestelle mir eine kalte Flasche Beerlao und schau mir dann doch noch mein Auswärtsspiel an, das auf erstaunlich hohem Niveau ist…
Aufbereitung: Wie konnte es dazu kommen?
Ich hatte schon vor einigen Wochen nach einem möglichen Fußballspiel in Laos geschaut und als es dann klar war, dass ich an/ um dieses Wochenende in Pakse sein würde, hatte ich die Recherche noch einmal konkretisiert. Und mir wurde dieses Spiel vom Champasak Avenir FC bestätigt, auch dank der Mittäterschaft von chatgpt – nennen wir den Schurken/ Versager doch mit Klarnamen. Denn hier handelt es sich um mehr als nur einen vagen Anfangsverdacht. Mir liegt die belastende Korrespondenz vor und dieser Skandal soll hier in aller schonungslosen Offenheit dargelegt werden. Herr Boe heute als Enthüllungsjournalist:
Nachfrage, Sonntagmorgen, Matchday:

Investigative Nachfrage von Herrn Boe:


Bla Bla Bla! Mit heißer Luft kenne ich mich aus. Habe ich selber schon genügend davon produziert… Das Blöde ist eigentlich der Erkenntnisprozess. Ich kann dieser unfähigen KI ja gar nicht böse sein, sondern nur mir selbst. Denn letztendlich bin ich ja der Depp, der sich nicht ausreichend informiert hat und sich in einer Vereinigung aus Naivität, Faulheit und ungerechtfertigtem Vertrauen von einer fehlerhaften Technologie leiten und in die Irre bzw. vors leere Stadion führen lässt. Na, bravo, Herr Boe. Auf diese Erkenntnis hätte ich auch verzichten können!










