Freies Interrail für alle – nöh!

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Freies Interrail für alle – nöh!

Im letzten Jahr habe ich zum ersten Mal von der dieser Idee gehört. Allen Menschen in der EU sollte zu ihrem 18. Geburtstag ein Monat Interrail geschenkt werden, um ihr Europa besser kennen zu lernen. Einfach so, ohne Gegenleistung. Herzlich Willkommen in der EU! Wie Geil! dachte ich direkt. Was gibt es Besseres, um EU-Verdrossenheit zu bekämpfen, als junge Menschen, bevor sie überhaupt verdrossen werden können, auf Reisen in ihre Nachbarländer zu schicken…?! Bitte – danke!

Aber, dachte ich schon kurz darauf, das klingt so gut, dass es bestimmt nicht umgesetzt wird. Weil… äh… das wäre ja noch schöner, da könnte ja jeder kommen, das war schon immer so! Naja… die Brüsseler Bürokratie würde schon was finden!

Tada…! Und so ist es auch! Der EU-Kommission ist das zu teuer. Sie berechnet wie ein europäisches Milchmädchen/ Milchbübchen Kosten von 2,3 Milliarden Euro. Autsch! Das klingt natürlich happig. Aber dabei wird zum einen davon ausgegangen, dass tatsächlich alle das Ticket auch in Anspruch nehmen (unrealistisch!) und zum anderen setzen sie einfach die bisherigen Kosten für das Interrail-Ticket in ihre Gleichung ein, als wäre diese Preise nicht verhandelbar (phantasielos!). Die DB, wie auch andere europäische Anbieter, ist ein Staatskonzern und wer sagt, dass mit diesem „freien“ Interrail-Ticket, das für eine europäische Idee eingesetzt wird, die Bahn Gewinne machen muss? Ach, richtig, die Bürokraten machen das…!

Stattdessen hat sich Brüssel was Anderes überlegt: So sollen für schlappe 2,5 Millionen Euro ausgewählte Jugendliche durch Europa reisen. Und zwar gibt es 5000 (maximal 7000) Plätze für junge EU-Bürgerinnen und -Bürger, die sich darum bewerben müssen. Und dann gibt es natürlich schöne, komplizierte, bürokratische Vorschriften und Auswahlkriterien. Und ich frage mich, wer wird damit wohl gefördert werden? Wahrscheinlich ohnehin schon politisch aktive und europafreundliche Jugendliche, die gut begründen können, warum sie auserwählt werden sollen. Damit wäre es ein Belohnungsprinzip und nicht, wie ursprünglich beabsichtigt, eine Einladung an alle, besonders auch an weniger engagierte oder gar europakritische Jugendliche.

Prima, liebe EU-Kommission! Schon so im Tunnel, dass der Widerspruch nicht weiter auffällt, gell?!

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