Monat: Februar 2026

Tschüss Südinsel!

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Es ist Samstagmittag, mein letzter Tag in Christchurch auf der Südinsel. Habe heute nach vier Wochen meinen kleinen, treuen und mir liebgewonnenen Camper abgegeben. Hab im gleichen Restaurant wie genau vor einem Monat, an meinem ersten Tag in Neuseeland, wieder Ramen gegessen und dazu ein kleines IPA getrunken. Hmmm, das Ganze schmeckt lecker, aber auch sehr nach Abschied. Wehmut streift mich…
Ich schlendere durch den Riverside Market und tröste mich mit einem lecker „Lager Lager“ in der Sonne. Neben mich setzen sich drei Männer, die ihren Tag mit einem Espresso Martini starten. Es wird laut und viel gelacht. Ich will mich schon über zu viel gute Laune beschweren. Stattdessen kommen wir sehr nett ins Gespräch. Sie sind Anfang 40, kommen aus Wellington, waren gestern auf einem Festival und haben amtlich gefeiert. Nebenbei werden weitere Biere bestellt. Wenig später heißt es: Wir ziehen weiter! Und ich werde einfach, als wäre das völlig normal, eingeladen mitzukommen. Ich überlege eine gute halbe Sekunde und bin dabei! Wir leihen uns E-Scooter und flitzen durch die Stadt zur nächsten Bar. Es handelt sich um eine ehemalige Kirche, die standesgemäß zu einem Pub umgeschraubt wurde. Über der Theke hängen noch die Orgelpfeifen. Nice! Endlich mal ein vernünftiger Grund, wieder in die Kirche zu gehen. Könnten wir das Konzept vielleicht auch in Deutschland umsetzen?
Nach einer weiteren wilden Rollerfahrt landen wir in einer coolen sonnigen Rooftop-Bar und zum Abschluss fahren wir noch mit dem Auto (uiii!) zum Bruder des einen, wo noch ein bis zwei Absacker getrunken werden.
Als ich zurück in meinem Zimmer bin, packe ich halb fluchend (weil betrunken) und halb lächelnd (weil sehr betrunken) in einer wilden Aktion meinen Rucksack, damit ich das nicht morgen früh um 6 Uhr machen muss, wenn mein Taxi vor der Tür steht (ich muss ja den Zug von Christchurch nach Picton bekommen).
Tschüss, liebe Südinsel, war sehr schön mit dir und vielen Dank, liebe Kiwis, für Euer freundliches Assimilieren! Ihr habt mir einen wirklich großartigen Abschied geschenkt!

Streit ums Wetter

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Streit ums Wetter

Okay, liebes Neuseeland, bei aller Schönheit, übers Wetter müssen wir schon noch mal reden! Schließlich ist hier Sommer – also kalendarisch. Aber meteorologisch… naja!
Und da man mit dir, Neuseeland, so schlecht kommunizieren kann, hab ich mich gestern mal wieder (ja, sorry, ich bin selbst Schuld) mit chatgpt unterhalten – übers Wetter. Dabei hatte ich mich schon vorher über meine „Windy-App“ informiert und die hatte mir stürmisch-regnerisches Wetter vorhergesagt und dazu ein fettes Tief angezeigt, wie es über Neuseeland herfällt. Die Sachlage war klar. War es Langeweile oder Masochismus? Ich fragte chatgpt und bekam eine sehr detaillierte Schilderung, allerdings von einem ganz anderen Wetter für den nächsten Tag. Hmmm, ich nannte chatgpt meine Infos, aber es blieb dabei: „sehr geringe Niederschlagsmengen“ – nahe Null Liter für die nächsten 24 Stunden. Auf weiteres Contra meinerseits folgte eine stündliche Auflistung: ca. 0mm bei geringer und sehr geringer Regenwahrscheinlichkeit. Erst als ich einen Screenshot der Windy-App abschickte, folgte das typische Unterwerfungsszenario „Ah, jetzt ist es klar“ und „Du hast völlig Recht“, um mir dann seitenlang zu beschreiben, was ich längst wusste. Fazit: „mäßiger bis kräftiger Regen, zeitweise starker Regen, schauerartig verstärkt“
Dann folgten die bekannten Weltmeisterschaften im Zurückrudern und alles noch mal wiederholen und weitere Hilfestellungen, Blablabla. Das zog sich wieder über einige Bildschirmseiten. Was ein Nervenarsch! Mit Beschimpfungen besserte sich zumindest meine Laune und die KI winselte und wedelte mit dem Schwanz wie ein dummer Hund! Schön und verbindend zugleich für mein inneres Team und mich, wenn man ein gemeinsames Feindbild hat!
Fun Fact: Das verregnete Nelson hat übrigens den hübschen Beinamen „Sunny Nelson“ und ist eigentlich eine der sonnenreichsten Städte Neuseelands. Aber als ausgleichende Gerechtigkeit hatte ich gerade drei schöne Tage an der eigentlich notorisch regenreichen Westcoast (mit Badespaß) und vor schon etwa zwei Wochen eine Kajaktour auf dem Milford Sound bei Prachtwetter, wozu mein Guide sagte, er könne sich nicht erinnern, wann er diese Tour zuletzt im T’Shirt gemacht habe. Jahresniederschlag in Milford 6813mm/Jahr (zum Vergleich: Stuttgart ca. 700mm/a).
Also nicht jammern, sondern lächeln. Denn bei Kackwetter hilft niemandem eine Hackfresse!
Außerdem soll’s morgen schon wieder besser werden, sagt meine Windy-App, den Hund hab ich dieses Mal nicht gefragt, der muss heute eh draußen schlafen, ist ja kein Hundewetter, soll ja kaum regnen, ca. 0mm…

Eine KI ist nur so intelligent wie der Typ vorm Bildschirm oder Man bekommt nur die Ergebnisse, die man verdient hat.

Kajaking auf dem Milford Sound bei fantastischem Wetter

Scheitern als Chance

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Scheitern als Chance
Nach meiner überraschend großartigen Wanderung (Tipp einer Einheimischen) von der Jackson Bay durch den herrlich grünvermoosten Regenwald zur Smoothwater Bay, an deren ewig breiten und langen Strand ich dann plötzlich ganz alleine war und mich zu einer nudistischen Badeeinlage gezwungen sah (Ermittlungen laufen!), wollte ich heute einen herausfordernden Trek zum Mount Fox machen, von dem aus man einen tollen Blick auf den Fox Glacier, die umliegenden Berge sowie die Tasmanische See haben sollte.
Eine Herausforderung anzunehmen, ist ja die Grundvoraussetzung zum Scheitern. Ohne das wäre ein vernünftiges Scheitern gar nicht möglich, völlig undenkbar! Aus meiner Zeit als Abenteuerpädagoge in Q. kenne ich solche Sprüche noch zur Genüge. Und Scheitern führt zu Erkenntnisprozessen, die, wenn nicht auch diese scheitern, zu Erkenntnissen und zu Lernen führen können. Und da wollen wir ja hin!
Was habe ich heute über mich gelernt? Der Trek war als sehr schwierig und herausfordernd angekündigt. Es gab regelrecht Warnhinweise am Beginn des Pfades (siehe Foto). Vier Stunden Aufstieg für 1200 Höhenmeter über Steine, Felsen, Wurzeln, durch Pfützen und Matsch und das alles richtig steil. Ich schleppte mich durch den Wald, Wandern war definitiv etwas anderes. Man musste quasi jeden Schritt einzeln setzen. Anstrengend für Körper und Kopf. Und während ich, also mein Körper, sich den Berg hinaufkämpfte, entbrannte ein heftiger Streit in meinem inneren Team über Sinn und Zweck dieses Unterfangens, über Gefahren, Waghalsigkeit, Dummheit, falschen Ehrgeiz, Selbstüberschätzung. Ich weiß nicht, wie es euch geht mit eurem inneren Team, aber meins kann ganz schön nerven! Nach einer Stunde Gewander und Gezeter kamen wir zu dem einvernehmlichen Entschluss, diese Tour abzubrechen und stattdessen die einfache Wanderung/ Spaziergang zu einem anderen Viewpoint auf den Gletscher zu machen. Da ich schon um 8 Uhr gestartet und schon um 10 Uhr wieder zurück am Auto war, hatte ich ja noch genug Zeit für ein nettes Ausweichprogramm. Auf dem Rückweg fühlte sich die Entscheidung auch gut und richtig an, regelrecht vernünftig. Ich war fast ein bisschen stolz auf uns, äh, mich. Unten am Auto stand ein junger Franzose, der sich gerade für den Trek fertigmachte. Ich sprach ihn an, um ihn über den Zustand des Weges und die gegebenen Schwierigkeiten zu informieren. Jaja, das wisse er, deswegen sei er ja da, Herausforderung, blabla. Okay, er machte einen sehr fitten Eindruck und war vielleicht 25. Wir unterhielten uns kurz und als er erfuhr, dass ich schon länger unterwegs war, fragte er, ob ich „retired“ wäre. „Hast du mich gerade Rentner genannt, du kleines Franzosen-Arschloch? Legt dir erst mal einen vernünftigen Akzent zu!“ So bellte es in mir. Gerade hatte ich mich noch vernünftig gefühlt und war mit mir im Reinen, jetzt fühlte ich mich nur noch alt. Bisher hatte ich immer gedacht, ach, schau, du kannst ja noch mit vielen Jüngeren mithalten. Aber jetzt: „Rentner!“ Das war ein Wirkungstreffer! Chapeau, Franzose, bien joué, Schweinebacke!
Wenig später schlenderte ich vom vollen Parkplatz aus den Fox Glacier South Side Walk in Richtung Aussichtspunkt. Dabei entdeckte ich einen kleinen Umweg, den Moraine Walk, ein Pfad durch den herrlichen, moosvergrünten Regenwald, und musste an meinem „Wow!“ feststellen, was für eine hervorragende Entscheidung es doch gewesen war, den steilen Kacktrail zu beenden und durch diesen, selbst als Filmkulisse übertrieben designten Disney-Märchenwald zu flanieren.
Weitere drei Stunden später nach einem tollen Mittagessen bei einem gemütlichen, rentnergerechten Verdauungsspaziergang um den Lake Matheson begegnete ich einer sehr dicken Familie in meinem Alter, was mein inneres Team zu einem Jubelsturm inspirierte: „Hier, schau mal! Mit denen musst du dich mal vergleichen. Da schneiden wir nämlich viel besser ab!“ Stimmt, dachte ich. Zufrieden mit mir/uns kehrte ich zum Parkplatz zurück, wo am Nachbarauto schon wieder Französisch gesprochen wurde und so musste ich noch mal an den jungen, fitten Franzosen denken. „Ich hab deine Nummer und ich ruf dich an, wenn du 55 bist! Und was heißt eigentlich Feierabendbier auf Französisch? Wieso habt ihr da kein eigenes Wort für?“ Ich spürte eine innere Stimme in mir. „Au Mann! Das war wieder so dumm und unnötig!“ Aber ich lächelte die Einwände weg. Denn auch schöne Gedanken dürfen dumm und fies sein und müssen nicht immer Sinn ergeben und sich schon gar nicht an Verhaltensregeln eines inneren Teams halten!

Wem das Ende jetzt schon wieder zu positiv war, den verweise ich sehr gerne auf die wenig erfolgreiche Ratgeber-Reihe vom Küchenpsychologen Boe „Erfolgreich Scheitern!“ – „Scheitern auch Sie in nur 7 Schritten!“ – „Besser scheitern, als nie erfolglos sein!“