Monat: Dezember 2025

Der innere Mekong

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Nach nur 15 Minuten Blick auf den Mekong erscheint der Dreckstag in einem ganz anderen Licht. Okay, alleine die Abendstimmung taucht den Tag, wie Hobbyfotographen und ich wissen, in ein anderes Licht. Aber der Mekong kann viel mehr als das!
Ich bin den dritten Tag auf dem Scooter unterwegs und habe mich entschieden, heute nicht nur nach Pakse zurück, sondern noch ein Stück weiter bis nach Champasak zu fahren. Auf Empfehlung von Yves, ein Franzose, der mit seiner laotischen Frau nicht nur einen Motorradverleih betreibt, sondern jeden Abend um 8 pm. Tourist:innen zum Pakse(auch Bolaven Plateau)-Loop sehr gut und ausführlich informiert. – Yves: Bubpha Mekong Guesthouse, ruhig, wunderschön direkt am Mekong gelegen, nette Gastgeberin; ich daraufhin: Okay, nichts wie hin!
Dadurch wird meine heutige Etappe allerdings deutlich länger. Da die Straßen weitestgehend in gutem Zustand sind, komme ich gut voran, wundere mich allerdings, warum mir GoogleMaps eine so späte Ankunftszeit prognostiziert. Das Wundern wird mir allerdings vergehen! Google weiß mal wieder mehr als ich! Die letzten 18 km sind schlimme, rauchige Dirt Road und die letzten fünf davon eine einzige Vollkatastrophe. In Schrittgeschwindigkeit holpern, hoppeln und hopsen mein treues Känguru und ich fluchend durch den Sonnenuntergang, den ich mir gedanklich als Belohnung für den Mekong aufgehoben hatte. Daraus wird leider nichts! Verfickter erbärmlicher Drecksweg, elendiger, verkackter!
Aber dann bin ich da! Einatmen – ausatmen! – Und ich setze mich an den mächtigen, trägen, friedlichen Mekong, der auf einer Breite von mehr als einem Kilometer unaufhörlich unfassbare Wassermassen von links nach rechts an mir vorüber schiebt und mich nach und nach beruhigt und meinen angesammelten Ärger und die negativen Energien einfach mit sich nimmt und fortträgt… Da sitze ich nun und lächele friedlich über die Einfachheit des Lebens, über mich und meine unnötige, übertriebene Aufgeregtheit, über das Wunder des beeindruckenden Mekongs und wie ein gerade eben noch viel zu aufgeregter und emotionalisierter Herr Boe seinem inneren Mekong ein kleines Stückchen näher kommt.

Nachschlag: Zur Verteidigung des Bubpha Mekong Hostels (es war in der Tat fantastisch, großartig und toll, vielen Dank!) muss ich noch erwähnen, dass für meine Odyssee letztlich (natürlich) GoogleMaps verantwortlich ist, da es einen nicht nur deutlich besseren, sondern auch wesentlich kürzeren Weg gegeben hätte, den ich prima mit dem Scooter hätte fahren können. Aber, was soll ich sagen, ich ärgere mich gar nicht darüber. Dann so habe ich mir den Weg eben für die Rückfahrt gespart! – Im Augenwinkel sehe ich, wie mir der Mekong schelmisch und auch ein bisschen stolz zuzwinkert. Ich zwinkere lächelnd zurück.

Die Drecksbahn – jetzt auch in Laos

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Nachdem ich mich in Luang Prabang schon freiwillig von einigen Gepäckstücken getrennt hatte (minimize yourself!), ist mein Gepäck an der Vang Vieng-Railway Station nun um ein weiteres Stück erleichtert worden. Die Formulierung lässt schon vermuten: dieses Mal höchst unfreiwillig!
Ich reise zum zweiten Mal mit der Laos-China-Railway und zwar von Vang Vieng in die Hauptstadt nach Vientiane. Vor knapp fünf Jahren wurde die Bahnstrecke von Kumming, China, nach Vientiane eröffnet. Dies hat das Reisen in Laos komplett verändert. So dauert die Fahrt von Luang Prabang nach Vientiane knapp zwei Stunden, mit dem Bus sind es fünf bis acht Stunden. Eigentümer der LCR sind zu 70% China und 30% Laos. Die Baukosten betrugen 6 Mrd. US$, mit anderen Worten 0,5 mal Stuttgart21. Neben der touristischen Erschließung (2024 kamen bereits 2,3 Millionen Menschen nach Luang Prabang, inzwischen die größte Gruppe aus China) ist diese Bahnstrecke von großem geopolitischen Interesse für China, das seine Einflusssphäre mit Erfolg kontinuierlich ausweitet. Auch andere Infrastrukturprojekte in Laos werden von China (mit-) finanziert. Auch für Laos, mit einer Bevölkerung von gerade mal 7,5 Millionen und einer sehr schwachen Wirtschaft, lohnt sich diese Partnerschaft, wenngleich sich die Abhängigkeit vom übergroßen China auch als riskant erweisen könnte. Allein die wachsenden Touristenzahlen aus China lassen aber auf einen wirtschaftlichen Aufschwung Laos‘ hoffen.
Der Bahnhof ist schon speziell. Auffallend die neue große Eingangshalle, alles ist super sauber und es gibt wahnsinnig viel Personal in schicken Uniformen. Zudem Sicherheitskontrollen wie am Flughafen. Und tatsächlich meinen die das ernst, wie ich bei meiner zweiten Fahrt erfahren darf. Mein Rucksack wird rausgenommen und ich werde gefragt, ob ich ein Messer dabei habe: „Moi? Ein Messer? Nicht doch!“ Aber Dummstellen hilft wenig. Genauer gesagt habe ich kein Messer, sondern einen Dolch dabei. Beim ersten Check in Luang Prabang war das noch keinem aufgefallen. Jetzt schon! Mir wird klargemacht, dass ich das Messer nicht mit an Bord nehmen darf (aus Gründen!). Die verantwortliche Frau ist unmissverständlich und noch sehr unfreundlich dazu. Ich könne ja jederzeit mit dem Bus nach Vientiane fahren, aber nicht mit dem Zug und mit ihr schon mal gar nicht. Sie nimmer das Messer weg und legt es zur Seite. „Moment!“ ich nehme es mir zurück. Ich möchte erst mal mit meinem (inneren) Anwalt sprechen. Scheißendreck! Es war ein sehr schöner, sehr scharfer und ausgesprochen tödlicher Dolch. Jetzt nicht auf dumme Ideen kommen, denke ich, während ich meine fiese Gegenspielerin grimmig anstarre. Wenn Blicke töten könnte, bräuchte man keine Dolche. Aber auch dieser Gedanke hilft nicht weiter… Ich schaue traurig auf meinen Dolch und mag der unsympathischen prinzipientreuen Frau nicht den totalen Triumpf gönnen. Ich schaue mir das übrige herumstehende Personal an und picke mir einen jungen, sympathisch wirkenden Mann heraus. „You are a nice person!“ beginne ich und dann schenke ich ihm den Dolch und betone, dass er ihn nicht abgeben soll, besonders nicht der unsympathischen Frau. Dann drehe ich mich um (ein Tränchen im Auge) und fahre in atemberaubender Geschwindigkeit mit der Laos China Railway nach Vientiane. Ciao Dolchi…!

Gutes Tun

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„Gutes Tun fällt gar nicht schnell, zu Hause und im Kreisverkehr“! Wer einen Ohrwurm braucht, höre sich von Fanny van Dannen „Gutes Tun“ an.
Mich erreicht die Nachricht meiner Teilzeitreisebegleiterin V. in Luang Prabang (wir haben in Muang Ngoy und Nong Khiaw ein paar Wanderungen gemeinsam gemacht). Ihr Freund M., mit dem sie gerade unterwegs ist, hat ein Problem. Er hatte beim Scooter-Ausleihen seinen Ausweis als Kaution hinterlegt und ihn dort bei der Rückgabe des Scooters vergessen. Inzwischen sind die beiden allerdings nach Vang Vieng weitergereist. Dorthin will ich morgen ebenfalls. Mein innerer Pfadfinder erwacht und bietet meine Hilfe an, natürlich.
Am nächsten Morgen gehe ich zum Scooter-Verleih. Es ist ein Verleih, wie man ihn sich als Mitteleuropäer:in so vorstellt. Neben Scootern gibt es hier noch Fruchtsäfte und frische Eier im Nebenerwerb. Diversifikation ist also auch im sozialistischen Laos angekommen. Als ich mich nähere, werde ich von einer der Frauen angesprochen. Ich schildere die Situation und sie scheint sich zu erinnern, aber hat keinen Ausweis bekommen. Mit jeder Nachfrage wird sie sogar noch sicherer. Sie sagt, sie hat nur ein Foto vom Ausweis gemacht, und zeigt es mir auf ihrem Handy. Zum Beweis ihrer Geschäftspraxis zeigt sie mir noch etliche weitere Fotos von anderen Ausweisen (schöne Sammlung). Ich rufe V. zurück, ob sie sicher sei, dass M. den Ausweis abgegeben habe. Inzwischen hat sich auch die Eier-Frau eingeschaltet. Auch sie bestätigt die Geschichte. Ich bin geneigt, ihnen das auch zu glauben. V. bestätigt am Telefon, ja, M. habe den Führerschein abgegeben. „Ahhh“, denke ich mir, „Führerschein…!“ Das Foto auf dem Handy zeigte aber den Reisepass! Ich frage die Frauen, ob sie hier beim Scooter-Verleih/ Fruchtsaftstand/ Eierverkauf so etwas wie ein Depot haben. Als ich noch einmal ausdrücklich klarstelle, dass es sich um den Führerschein handelt, wird per Facetime noch eine dritte Frau zugeschaltet. Und plötzlich nimmt das Gespräch noch einmal eine Wendung. Wir gehen zurück zur Office/ Fruchtstand, wo sich tatsächlich eine Mappe befindet und daraus, so als wären sie schon die ganze Zeit darin gewesen, holt sie ein paar Führerscheine hervor und (Tada!) auch den von M.
Das ganze Spiel dauerte so 20-30 Minuten. Zwischenzeitlich hatte ich schon halb aufgegeben, aber mich noch mal festgebissen. Denn zu sehr hätte ich selbst der Depp sein können, der seinen Ausweis/ Führerschein in genau so einer Situation vergisst. Dafür kenne ich den Deppen in mir inzwischen zur Genüge.
Am nächsten Abend in Vang Vieng trifft der eine Depp den anderen und es kommt zur freudigen Übergabe des Führerscheins. Und tatsächlich empfinde ich so etwas wie die Freude des Schenkens, wenn sich das Kind zu Weihnachten so richtig und kindlich über das Geschenk freut. Das Lächeln von M. jedenfalls ist unbezahlbar und es wird mich noch ein wenig begleiten, zum Beispiel jetzt gerade, da ich die Geschichte aufschreibe…
Herr Boe klopft sich und seinem inneren Team auf die Schulter/n: Ja, wir waren heute ein guter Pfadfinder! (das innere Team singt gemeinsam: „Kondome nicht ins Klo, keine Drogen sowieso, weniger Fernsehen, öfter zu Fuß gehen, auch mal an die im Abseits denken, gebrauchte Pornos dem Altersheim schenken – gutes Tun…“)

Sie nannten ihn Staublunge

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Heute morgen bin ich wieder losgeritten – knatterapeng! Von Luang Prabang aus, Laos inzwischen, zu den Pak Ou-Karsthöhlen, in denen sich ein buddhistischer Tempel mit Hunderten von geschnitzten Buddhafiguren befindet. Zum Tempel gelangt man mit einem kleinen Boot über den Mekong. Ich werde sogar alleine befördert, zum sozialistischen Festpreis von 25000 kip (1€).
Hatte ich doch ein großes Vergnügen daran gefunden, in der Gegend um Cao Bang und auch Ninh Binh durch die herrliche Karstlandschaft zu knattern, so ist es hier in Laos ein sehr viel geringeres. Zum einen sind die Straßen in einem schlechten Zustand, zum anderen in einem schäbigen! Schlaglöchern auszuweichen, könnte man ja noch als Herausforderung oder gar als Kunstform, als hohe Schule des Knatterapengs begreifen oder man könnte das Ganze lustig wenden und sich über die kostenlose Massage des Gluteus Maximus freuen. Aber spätestens die „Staubpiste des Todes“, die ich auf dem Rückweg einatmen muss, verdarb mir jede Freude. Teils musste ich, nach entgegenkommenden LKWs fast anhalten, weil ich die Piste kaum noch erkennen konnte.
Highlight des Tages war jedoch die Anfahrt zu den Tat Sae-Kaskaden, die sich eine Knatterapeng-Stunde entfernt von Luang Prabang hübsch versteckt in einem dicht bewaldeten, quasi unberührten Tal verstecken. Der Weg war unbefestigt, mit riesigen Löchern, schmal, kurvig und es ging steil bergab. Zwischenzeitlich wusste, glaube ich, der Weg selbst nicht mehr, ob wir hier richtig wawren. Vor der steilsten Stelle hatte ich für den Rückweg einen wahnsinnigen Respekt, insbesondere was meine fahrerische Expertise anging. Hatte ich mich hier völlig übernommen? Aber mein Yamaha Grand Felino und ich haben das gemeinsam ganz gut erledigt.
Die Kaskaden samt Badespaß selber waren aber auch natürlich nicht soo schlecht. Die Bilder sprechen ja für sich!
Am Ende des heutigen Knatterapengs benötigten jedenfalls nicht nur ich, sondern auch meine Bronchien eine ausgiebige Dusche…

Und hier der erste Teil von Knatterapeng: https://tommiboe.com/2025/11/24/knatterapeng-der-ha-giang-loop/

Frühstückssüppchen

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Frühstückssüppchen – oder: morgen um halb zehn in Laos

Okay, es ist ein amtliche Suppe und kein Süppchen. Aber sonst komme ich ja nicht auf drei „ü“ in einem Wort (das muss hin und wieder auch mal sein und klappt ja sonst nur im Türkischen). Ich bin ja nun wahrlich kein großer Frühstücker. Morgens soll man meiner Ansicht nach den Körper möglichst in Ruhe lassen. Kaffee direkt ins Gesicht muss reichen! Auch Frühsport halte ich für abwegig – und das sage ich als Sportler.
Die vergangenen Tage war ich mit meiner Reiseteilzeitbegleiterin wandern und hier geht’s höhentechnisch ordentlich zur Sache. Dafür braucht’s Energie und meine Wanderbegleitung achtet sehr darauf, die Energiespeicher aufzufüllen, bevor es losgeht. Und hin und wieder lasse selbst ich mich von vernunftbezogenen Argumenten überzeugen und auf diesem Umwege komme ich nun regelmäßig zu meinem Frühstückssüppchen, wofür ich inzwischen durchaus dankbar bin. Und diese in Laos typische Nudelsuppe, „Khao Piak Sen“, ähnlich der bekannten „Pho“ in Vietnam, hat es in sich. Neben den Nudeln kommen Gemüse, wahlweise Fleisch, und immer fangfrische Kräuter, Limette, Chili und Salat auf den Tisch, die man sich nach Belieben in die Suppe schmeißen kann. Es gibt also zum einen ordentlich Energie zum Wandern, ist zudem unglaublich lecker und wärmt einen morgens richtig auf.