philippinen

Tauchen! Wie erklär ich’s meinen Freunden?

Gepostet am Aktualisiert am

Tja, gute Frage. Das Besondere am Tauchen ist ja, dass es tatsächlich besonders ist. Aber nicht so wie ein besonders schöner Sonnenuntergang, ein besonders toller Wasserfall, eine besonders leckere Phở (mit besonders viel verwirrenden Sonderzeichen auf dem o) oder eine fantastische Aussicht nach einer besonderen Wanderung, sondern besonders im Sinne von anders – oder besser: ganz anders als alles andere.
Man taucht unter und alles oberhalb des Meeresspiegels verschwindet. Alles andere ist weg und egal für den Moment. Für eine Stunde zählt nichts, was da oben wichtig ist, persönlich oder politisch. Du bist einfach unter Wasser, abgetaucht und schwebst in einer anderen (teils noch heilen, vom Menschen unberührten) Welt. Eine Ursprünglichkeit, die es vielleicht noch in abgelegenen Teilen des tropischen Regenwald, der Wüste oder in der Antarktis gibt. Na klar, der Mensch gibt sich alle Mühe auch diese letzten Reservate zu ruinieren. Aber noch gibt es sie und das macht es so besonders.
Korallen, Fischen in diversen Größen und allen Farben, Schildkröten und wirklich seltsamen Vögeln begegnet man. Wer hat sich einen Frog Fish ausgedacht oder biolumineszierendes Plankton? Wer hat Seepferdchen, Pfeifenfische oder glitzendernde, Licht refklektierende Disko-Muscheln in dieses riesige, surreale Aquarium geschmissen? Und ich rede noch gar nicht von den unglaublichen Ungeheuerlichkeiten der Tiefsee… Verrückte Welt, durch die ich staunend schweben darf, mal hier und dort verweile, um dem regen Treiben in einem Steinkorallen-Hotel zu folgen und die vielfältigen Bewohner zu bewundern oder mir vom Tauchguide verborgene Schätze zeigen lassen. Denn die wissen, wenn man gute Guides hat, wie ich bisher, wo sich der Oktopus, der Weißspitzenhai oder andere Schlingel versteckt haben.
Und besonders ist auch, dass es hier unten nicht um mich geht. Ich bin Gast und das Meer entlässt mich nach einer Stunde wieder, als wäre ich nicht da gewesen. Das Meer und die Fische interessieren sich nicht für mich. Ich bin weder Gefahr noch Nahrung – meistens…! Lediglich ein neoprener Humanoid mit Pressluft oder ein UTO, ein unbedeutendes Tauchobjekt. Es kümmert keine Sau. Und mir bleibt ein zum Glück nicht atemberaubendes Staunen und Genießen. Ich finde Ruhe im Schweben. Selbst die Zeit tickt hier anders, nämlich in Bar und rückwärts, und zeigt mir den verbleibenden Druck im Tank an.
Dann ploppe ich an die Oberfläche, das Meer spuckt mich aus, entlässt mich in meine wirkliche, nicht in die bessere Welt. Meine Zeit unter Wasser ist begrenzt, abgelaufen. Dem Meer ist’s egal, mir nicht! – Geräusche kehren zurück, Motoren, Stimmen. Ich setze die Maske ab, schnäuze, lächle, blinzle in die Sonne und brauche einen Moment, um das Wow zu überwinden. Begreifen kann ich das Wunder nicht. Ich lächle und um mich herum lächelnde Gesichter. Offenbar tut der Menschheit Tauchen gut. Es hält uns den Spiegel vor. Darin: Wie schön die Welt, wenn der Mensch sie in Ruhe lässt, und auch unsere Bedeutungslosigkeit. Tut auch mal gut! Ich werfe die Flossen und den Gewichtsgurt aufs Boot und klettere über eine kleine Holzleiter aus dem Wasser.
„How was the dive?“ – „Ohh wonderful!“ antwortet mein Lächeln. „Just beautiful“. Was wissen meine Worte, noch geblendet vom Wunder unter Wasser, schon zu sagen…?
Das Boot bringt uns zurück. Die Menschen um mich herum sind alle schön. Wir lächeln um die Wette, preisen beseelt unsere Erlebnisse und teilen die Besonderheit des Tauchens, das einfach glücklich macht. Für den Moment, für diesen Tag. Und morgen gleich noch mal!

So sieht er aus! Tresher Sharks kommen zu dieser „Cleaning Station“, um sich von Putzerfischen von Parasiten befreien zu lassen…