Transport, Mister, die zweite!

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Transport, Mister, die zweite!
(Fortsetzung von Teil 1)
Malatapay Port, 3pm., endlich geht’s aufs Boot. Das ganze Prozedere hat eineinhalb Stunden gedauert. Schwer zu sagen, warum und worauf wir warten. Eine resolute, ältere Frau mit roten Haaren (im Folgenden Red Lady genannt) hat hier das Kommando. Sie telefoniert viel und laut, weist die anderen Leute an, informiert uns Wartenden aber nur spärlich. Immerhin unser Boot geht noch, ist aber das letzte für heute, weil kein anderes mehr heute nach Apo Island zurückkehrt und auch keines mehr kommen wird wegen des starken Wellengangs. Wir sind inzwischen sieben Touris an, die nach Apo wollen. Beim Besteigen des Bootes werden wir bis zur Hüfte nass, da es hier keinen Anleger gibt und die Brandung ordentlich Wellen gegen den Strand wirft.
Alle an Bord, aber der Motor springt nicht an. Die Jungs im „Motorraum“ fangen an, am Motor rumzuschrauben. Recht erfolglos. Denn der Motor reagiert nicht. Inzwischen wird laut schreiend Kontakt zu einem benachbarten Boot aufgenommen. Wir hängen 50 Meter vor der Küste an einer Boje und werden hübsch durchgeschaukelt. Ein kleines Paddelboot kommt vorbei und bringt ein (in Zahlen:1!) Rettung verheißendes Werkzeug vorbei. Die Zeit vergeht, der Motor steht, der Wind, der weht, doch es fehlt Gerät! Unser „Kapitän“ springt ins Wasser und schwimmt zu einem unbesetzten Nachbarboot, um nach weiterem Werkzeug zu suchen. Danach schwimmt er ans Ufer, kommt fünf Minuten später mit einem Paddelboottaxi zurück mit 1 (!) neuem Werkzeug. Absurdes Theater! Warten auf Godot erscheint amüsant dagegen.
Nicht das Boot, aber die Stimmung unter den Passagieren kippt. Zu Beginn hatten sich die beiden französischen Pärchen, die sich am Anleger kennengelernt haben, noch angeregt unterhalten. Inzwischen 90 Minuten später frieren alle, halbnass im Wind, reichlich durchgeschaukelt und keiner weiß, wie es weitergehen soll. Gibt es hier eigentlich einen Plan B? Vorsichtig frage ich, wie das mit uns Passgieren an Bord denn geschehen soll. Der Kapitän schaut mich zornig an. „We are trying everything!“ schnauzt er zurück. Ich werfe ein, dass es neben dem Motor eben auch noch Passagiere gebe.
Inzwischen 5pm., die Sonne holt schon ihren Pyjama raus, ist die Stimmung endgültig unter Null. Da springt tatsächlich der Motor an. Wir schauen uns ungläubig an. Die werden doch wohl nicht jetzt noch mit diesem Boot losfahren. Die Überfahrt soll 30-40 Minuten dauern, je nach Wellengang auch länger… Nein! wir fahren zurück an Land, wo die Red Lady wartet und mit den Männer an Boot schimpft. Denn natürlich hätten sie sich längst um eine andere Alternative kümmern müssen. Sie knüpft ihnen das Geld wieder ab und gibt es uns zurück. Sie entschuldigt sich bei uns und kümmert sich um eine Bleibe für uns für die Nacht. Wir können in einem nahen Resort für die Nacht unterkommen und dann morgen früh um 6 Uhr mit dem ersten Boot nach Apo. Sofern das Meer mitspielt.
Erleichtert (besonders darüber, dass die nicht noch losfahren wollten) steigen wir sieben in ein Tuktuk, das uns zu besagtem Resort bringt. Uns wird geholfen – immerhin! Das Gefühl verfliegt schnell. Der Tuktukista verlangt anschließend 100P pro Person, also 700P insgesamt, was für die 4-5 Kilometer viel zu viel ist. Das eine französische Pärchen eskaliert endgültig. Besonders die Frau versucht sich in dem Wettbewerb: Wie beweise ich, dass ich Französin bin, indem sie schlecht gelaunt, unhöflich und in miserablem Englisch den Tuktukfahrer zur Schnecke macht. Ich sehe, sie beherrscht ihr Französisch-Sein, Chapeau! Da bin ich regelrecht froh, deutsch zu sein (Dass ich so einen Satz mal schreibe…!). Obwohl ich den Fahrer längst auf 50P runtergehandelt habe, krakelt sie weiter. Sie will jetzt gar nichts mehr zahlen. Schließlich sei es nicht ihre Schuld, dass das Boot nicht gefahren sei. Warum der Tuktukfahrer das auszubaden habe, erschließt sich wohl nur in ihrem Universum.
Parallel dazu versucht eine alte Frau vom Resort uns als Gruppe (7 Personen) in ein Zimmer unterzubringen. Da hat sie wohl irgend etwas völlig falsch verstanden. Es lässt sich eigentlich alles lösen, da es genügend freie Zimmer gibt, aber die Französin bitcht immer weiter und verliert vollkommen die Nerven. Das Zimmer will sie übrigens auch nicht zahlen. Schließlich haben sie ja schon ein Zimmer auf Apo Island für diese Nacht gebucht. Wow! Vom französischen Lärm angelockt, versuchen zwei nette philippinische Frauen, auch Gäste hier, zu vermitteln. Fremdscham vom Feinsten. Puhh!
Das Ende vom Lied: Alle bleiben im Resort. Mich laden die beiden philippinischen Frauen noch zum Abendessen ein, supernett. Es gibt Emergency-Food, Instant-Noodeln, und dazu eine interessante Unterhaltung.
Frühstart! Ich gehe mit den beiden anderen jungen Frauen (D+NL) los. Wir haben keinen Bock auf die Französin. Wenig später sind wir alle sieben am Anleger. Die Red Lady ist natürlich auch schon da. Aber das Theater geht weiter! Eine Reisende wartet bereits. Mit der könnten wir uns ein Boot teilen. Allerdings würde der Preis im Vergleich zu gestern auf 580 Peso steigen (ca. 1€ mehr). Na also, denke ich, endlich! Mais apparemment je ne connais pas tres bien ma petite bitch francaise… Denn die meckert schon wieder los: viel zu teuer – meck meck meck – nicht ihre Schuld und überhaupt. Mir reichts: „C’est trop ridicule de se comporter ainsi por un fucking Euro. Je ne peux plus supporter cette merde! Ca suffit, putain!“ – Plötzliche Ruhe! Alle Franzosen schauen mich mit großen Augen an, einer von ihnen muss sogar leicht grinsen. Ach, der spricht französisch… Ja, dafür reicht’s: ferme ta bouche, bitch! Immerhin hält sie erst einmal die Klappe. Meine Fresse, so ein Aufstand für 1 Euro!
Der Rest ist Happy End: Der Wellengang ist auch heute noch ordentlich, schaukelt uns gut durch, aber beherrschbar. Ich beziehe mein Häuschen, kann heute noch zwei Tauchgänge machen und allen Ärger abstreifen und fallen lassen. Ich denke kurz an das französische Pärchen und schau mir tief in die Augen. Ach, Herr Boe, alleine reisen ist doch gar so schlecht. Komm, lass uns noch mal tauchen gehen. Au ja, prima Idee. Ich nehme mich an der Hand und wir hopserlaufen pfeifend (zu „todo me parece bonito“ von Jarabe de Palo) zum Dive Shop…

(Anm.: Ich weiß, ich weiß, man soll Frauen nicht als Bitch bezeichnen. Aber leider hat sie sich zu sehr, zu intensiv und zu ausdauernd um die Bezeichnung beworben. Auch weiß ich, dass nicht alle Französ:innen so sind. Teile des Textes überzeichnen und nutzen dramaturgische und satirische Stilmittel. Mit dem anderen französischen Pärchen habe ich mich die nächsten Tage auf Apo Island noch lange und gut unterhalten. Die waren sehr nett und ihnen war die ganze Merde auch voll unangenehm…)

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