Transport, Mister!
„Transport, Mister!“ hallt es mir seit meiner ersten Indonesienreise Ende der 90er in den Ohren. Menschen wollten mich damit zum Transport überreden und das, obwohl ich damals selbst mit dem Fahrrad unterwegs war. Vielleicht gildete ein Rad nicht als echtes Transportmittel. Damals hatte die Bezeichnung „Chicken-Bus“ noch seine Berechtigung, da es auf dem Nachbarsitz tatsächlich gackern konnte.
Diese Zeiten sind wohl vorbei, auch auf den Philippinen, obwohl hier das Reisen hier noch sehr viel ursprünglicher ist als zum Beispiel in Vietnam, wo alles längst viel professioneller auf den Tourismus ausgerichtet und dadurch auch viel verlässlicher, schneller und bequemer ist.
Daher klage ich auch nicht, wenn es mal etwas länger dauert. Ich lächele ein nostalgisches „Tja, so wie früher!“-Lächeln. Ehrlich gesagt, hätte ich aber durchaus auf Teile folgenden Reisetages verzichten können. Auf der anderen Seite hat der Reiseberichterstatter dadurch etwas zu erzählen:
Der Morgen beginnt sehr früh (ich wecke die umliegenden Hähne um 5:00 Uhr) und mit einem Black-out genau in dem Moment, in dem ich meine zweite Kontaktlinse eingelegt habe (Glück gehabt). Ich laufe im Dunkeln zum Treffpunkt, von dem ich um 5:30 abgeholt werden soll. Zwanzig Minuten später erscheint mein Typ mit einem Moto, um mir zu berichten, dass der Bootstrip nach Oslob, von wo ich zu meiner kleiner Insel, Apo Island, weiterreisen möchte, wegen zu starken Wellenganges gecancelt worden ist. Change of plans! Zuerst soll ich aber noch meine Anzahlung von 500 Pesos wiederbekommen. Dafür muss ich allerdings zur Office nach Alona Beach, weil so viel Geld (ca. 7,50 €) hat er nicht dabei. Ich schnappe mir ein Tuktuk und folge ihm und muss dann noch mal zehn Minuten warten, um mein Geld zu bekommen. Inzwischen steht mein Plan B: Von Tagliban Port gibt’s wohl eine richtige Fähre direkt nach Dumaguete City. Okay! Let’s go! Ich investiere mein Deposit ins Tuktuk und lasse mich ca. 40 Minuten zum Port fahren. Das sollte klappen, sofern die Fährverbindungen stimmen. Wir knattern durch den Morgen. Herr Boe lehnt genießend sich zurück: That’s the Reise-Feeling, Freunde!
In der Ticket Office erfahre ich von einer zusätzlichen Variante. Denn ich kann schon um 7:30 eine Fähre nach Siquijor nehmen und von dort mit der gleichen Fähre weiter nach Dumaguete. Es läuft!
Tatsächlich ist das Meer durchaus unruhig, was sich insbesondere beim Anlegemanöver in Siquijor als durchaus knifflig erweist. Denn die ersten drei Versuche, dass Boot am Kai festzumachen, schlagen fehl. Zwischendurch stehen wir quer zu Wellen, was die Fähre mächtig ins Krängen (seemännisch für seitliches Neigen) bringt. Uiuiui!! Wir müssen uns in unruhiger See eine Dreiviertelstunde lang durchschaukeln lassen, bis ein anderer, besser anzusteuernder Anlegeplatz frei wird. Auch dieses Manöver ist atemberaubend, aber gelingt. Die Fähre wird ent- und beladen, bevor es weiter nach Dumaguete geht. Da die See ruppig bleibt, wird auch das dortige Anlegemanöver eine Herausforderung. Wie ich später erfahre, wird nach unserer Landung der Fährbetrieb von der Küstenwache aus Sicherheitsgründen eingestellt. Einige sehr blasse Gesichter verlassen die Fähre, eine Frau erleidet auf dem wackeligen Steg zum Festland einen Kreislaufzusammenbruch. Puhhh!
Weiter mit dem Tuktuk nach Malatapay, einem kleinen Ort, von dem aus die Boote nach Apo Island gehen. Ein Public Boat soll so gegen 3pm ablegen. Ich bin gut in der Zeit und bin um 1:30pm an der Wharf. Na, das hat doch bisher ganz gut geklappt oder? – Oder etwa nicht…?
(Cliffhanger)





