Raus aus Hongkong!
Nach zwei Tagen im Hochhausmeer von Hongkong möchte ich heute das richtige Meer sehen.
Gestern beim Mittagessen hatte ich ein nettes Gespräch mit einem Hongkonger, der gerade in seiner Mittagspause war und an meinem Tisch saß. Er machte mir ein paar Empfehlungen für außerhalb der Stadt. Und so mache ich mich heute auf den Weg nach Lamma Island. Angekommen am Pier, von dem mein Boot in ein paar Minuten abfahren soll, stellen ich und drei Franzosen vor mir fest, dass man nicht mit Karte und auch nicht bar bezahlen kann. Der Typ am Drehkreuz spricht undeutlich und fuchtelt deutlich nach draußen. Die drei jungen Franzosen sprinten los, gefühlt in vier Richtungen. Ich geh mal grob und parabelförmig hinterher, hatte ja mal Mathe-LK. Die Jungs vor mir sind schon am nächsten Pier angekommen, als ich aus dem Augenwinkel einen versteckten Schalter erblicken. Ich hole ihn aus dem Augenwinkel heraus und lese „Coin Exchange“. Ahh, an dem Drehkreuz hätte man auch Münzen einwerfen können. Aber die hat natürlich keiner. Ich wusste bis eben nicht mal, dass es Münzen in Hongkong gibt. Ich laufe hin, wechsle Münzen und renne zum Drehkreuz. Den noch immer hin- und herflitzenden Franzosen rufe ich zu, dass es hier Münzen gibt. Der Typ am Drehkreuz nimmt mir schnell die richtigen Münzen aus der Hand, wirft sie ein und ich sprinte an Bord: 10:19, eine Minute bis zur Abfahrt, das nächste Boot geht in 1,5 Stunden. Puh! Geschafft. Ich setze mich hin, als das Tor hinter mir schließt. Ohne Franzosen fahren wir los. Einmal um Hongkong Island herum und dann taucht Lamma Island auf. Wir landen an einem kleinen Fischerdorf, ein paar Boote in der Bucht, eine Straße mit ein paar leeren Restaurants an Land. Nach zwei Minuten bin ich alleine auf meinem Wanderweg. Es geht hoch und von Hongkong ist schon nach kurzer Zeit keine Spur. Es tut gut, sich hier draußen zu bewegen. Große Granitfelsen liegen hier wie vergessen auf dem Berg herum, schön, markant, zum Teil wie mit einer Axt in zwei Teile zerschlagen (Kernsprung, Kernsprung! jubelt der innere Geograph, der sich kurz aus dem Sabbatical zurückmeldet). Dann bin ich oben, der Blick geht ins Weite auf die andere Seite, wo dann fast nichts mehr ist, ein paar einzelne Containerschiffe, dahinter bis zum Horizont das Südchinesische Meer. In meinem Rücken irgendwo diese 7,5 Mio.-Stadt. Kaum zu glauben wie nah und fern das ist. Vier Stunden später bringt mich die Fähre innerhalb von 30 Minuten zurück in den Wahnsinn! Wow!
P.S.: Beim Essen auf Lamma Island werden ich von der Bedienung gefragt: „You want more penis?“ – What…?! – „You want more peanuts?“ äh, yes and yes!




